OB Toni Vetrano wendet sich an Bürgerinnen und Bürger:
Liebe Kehlerinnen und Kehler,

ich nutze die städtische Homepage heute dazu, mich direkt an Sie zu wenden. Das habe ich noch nie gemacht – und auch das zeigt, dass wir uns in einer Situation befinden, die niemand von uns je zuvor erlebt hat. Die Zahl unserer Mitbürgerinnen und Mitbürger, die sich mit dem Corona-Virus infiziert haben, ist heute (19. März) auf 13 angestiegen. Angesichts von knapp 37 000 Einwohnerinnen und Einwohnern in unserer Stadt mag das manchem von Ihnen vernachlässigbar erscheinen, doch die Zahl wird sich rasch nach oben entwickeln. Vielleicht liegt es an dieser noch niedrigen Zahl, dass das Versammlungsverbot, das seit dem 18. März in ganz Baden-Württemberg gilt, in unserer Stadt in vielfältiger Form ignoriert wird. Sie können nach draußen gehen, Sie können die Frühlingssonne genießen – aber bitte nur mit den Menschen, mit denen Sie in einem Haushalt zusammenleben. Sie können nach draußen gehen, wenn Sie zu allen anderen Menschen Abstand halten und nicht zu den Risikogruppen gehören. Völlig verantwortungslos ist jedoch, dass auf öffentlichen Plätzen oder in Waldhütten Corona-Partys gefeiert werden, dass an Baggerseen im Freundeskreis gegrillt oder am Rhein gepicknickt wird. Wer jetzt noch feiert und Kontaktverbote missachtet, gefährdet Leben.

Und verstößt gegen das Versammlungsverbot. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe geahndet wird. Sowohl der Kommunale Ordnungsdienst als auch die Polizei verstärken ihre Kontrollen.
Das eigentliche Problem für mich ist aber, dass wir überhaupt kontrollieren müssen. In einer Situation, in der es darum geht, die Ausbreitung des Virus‘ zu verlangsamen, um ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen zu schützen und unser Gesundheitssystem nicht zu überlasten, sollte jede und jeder so viel Verantwortungsgefühl haben, dass er oder sie sich an die Regeln hält und damit seine oder ihre Solidarität mit unserer Gemeinschaft beweist.
An Sie, liebe Eltern, kann ich nur dringend appellieren: Wirken Sie auf Ihre Jugendlichen ein. In Zeiten, in denen die Stadt Trauungen verbietet und die Zahl der Trauernden bei Beisetzungen auf ein Minimum limitiert, müssen auch die Jugendlichen ihren Beitrag leisten. Und das bedeutet – so hart das auch ist –, in einer unterrichtsfreien Zeit auf Treffen mit Freunden zu verzichten. Als Vater von drei Kindern weiß ich sehr gut, was es heißt, Kindern oder Jugendlichen den Kontakt mit Gleichaltrigen zu untersagen.
Jetzt ist Solidarität gefragt, jetzt gilt es, persönliche Bedürfnisse und Wünsche für eine Weile zurückzustellen.
Noch ein Hinweis in eigener Sache: Weder ich noch die Mitarbeitenden in der Verwaltung sind in der Lage, die Fülle der Mails mit Fragen zum Thema Corona zu beantworten, die uns erreicht. Bitte wenden Sie sich – auch telefonisch – nur mit absolut dringenden Fragen an die Stadtverwaltung. Bitte schieben Sie alles auf, was sich irgendwie aufschieben lässt. Bei uns gehen zurzeit bisweilen mehrere Hundert Anrufe pro Stunde ein.
Die Stadt tut alles, um die kritische Infrastruktur – von der Wasserversorgung über die Kläranlage und die Grundwasserhalteanlage bis zum Bestattungswesen – aufrechtzuerhalten. Wir brauchen unsere Mitarbeitenden für diese existenziellen Aufgaben, aber auch dafür, dass Kinder von Eltern, die in systemrelevanter Infrastruktur arbeiten – in Krankenhäusern, in der Pflege, in der Energieversorgung, bei Polizei und Feuerwehr –, betreut werden können.
Seit knapp zwei Wochen schon treffen sich die Führungskräfte jeden Morgen im Verwaltungsstab, hier wird konzentriert und präzise gearbeitet, hier wird die jeden Tag neue Lage analysiert, hier werden die Aufgaben verteilt. Ich habe große Achtung vor der Leistung, die viele Kolleginnen und Kollegen in unserer Verwaltung erbringen, weit über das übliche Maß hinaus und bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
Das bedeutet nicht, dass wir für jedes Problem eine Lösung haben. Weder ich noch sonst jemand, der heute im Arbeitsleben steht, hat eine solche Situation je erlebt. Und sie wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zuspitzen, bevor sie sich wieder entspannt. Die nächsten Wochen werden hart werden – für uns alle. Trotzdem bin ich zuversichtlich, dass wir auch diese Situation meistern, wenn wir in unserer Stadt solidarisch zusammenstehen.

Meiden Sie Kontakte, bleiben Sie auf Abstand und gesund!

xx

Toni Vetrano
Oberbürgermeister der Stadt Kehl

19.03.2020

 

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