OB und Fraktionsvorsitzende: Das Kehler Krankenhaus ist ein wichtiger Pfeiler in der Corona-Krise

Bereits seit Beginn der Corona-Krise ist das Kehler Krankenhaus zu einem breitaufgestellten Isolierzentrum umgestaltet, was bedeutet: In der Kehler Klinik werden ausschließlich Menschen behandelt, bei denen die Infektion mit dem neuen Virus einen schweren Verlauf nimmt. „Das Kehler Krankenhaus ist ein wichtiger Pfeiler in der Corona-Krise“, sind sich Oberbürgermeister Toni Vetrano und die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat einig. Dass ungeachtet der Krise die Diskussion um die Reform der Kliniklandschaft in der Ortenau unter dem Titel Agenda 2030 weitergehe, finden die Lokalpolitiker befremdlich: „Standortdebatten sind unnötig: Aktuell muss alle Energie zur Bewältigung der Krise genutzt werden.“ Weil diese Diskussion auch in der Bevölkerung zu Irritationen führe, haben sie sich zu einer gemeinsamen Stellungnahme entschlossen.

Die Mitarbeitenden des Kehler Krankenhauses trügen aktuell die Hauptlast bei der Behandlung und Pflege von Covid-19-Patienten aus dem Ortenaukreis. „Dafür verdienen sie an Anerkennung und Respekt“, erklären OB und Fraktionsvorsitzende: „Und auch die Einwohnerinnen und Einwohner von Kehl und Umgebung haben bisher klaglos auf eine wohnortnahe klinische Grundversorgung verzichtet, wobei ein Ende dieses Zustandes nicht absehbar ist. Damit dienen auch sie dem gesamten Ortenaukreis und dafür möchten wir auch ihnen herzlich danken.“
Zu dieser Stellungnahme veranlasst hat OB Toni Vetrano sowie die Fraktionsvorsitzenden Richard Schüler, Werner Müll, Wolfgang Maelger und Horst Heitz ein Interview, das Landrat Frank Scherer am 26. März Hitradio Ohr gegeben hat. Darin hatte der Landrat auf die Frage eines Hörers, ob er angesichts der aktuellen Situation an den geplanten Klinikschließungen festhalte, zwar geantwortet, dass der Fokus jetzt auf der Bewältigung der Corona-Krise liegen müsse, aber dann behauptet, dass die mit der Agenda 2030 geplanten moderneren Kliniken bessere Rahmenbedingungen bieten würden. „Wir hätten optimale Strukturen vor Ort, um mit gebündelter Kraft mit dem Thema umgehen zu können, wir könnten das Personal leichter bündeln“, wird der Landrat in der Stellungnahme der Kehler Kommunalpolitiker zitiert. Christian Eggersglüß, Pressesprecher des Ortenau Klinikums, stoße laut Zeitungsbericht vom 4. April ins gleiche Horn: „Die Bündelung der Strukturen wäre (durch die Agenda 2030) bereits umgesetzt.“

Ist seit Beginn der Corona-Krise ein Isolierzentrum: Das Kehler Klinikum, dessen Mitarbeitende nach Ansicht von OB Toni Vetrano und den Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat eine große Last für die gesamte Ortenau tragen.zoom

Diese Äußerungen verwundern Toni Vetrano und die Fraktionsvorsitzenden des Kehler Gemeinderats deshalb, „weil es an jedweden Fakten für diese Aussagen mangelt“. In der Bevölkerung entstehe der Eindruck, dass die Corona-Krise genutzt werden solle, um die bisherigen Beschlüsse festzuklopfen, schließt Toni Vetrano aus Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern ihm gegenüber. Aus seiner Sicht und der der Fraktionsvorsitzenden sollte die Corona-Krise vielmehr genutzt werden, um die Agenda 2030 erst recht als einen Prozess mit der Möglichkeit zu Veränderungen zu begreifen – „so, wie es anfangs kommuniziert worden sei“. Die aktuelle Krise vermittle schon jetzt neue Erkenntnisse, weitere würden folgen, sind sich die Kehler Politiker einig. Daher könne der Kreistag nach dem Ende der Krise die Wirksamkeit der aktuell getroffenen Maßnahmen beurteilen, die derzeit zur Verfügung stehenden Strukturen bewerten und „entscheiden, inwieweit die Erkenntnisse in die Fortschreibung der Agenda 2030 einfließen müssen“.
OB und Fraktionsvorsitzende sind sich sicher, dass sich der Landrat dem nicht verschließen werde: In seinem Schlusswort im Interview mit Hitradio Ohr habe er erklärt, dass er für jede Frage dankbar sei, die ihn zum Nachdenken bringe: „Bei der einen oder anderen Frage hinterfragt man sich ja auch wieder selbst und überlegt, ob man auf dem richtigen Weg ist“, wird der Landrat in der Stellungnahme der Kehler Kommunalpolitiker zitiert. Auch als sich in der Radiosendung eine Hörerin über die schlechten Arbeits- und Rahmenbedingungen im Pflegebereich beklagt und auf den jahrelangen vergeblichen Kampf für Verbesserungen verwiesen habe, habe der Landrat ausdrücklich einen Nachholbedarf in diesem Bereich anerkannt, ebenso wie die Notwendigkeit einer besseren Entlohnung. Er habe außerdem eine höhere Wertschätzung für Berufe eingefordert, die dem Gemeinwohl dienten – diesen Aussagen schließen sich OB Toni Vetrano und die Fraktionsvorsitzenden ausdrücklich an.

08.04.2020

 

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