Energieberater kommt Stromfressern und Kältebrücken auf die Spur

Kochen Sie mit Strom, schlafen Sie im Wasserbett und nutzen Sie an heißen Sommertagen eine Klimaanlage? Wie kalt ist es in Ihrem Kühlschrank? Haben Sie einen Wasserkocher und wie alt ist Ihre Waschmaschine? Sechs Seiten umfasst der Fragebogen, den Hesso Gantert, Geschäftsführer der Ortenauer Energieagentur, abarbeitet, als er im Hause des Kehler Beigeordneten Thomas Wuttke zur Energieberatung auftaucht. Das Ziel: Stromfressern auf die Spur zu kommen und aufzudecken, wo Wärme nach außen dringt, anstatt drinnen für angenehme Wohntemperaturen zu sorgen. Oder anders ausgedrückt: Wie kann Familie Wuttke Energie sparen?

Gebäudecheck nennt sich das Programm, das die Verbraucherzentrale entwickelt hat und das für das Eigenheim genauso sinnvoll ist wie für die Mietwohnung, stellt Hesso Gantert klar. Thomas und Claudia Wuttke haben bereits im Vorfeld des Beratungstermins zu Hause online einen Fragebogen ausgefüllt und darin Auskunft gegeben über den Stromverbrauch oder darüber, welche Art der Wärmeerzeugung sie nutzen. Die digitale Auswertung zeigt beim Stromverbrauch, der natürlich in Relation zur Anzahl der Familienmitglieder gesetzt wird, einen grünen Hacken. Hesso Gantert ist zufrieden, das ist „sehr gut“, lobt er, fragt aber trotzdem nach dem Alter des Kühlschranks und der Temperatur in dessen Innern. „Sieben Grad ist gut“, erklärt er, „alles, was darunter liegt, braucht mehr Energie“. Wuttkes haben noch ein zweites Kühlgerät, berichten sie. „Da muss man nachdenken, ob es nötig ist und vor allem: ob es zwölf Monate im Jahr laufen muss“, rät der Energieberater.

Ganz genau sieht sich Hesso Gantert die Heizung im Hause Wuttke an - schon eine gute Einstellung kann eine Menge Energie sparen.zoom

Gemeinsam mit dem Ehepaar Wuttke geht er alle Elektrogeräte im Haushalt durch: Geschirrspülmaschine, Waschmaschine, Wäschetrockner, fragt nach Heiz- oder Klimageräten und ob ein Wasserkocher existiert. Hesso Gantert interessiert sich für das Alter der Elektrogeräte, bei welchen Temperaturen Geschirr und Wäsche gewaschen werden und mit wie vielen Umdrehungen die Waschmaschine die Wäsche schleudert. Trocknet die Wäsche im Freien auf der Leine reicht eine niedrigere Schleuderzahl, wer einen Wäschetrockner betreibt, der kann mit hohen Umdrehungen beim Schleudern beim Trocknen Energie sparen, erläutert er. Auch welche Leuchtmittel verwendet werden, interessiert den Energieberater natürlich: Der Austausch von alten Glühbirnen durch LED-Leuchtmittel lässt die Stromrechnung sinken.
Hesso Gantert gibt Hinweise, wo Energie gespart werden kann und das meist auch nur, wenn die Auswertung des Online-Fragebogens beim Stromverbrauch einen gelben oder roten Bereich zeigt. Dann versucht er auch, den sogenannten Standby-Stromverbrauchern auf die Spur zu kommen. Abschaltbare Steckdosen können hier hilfreich sein. Dass über ungedämmte Auszugstreppen zum Dachboden Wärme entweichen kann, zeigt er bei seinen Hausbesuchen ebenso auf, wie er nach Kältebrücken sucht, die durch unisolierte Rollladenkästen ebenso entstehen können wie durch Betonbalkone, die aus der Hauswand herausgezogen sind. Er fragt nach der Art der Fensterverglasung und weist darauf hin, wie wichtig es für den Wärmeverbrauch ist, dass die Dichtungen in Ordnung sind.

