Unterstützung für besondere Tierheimbewohner: Städtische Jugendarbeit baut 24 Igelhäuser

Aus der Not eine Tugend machen die Mitarbeitenden der Offenen Jugendarbeit: Da die Jugendhäuser aufgrund der Corona-Beschränkungen geschlossen bleiben müssen, halten sie über die sozialen Netzwerke Kontakt zu den Jugendlichen. So auch beim Besuch im Kehler Tierheim. Via Instagram kann man dabei zuschauen, wie dort drei Tage lang gesägt, gebohrt und gehämmert wird, um Schlafplätze für ganz besondere Bewohner zu schaffen.

 In der Igelstation des Kehler Tierheims ist Platz für bis zu 30 stachelige Bewohner.

Beim Blick in den Holzkäfig ergibt sich für den Beobachter ein kurioses Bild: Neben einer Menge zusammengeknülltem Zeitungspapier steht darin ein Holzhäuschen, wie man es von Nagetieren kennt, und eine Tonschüssel mit Katzenfutter. Welches Tier hier wohnt, wird nicht auf Anhieb ersichtlich. Plötzlich ist aus der hinteren Ecke ein leises Rascheln zu hören, gefolgt von einem aufgeregten Schnüffeln. Dann schaut aus dem Eingang seines kleinen Holzhauses ein Igel heraus und beäugt neugierig die Besuchenden. Zusätzlich zu Hunden, Katzen, Hasen, Vögeln und Chinchillas gibt es im Kehler Tierheim auch eine Igelstation mit Platz für bis zu 30 Tiere, die schwach oder krank sind. In die Igelstation werden Tiere eingeliefert, die sich auffällig verhalten, zum Beispiel weil sie mitten am Tag draußen umherlaufen. „Das ist meist ein Hinweis darauf, dass es den eigentlich nachtaktiven Tieren gesundheitlich nicht gut geht“, erklärt die Tierheimleiterin Tina Weniger. Zeigt sich, dass die Tiere erkrankt oder untergewichtig sind – Igel sollten mindestens 650 Gramm wiegen – werden sie von Tina Weniger und ihrem Team aufgepäppelt. „So süß die kleinen Kerlchen sind – sie machen auch Arbeit“, sagt sie und lacht. Zu den Aufgaben der Pflegerinnen und Pfleger zählen das regelmäßige Wechseln des ausgelegten Papiers sowie das jährliche Erneuern der Holzhäuschen. „Die Igel hinterlassen diese teilweise sehr dreckig, das kriege ich nicht vollständig wieder sauber“, berichtet Tina Weniger. Zudem wird dadurch vermieden, dass sich Krankheiten übertragen.
Das Holz zum Bauen erhält das Tierheim von Privatpersonen, Schreinereien und Holzfachbetrieben. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten sind sie hier auf Spenden angewiesen: „Da aktuell niemand in Urlaub fährt, haben wir auch keine Pensionstiere bei uns – und somit fällt unsere wichtigste Einnahmequelle weg“, berichtet Tina Weniger. Gleichzeitig fallen die Fixkosten – pro Hund könne man durchschnittlich mit 300 Euro monatlich für Futter, Medikamente, Tierarztbesuche und Personalkosten rechnen – weiterhin an: „Der Ausfall ist mindestens dreistellig, eher vierstellig“, resümiert sie.

Andreas Martzloff, Mitarbeiter im Jugendzentrum, zeigt sein handwerkliches Geschick.

„Hier möchten wir ansetzen und durch unseren Beitrag das Tierheim unterstützen“, erläutert Binja Frick, Leiterin des Bereichs Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Schule. Gemeinsam mit Pädagoginnen und Pädagogen des Jugendtreffs Badhiesel in Goldscheuer, des Jugendzentrums Kehl sowie Sonja Pavlovic vom Jugendtreff Auenheim packt sie drei Tage lang im Kehler Tierheim mit an. 24 Igelhäuser kommen dabei zusammen – vor allem Alexander Olenberg, Mitarbeiter im Badhiesel, und Andreas Martzloff, Mitarbeiter im Jugendzentrum, zeigen ihr handwerkliches Geschick: „Die meisten Häuschen haben wir den beiden zu verdanken“, sagt Vanessa Balbrink vom Jugendzentrum anerkennend. Heiko Borsch, Leiter des Jugendkellers St. Nepomuk, begleitet die Aktion fotografisch und filmisch, sodass Matea Vidovic, die momentan einen Bundesfreiwilligendienst im Badhiesel macht, anschließend die Erlebnisse im Tierheim über Instagram teilen kann. So können die Mitarbeitenden der Jugendarbeit weiterhin mit den Jugendlichen, die aktuell wegen der Corona-Beschränkungen nicht in ihre Einrichtungen kommen können, in Kontakt bleiben: Neben Videos von den Tieren und einem Rundgang durch das Tierheim gibt es zudem ein Quiz und eine Video-Anleitung zum Nachbauen der Igelhäuser. „Wir möchten mit unseren Aktionen an die Jugendlichen etwas weitergeben und sie dazu anspornen, aktiv zu werden“, sagt Melanie Krauß, Leiterin des Jugendtreffs Badhiesel in Goldscheuer.

Hintergrund

Der Besuch im Tierheim gehört zu dem im Zuge der Corona-Krise etablierten Angebot des Digitalen Jugendhauses. Egal ob Rezeptvorschläge, Bastelanleitungen oder andere Mitmachaktionen – auf ihren Social-Media-Kanälen posten die Mitarbeitenden der offenen Jugendarbeit und der Jugendsozialarbeit vielfach Ideen zur Selbstbeschäftigung. „Was sich die Mitarbeitenden immer wieder einfallen lassen ist wirklich toll – bei so einer Vielfalt wird den Kindern und Jugendlichen trotz Corona-Beschränkungen nicht langweilig. Nebenbei unterstützen die Kolleginnen und Kollegen das Tierheim in diesen, auch für den Tierschutz, herausfordernden Zeiten“, betont Dr. Marcus Kröckel, Fachbereichsleiter für Bildung Soziales und Kultur.

Helfen tatkräftig mit, Igelhäuser für das Tierheim zu bauen: (Von links nach rechts) Binja Frick, Leiterin des Bereichs Jugendarbeit, Jugendsozialarbeit und Schule, Melanie Krauß, Leiterin des Jugendtreffs Badhiesel, Alexander Olenberg und Matea Vidovic (hinten stehend), beide Badhiesel Goldscheuer, Andreas Martzloff und Vanessa Balbrink, beide Jugendzentrum Kehl, und Alexander Franke, Jugendkeller St. Nepomuk gemeinsam mit der Leiterin des Kehler Tierheims, Tina Weniger (vorne).zoom
24 Igelhäuser kommen bei der Aktion zusammen.

16.05.2020

 

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