Notbetreuung in den Kitas: „Ich muss hierblieben, bis Corona wieder weg ist“

Den großen Turnraum in der Kita Vogesenallee haben die vier Jungs quasi für sich allein. Unter den wachsamen Augen von zwei Erzieherinnen erklimmen sie Sprossenwände, hüpfen auf Turnmatten oder krabbeln durch selbstgebaute Tunnels. Und nebenan im Krippenbereich nehmen zwei Mädchen fröhlich ein ausgiebiges Bällebad. Der erste Tag der Notbetreuung in den Kehler Einrichtungen Vogesenallee und Kreuzmatt beginnt ruhig – und gibt Kindern wie Erzieherinnen Gelegenheit, sich auf die neue Situation einzustimmen.

Die Eingangstür zur Kita Kreuzmatt ist verschlossen. An der Fensterscheibe hängen Erklärungsschreiben, natürlich geht es um das Corona-Virus. Eine kleine Zeichnung führt Eltern, die berechtigt sind, ihre Kinder in die Notbetreuung zu geben, aber zu einem kleinen Seiteneingang. Kaum sind sie durch die Tür und in der Kita, werden sie prompt mit den Hygieneregel konfrontiert: In die Armbeuge niesen, in Papiertaschentücher schnäuzen und diese im Mülleimer entsorgen. In der Kita Kreuzmatt ist es am Montag auffällig ruhig. Es sind keine Kinder zu hören. Fast möchte man meinen, die Kita habe Ferien. Dass das mitnichten so ist, erklärt Leiterin Gabi Schellbach. Rund 30 Kinder sind dort und in der Vogesenallee angemeldet worden. Sie kommen aus der Kernstadt und den Ortschaften. Aber nicht alles ist neu für die Kleinen, die erstmals die beiden Kitas besuchen. „Sie werden hier von vertrauten Gesichtern empfangen“, erläutert Gabi Schellbach. Soll heißen: Bezugserzieherinnen wechseln während der Notbetreuung ebenfalls in die Einrichtungen – zum einen, um die Kolleginnen zu unterstützen, zum anderen, um den Kindern den Übergang möglichst angenehm zu bereiten.

Mit guter Laune und Abenteuerlust trotzen die Kinder in der Notbetreuung der Kita Vogesenallee der derzeitigen Corona-Situation.zoom

„Für die Kinder ist das schon heftig. Ohne Eingewöhnung müssen sie von heute auf morgen in einer neuen Einrichtung bleiben“, erläutert Stefanie Jogerst, Leiterin der Kita Vogesenallee. Sie hat zum Start der Notbetreuung sechs Kinder im Haus im Alter von eins bis sechs. Zwei Mädchen im Krippenalter und vier Jungs im Regelgruppenalter. Das sind zum Start vergleichsweise niedrige Betreuungszahlen. „So können sich die Kinder in Ruhe kennenlernen, das ist auch ganz schön“, sagt die Kitaleiterin. Die Kinder zeigen jedoch kaum Berührungsängste. Schnell hat man sich zusammengefunden und erforscht die Spielutensilien in den einzelnen Räumen.
Die Neuankömmlinge ahnen bereits, wieso sie nun plötzlich an der Vogesenallee sind. „Ich muss hierbleiben, bis Corona wieder weg ist“, erklärt ein Junge aufgeweckt einer Erzieherin. „Die Kleinen machen das total cool“, sagt Stefanie Jogerst. Während die beiden Mädchen gar nicht mehr aus ihrem Bällebad klettern zu wollen scheinen, begeistert Sportlehrerin Waltraud Uhl-Weber die vier Energiebündel zu einer Partie Jägerball. Die schweren Turnmatten werden beiseite gehievt und die Halle freigeräumt, sodass die Kinder durch den Sportraum wetzen können. „Spontane, angeleitete Spiele – auch das gehört zu unserem Alltag“, erklärt Stefanie Jogerst. Die neue Routine, sie muss sich in den beiden Notbetreuungseinrichtungen erst noch finden. „Dadurch, dass die Pläne der Landesregierung, die Kitas bis zum Ende der Osterferien zu schließen, die Kitaleitungen überrascht hat, musste rasch umdisponiert werden“, erklärt Dr. Marcus Kröckel, Fachbereichsleiter Bildung, Soziales und Kultur. Priorität sei es nun, die Notbetreuung mit ausreichend Personal zu gewährleisten – auch für den Fall krankheitsbedingter Ausfälle. Weitere Erzieherinnen stehen auf Abruf bereit. Eine Art Ferienprogramm für die Zeit bis zum Ende der Osterferien gebe es daher noch nicht.

Kehler Arbeitgeber können für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zur sogenannten kritischen Infrastruktur zählen, weil sie beispielsweise in Krankenhäusern arbeiten, bei der Polizei oder der Feuerwehr, eine Notunterbringung im Rathaus beantragen. Die Verwaltung prüft anschließend, ob ein Anspruch besteht. Melden können sich Arbeitgeber telefonisch unter 07851 88-4999 oder per E-Mail unter notbetreuung@stadt-kehl.de. Das Telefon ist von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 16 Uhr besetzt.

18.03.2020

 

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