Anhand der Auswertung eines Fragebogens bespricht der Energieberater mit Claudia und Thomas Wuttke, wo im Haushalt noch Energie gespart werden könnte.zoom

Und dann geht es natürlich um die Heizung und darum, wie viel Wärme – unabhängig vom Brennstoff – pro Jahr verbraucht wird, um einen Quadratmeter Wohnfläche zu heizen. Die Heizung der Wuttkes liegt im Bereich zwischen Hellgrün und Gelb. Hesso Gantert kommt auf die Möglichkeit der Absenkung der Temperaturen während der Nacht zu sprechen. Das ist aber nur dann eine Option, wenn alle Haushaltsmitglieder in etwa den gleichen Lebensrhythmus haben: „Die Nachtabsenkung sollte mindestens sechs Stunden umfassen“, sagt der Fachmann, „sonst ist es sinnlos“. Wie hoch die bevorzugte Raumtemperatur tagsüber sei, müsse jeder für sich entscheiden, sagt Hesso Gantert: „Die Leute sollen sich in ihrer Wohnung wohlfühlen.“ Er trete nicht an, um sich als Energieberater „ideologisch zu verkämpfen“. Wenn die Wohlfühltemperatur in einem Haushalt bei 22 Grad liege, weise er darauf hin, dass eine Absenkung um ein Grad „eine mögliche Stellschraube ist“, um den Energieverbrauch zu senken. „Viele Lösungen führen zum Ziel.“
Bei Wuttkes wird auch das Wasser über die Gasheizung erwärmt. Auch hier ist Hesso Gantert alles andere als dogmatisch: 50 Grad Wassertemperatur sind aus der Sicht des Energieberaters ausreichend. Der Trinkwasserspezialist rate zu 60 Grad, erklärt er ganz offen: „Dann sind alle Keime tot und die Legionellen auch.“ Wenn man jedoch einmal pro Woche die Temperatur im Wassersystem auf 60 Grad erhöhe und gleichzeitig den von der Heizung am weitesten entfernt liegenden Wasserhahn öffne und das Netz durchspüle, reicht das seiner Ansicht nach auch aus. Durch sechs bis acht Prozent weniger Energieverbrauch unterscheide sich eine gute von einer schlechten Einstellung der Heizung, erläutert Hesso Gantert. Schon wer Ventile hat, die einen hydraulischen Abgleich ermöglichen, also dafür sorgen, dass in allen Heizkörpern die gleich Wärmemenge ankommt, kann sparen. Wenn die Heizungspumpe gegen eine Hocheffizienzpumpe ausgetauscht werde, verbrauche die nur noch ein Fünftel bis ein Zehntel des Stroms des alten dreistufigen Modells. „Das sind 4000 bis 5000 Kilowattstunden pro Jahr“, rechnet der Energieberater vor. Wer die Pumpe tausche, könne von der BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausführkontrolle) und von der Stadt Kehl Zuschüsse bekommen.
Das Nachdenken über Energiesparmaßnahmen lohnt sich, stellt Hesso Gantert dar, auch für Hauseigentümer, die ihre alte Heizung erneuern müssen. Wer seine Heizung austausche, müsse 15 Prozent erneuerbare Energien einsetzen – eine „besonders gute Dämmung wird anerkannt“, weiß der Energieberater, „auch ein Kachelofen kann unter bestimmten Voraussetzungen angerechnet werden“.

Info:
Die Ortenauer Energieagentur bietet am Donnerstag, 23. Januar, wieder eine kostenfreie Energie-Erstberatung an. Kehler Hausbesitzer können sich dabei über die Themen Energiesparen in den eigenen vier Wänden, Heizung, Solaranlagen, Förderprogramme und über gesetzliche Vorgaben informieren. Die Beratung findet nachmittags im Besprechungszimmer im Rathaus II, Rathausplatz 3, statt und wird einmal pro Monat angeboten. Wer sich beraten lassen möchte, kann bis Dienstag, 21. Januar, einen Termin im Bürgerbüro Bauen telefonisch unter 07851 88-4103 oder per E-Mail an buergerbuero.bauen@stadt-kehl.de vereinbaren.
Ein Gebäudecheck zu Hause kostet 30 Euro – im Rahmen der Aktion „Ihr Haus unter der Klimalupe“, welche die Stadt in regelmäßigen Abständen auflegt, wird dieser Eigenanteil von der Stadt übernommen.
Informationen über das Zuschussprogramm der Stadt Kehl finden sich hier.

15.01.2020

 

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