In der Fußgängerzone: Mehr Passanten als auf dem Berliner KU-Damm

Kehl hat etwas, worum die Stadt viele andere beneiden: Leben in der Fußgängerzone, will heißen eine hohe Anzahl von Passanten. Mehr als 17 500 sind es im Durchschnitt über alle Tage gerechnet. Am 11. November 2019 waren in der Kehler Fußgängerzone mehr Menschen unterwegs als auf dem Berliner Kurfürstendamm. Die meisten Innenstadtbesucherinnen und –besucher werden natürlich bei Festen gezählt und bei schönem – aber nicht zu heißem – Wetter. Das ist das Ergebnis von Erhebungen, welche die Kehler Wirtschaftsförderung seit April 2017 immer wieder vornehmen lässt.

Erfasst werden Innenstadtbesucher an Messtagen, wenn sich ihre Handys im WLAN befinden. Dabei werden keine personenbezogenen Daten erhoben. Diese Messmethode stellt sicher, dass jeder Passant nur einmal erfasst wird, unabhängig davon wie er sich durch die Fußgängerzone bewegt. Aufgrund von statistischen Daten über den Anteil der Smartphone Besitzer in der Bevölkerung werden die Zahlen hochgerechnet und mit tatsächlichen Zählungen vor Ort auf Plausibilität geprüft. Gemessen wird in bestimmten Zeiträumen immer von 10 bis 18 Uhr und zwar an allen Tagen der Woche.
Je nach Tag und Wetter variieren die Zahlen stark: An Sonntagen mit ungemütlichem Regenwetter verlieren sich in den genannten acht Stunden 2000 bis 4000 Besucherinnen und Besucher in der Innenstadt, an Regentagen unter der Woche sind es zwischen 6000 und 10 000, während sich an Samstagen immer wieder um die 20 000 Menschen in der Innenstadt tummeln. In Relation zu den rund 36 000 Einwohnern der Gesamtstadt Kehl, ist das schon eine sehr beachtliche Menge, findet Wirtschaftsförderin Fiona Härtel, welche die Erhebungen seit April 2017 regelmäßig im Frühjahr und im Herbst beauftragt.

Nie waren so viele Menschen in der Kehler Innenstadt wie beim Tramfest Ende April 2017.zoom

Die allermeisten Besucherinnen und Besucher zieht alljährlich der Messdi in die Innenstadt: Wenn das Wetter passt – also nicht zu nass, nicht zu kühl und nicht zu heiß ist – werden 38 000 bis 45 000 Menschen pro Tag in der Fußgängerzone erfasst – nur beim Fest zur Einweihung der grenzüberschreitenden Tram bis zum Bahnhof Ende April 2017 waren es mit 51 000 noch mehr. Neben den Festen spielen natürlich die französischen Feiertage eine Rolle, an denen in Baden gearbeitet wird: Bis zu 20 000 Passanten tummeln sich an solchen Tagen in der Innenstadt.
Welche Menschenmenge das ist, zeigt ein Vergleich mit Berlin: Auf der Südseite des Kurfürstendamms in Berlin waren am 11. November pro Stunde 2033 Personen unterwegs; auf der Nordseite wurden 1300 registriert. In Kehl lag der Durchschnitt pro Stunde bei 2050. In der Freiburger Kaiser-Joseph-Straße, wo sich der französische Feiertag auch auswirkt, lag das Stundenmittel bei 3900 Personen.

Das Wetter muss passen, damit sich Fußgängerzone und Innenstadt bevölkern - das gilt nicht nur beim Messdi, wenn zwischen 10 und 18 Uhr täglich zwischen 38 000 und 45 000 Menschen nach Kehl kommen.zoom

Auch die Verlängerung der Tramlinie D über den Rhein schlägt sich in den Zahlen nieder: Der beste Monat war der Mai 2017 mit 21 440 Innenstadtbesucherinnen und –besuchern im Tagesdurchschnitt – das Tramfest ist dabei nicht eingerechnet (es fand am letzten Aprilwochenende statt). „Das zeigt, dass viele Neugierige kamen, um sich Kehl anzuschauen“, interpretiert Fiona Härtel die Rekordzahlen. Auch im September und Oktober 2017 waren täglich 20 070 Passanten in der Fußgängerzone unterwegs.
Das änderte sich mit dem Innenstadtumbau, der nötig war, um die Tramtrasse bis zum Rathaus zu verlängern. In fünf Baufeldern wurde damals gleichzeitig gebaut; Umleitungen waren unvermeidbar. „Das Baustellenjahr hat sich negativ auf die Besucherfrequenz in der Innenstadt ausgewirkt“, ist für Fiona Härtel klar und die Erhebungen bestätigen ihre Aussage: Lag die Zahl der Passanten im April und Mai 2018 im Tagesmittel noch bei 17 058, fiel sie im Herbst 2018 – also in der Endphase der Baustellenzeit – auf 14 788 ab. Damals musste die B 28 auf zwei Fahrspuren reduziert werden, damit die Fahrbahndecke eingebaut werden konnte; gerade in diese schwierige Zeit fiel auch noch die Sperrung der Hafenzufahrt Ost aufgrund von Bauarbeiten des Landes.
„Es ist immer schwer, einmal verlorene Kunden zurückzuholen“, weiß Fiona Härtel, doch die Zahlen aus dem vergangenen Jahr machen Hoffnung: Im März hielten sich täglich 3000 Passanten mehr in der Fußgängerzone auf als im gleichen Monat 2018 ; im nasskalten April 2019 waren es – wohl wetterbedingt – allerdings weniger als im Vorjahr. Im Mai überstiegen die täglichen Durchschnittswerte bei den Besucherzahlen wieder die 17 000er-Marke, ein Trend, der sich auch im Herbst bestätigt hat. Besucherrekorde wurden im vergangenen Jahr – außerhalb des Messdis – am Ostersamstag (25 000 Personen) und am 8. Mai (Feiertag in Frankreich) mit mehr als 30 000 Innenstadtbesucherinnen und –besuchern aufgestellt.
Mehr Passanten in der Innenstadt, darauf weist Fiona Härtel hin, „bedeutet heute nicht mehr zwangsläufig mehr Umsatz im Handel“. Die Menschen kauften – nicht nur in Kehl – insgesamt weniger ein. Gerade die Deutschen seien allgemein dafür bekannt, dass sie ihr Geld eher für Reisen, für Autos, für Freizeitaktivitäten und Handyverträge ausgäben als für Konsumgüter, die in Innenstädten erhältlich sind.

25.01.2020

 

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