Kaffeekränzchen-Tour oder: Mit schmissigen Schlagern gegen den grauen Corona-Alltag in Seniorenheimen

Viel Applaus, rhythmisches Klatschen, ein bisschen Mitwippen und lächelnde Gesichter: Mit ihren drei Open-Air-Konzerten auf Freiflächen von Pflegeheimen in der Kernstadt und in Goldscheuer hat die Kehler Band Schniposa am Samstag (9.Mai) für Abwechslung und Fröhlichkeit im Alltag von Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohnern in der Kernstadt und in Goldscheuer gesorgt. Die Idee zur Kaffeekränzchen-Tour stammt von Melanie Krauß, Leiterin des Jugendtreffs Badhiesel in Goldscheuer, und ihrem Kollegen Heiko Borsch, Leiter des Jugendkellers St. Nepomuk.

Mit dem Kleinbus und dem Anhänger der Offenen Jugendarbeit wurde die Band Schniposa zu ihren Auftrittsorten vor den Seniorenheimen gebracht.zoom

Ob Tanztee im geselligen Kreis, ein Besuch der Enkel oder Ausflüge in größerer Runde: Um Bewohnerinnen und Bewohner in Pflege- und Seniorenheimen vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus zu schützen, gilt dort seit mehreren Wochen ein Besuchsverbot, weshalb auch viele Veranstaltungen wegfallen müssen. Mit dem Ziel, wieder etwas mehr Musik in den Alltag der Heimbewohnerinnen und -bewohner zu bringen, machte sich die Band Schniposa am Samstag auf zu einer „Kaffeekränzchen-Tour“: Unterwegs im Kleinbus der Offenen Jugendarbeit Kehl samt Anhänger, auf dem die Band (vor zwei Heimen) spielte, fuhren die drei Musiker zum Seniorenheim Dr. Friedrich-Geroldt-Haus und zur Seniorenresidenz Kinzigallee in der Kernstadt sowie zum Seniorenzentrum Goldscheuer. Im Garten oder Vorhof der Einrichtungen gaben sie jeweils rund 30 Minuten lang ihr Repertoire aus Schlagern und Evergreens für die Bewohnerinnen und Bewohner zum Besten, die nach draußen kommen konnten oder an den Fenstern und Balkonen standen, lauschten und kräftig klatschten. Klassiker wie „Sha La La, I love you“ von den Flippers oder der Wiesn-Hit „Cordula Grün“ vom österreichischen Singer-Songwriter Josh luden ebenso zum Schunkeln und Mitwippen ein wie „Im Wagen vor mir“ von Hans Blum alias Henry Valentino.

Melanie Krauß vom Badhiesl Goldscheuer begrüßte die Heimbewohnerinnen und -bewohner.zoom

Da Heiko Borschs Vorgänger im Jugendkeller St. Nepomuk der Sänger der Cover-Band Schniposa ist, ergab sich zwischen den beiden sehr schnell der Kontakt und das Okay für die Veranstaltung. Die Umsetzung stellte Heiko Borsch, der für die Technik zuständig war, jedoch vor einige Herausforderungen: „Da alle Instrumente und Lautsprecher auf dem Hänger waren und von dort oben gespielt wurde, mussten sie schnell einsatzbereit sein, aber gleichzeitig sicher geschützt vor Wind und Wetter und verkehrssicher verstaut.“ Auch der Aufwand für den Auf- und Abbau musste so gering wie möglich gehalten werden, um schnell zum nächsten Seniorenheim gelangen zu können.

Manche Seniorinnen und Senioren beklatschte die Gute-Laune-Schlagermusik von Schniposa im Garten der Seniorenresidenz Kinzigallee, zoom

Im grünen Innenhof der Seniorenresidenz Kinzigallee blieb nur das Schlagzeug auf dem Anhänger, Sänger und Gitarrist traten auf dem Rasen auf – ihre pinkfarbenen Anzüge und weißen Hüte passten ausgezeichnet zu den Gänseblümchen, freuten sich die Musiker. Während es beim Auftritt vor dem Friedrich-Geroldt-Haus noch kurz getropft hatte, strahlte beim Konzert an der Kinzigallee die Sonne. „Mir sind halt brav“, kommentierte eine Seniorin diesen Umstand fröhlich.

oder tanzten mit den Händen auf dem Balkon mit,zoom

„Wir wollten den Seniorinnen und Senioren mit dieser Aktion Mut machen“, erklärt Melanie Krauß den Hintergrund zu dem besonderen Konzert. Gemeinsam mit Jugendlichen besucht sie häufiger das Seniorenzentrum in Goldscheuer und weiß daher aus eigener Erfahrung, wie wichtig Nähe für die Älteren Gesellschaft ist. „Normalerweise ist einmal im Monat der Musiker Steven Kinley beim Schlagerabend und jeden Mittwoch zur Musiktherapie im Haus, um mit den Seniorinnen und Senioren gemeinsam zu musizieren“, berichtet Maria Armbruster-König, Hausdirektorin des Seniorenzentrums Goldscheuer. Dass diese Aktionen nun nicht stattfinden und zugleich keine Angehörigen mehr zu Besuch kommen können, belaste die Heimbewohnerinnen und -bewohner sehr. „Vor allem Demenzkranke verstehen diese Einschränkungen nicht.“ Über das Engagement von Melanie Krauß, Heiko Borsch und den ehrenamtlichen Einsatz der Band Schniposa freuten sich die Leitungen aller drei Einrichtungen.

oder freuten sich von ganzem Herzen und sangen mit.zoom

„Als die Anfrage kam, habe ich sofort ja gesagt, dieses soziale Engagement ist einfach unbeschreiblich schön“, sagt Angelika Frey, Heimleiterin der Seniorenresidenz Kinzigallee. Bereits mehrere Tage vorher kündigten Plakate in den Einrichtungen den Auftritt an. Während des Auftritts von Schniposa durften sich die Heimbewohnerinnen und Bewohner als Erinnerung von Matea Vicovic bemalte Mutmach-Steine aussuchen, die zum Durchhalten ermuntern sollen. „Sowohl unsere 96 Bewohnerinnen und Bewohner als auch unsere Pflegekräfte werden noch lange von diesem schönen Moment zehren“, resümierte der Leiter des Dr. Friedrich-Geroldt-Hauses, Stephan Müller. Dort hat mindestens die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner Schniposa applaudiert und auch nach Zugaben gerufen.

Von Badhiesl-Mitarbeiterin Matea Vidovic bemalte Mut-mach-Steine durften sich die Seniorinnen und Senioren aussuchen. zoom

Besuchsbeschränkungen werden schrittweise aufgehoben

Nach der Ministerpräsidentenkonferenz am 6. Mai stellte Ministerpräsident Winfried Kretschmann einen schrittweisen Abbau der Corona-Beschränkungen in Aussicht, der auch die Besuchsbeschränkungen in Alten- und Pflegeheimen beinhalten soll. Für Dr. Marcus Kröckel, Leiter des Bereichs Bildung, Soziales und Kultur, sind dies gute Neuigkeiten: „Durch die Einschränkungen der letzten Wochen ist vielen Menschen einmal mehr bewusst geworden, wie wichtig der Kontakt zur Familie für das Wohlbefinden ist.“

Mitwippen, mitklatschen oder mitsingen: Die Musikvon Schniposa riss die Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenresidenz Kinzigallee mit.zoom

09.05.2020

 

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