Minister Strobl feiert die offene Grenze, die Tram fährt bis zum Rathaus und in Kehl brummt wieder das Leben

Seit vergangener Nacht ist die Grenze zwischen Kehl und Straßburg wieder offen, die Tram fährt seit den frühen Morgenstunden im aus der Vor-Corona-Zeit gewohnten Takt und bis zum Rathaus: An den Haltestellen herrscht reger Betrieb, die Tram ist in beiden Fahrtrichtungen gut frequentiert und vor Kehler Geschäften in der Innenstadt bilden sich bisweilen Warteschlagen. Am Nachmittag kommen der baden-württembergische Innenminister und Vize-Ministerpräsident Thomas Strobl sowie der Präsident der Région Grand Est, Jean Rottner nach Kehl und tauschen sich in den Räumen des Europäischen Verbraucherzentrums mit den Oberbürgermeistern von Kehl und Straßburg, Roland Ries und Toni Vetrano, der Präfektin der Région Grand Est, Josiane Chevalier, Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sowie mit den Präsidenten des Départements Unter-Elsass und der Eurométropole de Strasbourg, Frédéric Bierry und Robert Herrmann, über die drei Monate lange Grenzschließung aus.

Es sei ein schöner und glücklicher Tag für Europa, sagt Thomas Strobl auf der Trambrücke vor zahlreichen Medienvertretern aus beiden Ländern. „Wir haben eine harte Zeit hinter uns.“ Nur durch diese harten Maßnahmen und die hohe Disziplin der Bürgerinnen und Bürger sei es gelungen, den Virus zurückzudrängen, besiegt sei er nicht. Aus Gründen des Gesundheitsschutzes hätten die Grenzen nach zweieinhalb Jahrzehnten erstmals wieder geschlossen werden müssen, erklärt er: „Dadurch wurden Leben gerettet.“ Gleichzeitig beschwört der stellvertretende Ministerpräsident die deutsch-französische Freundschaft, die aus seiner Sicht gestärkt aus der Krise hervorgehen werde: Stuttgart sei von Paris weniger weit entfernt als Berlin, betont er und liefert Oberbürgermeister Toni Vetrano damit eine Steilvorlage: „Kehl liegt näher bei Straßburg als bei Stuttgart“, kontert er und erinnert an die vielen menschlichen Härten für getrennte Familien und Paare, welche durch die lange Grenzschließung entstanden seien sowie an das Einkaufsverbot für Grenzpendler. Er freue sich, dass die Grenze nun wieder offen sei, sagte Toni Vetrano und sein Straßburger Kollege Roland Ries pflichtete ihm bei: „Es ist ein sehr emotionaler Moment.“ Straßburg entwickle sich in Richtung Rhein und Kehl und Straßburg würden zum rheinübergreifenden Ballungsraum.

Freuen sich über die Grenzöffnung (von links): Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch, Innenminister Thomas Strobl, Jean Rottner, Präsident der Région Grand Est, die Oberbürgermeister von Kehl und Straßburg, Toni Vetrano und Roland Ries sowie Vincent Thiébaut, Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung und Präsident des Europäischen Verbraucherzentrums. Minister Strobl hält die gerahmte Dankeserklärung in der Hand, die ihm Jean Rottner überreicht hatte.zoom

Der Präsident der Région Grand Est bedankte sich für die Unterstützung durch das Land, das 30 schwer an Covid-19 Erkrankte aus dem Elsass in baden-württembergischen Krankenhäusern aufgenommen hatte und überreichte eine gerahmte deutsch-französische Dankeserklärung, die an Ministerpräsident Winfried Kretschmann gerichtet ist.

Am Tag der Grenzöffnung bilden sich vor manchen Geschäften in der Innenstadt Warteschlangen.zoom

Das Ende der Grenzkontrollen bringt in Kehl ein Stück Normalität zurück, ebenso wie in den Tramverkehr: Seit Montag (15. Juni) in den frühen Morgenstunden rollt er uneingeschränkt und nach Vor-Corona-Fahrplan über die Beatus-Rhenanus-Brücke und bis zum Rathaus. Sowohl aus als auch in Richtung Straßburg nutzt eine Vielzahl von Fahrgästen die Tram. Die Ankömmlinge in Kehl zieht es mehrheitlich in die Fußgängerzone. Vor den Cafés, Schnellrestaurants und Einzelhandelsgeschäften bilden sich Schlangen wartender Kundschaft. Die Fußgängerzone bietet einen Anblick, der an Vor-Corona-Zeiten erinnert. Einige Einzelhändler haben Schilder aufgestellt und heißen ihre französischen Kunden willkommen.

Mit der Grenzöffnung kehrt das Leben in die Kehler Innenstadt zurück, in der Fußgängerzone fühlt man sich beinahe an Vor-Corona-Zeiten erinnert.zoom

Begünstigt werden die hohen Besucherzahlen durch die Regelungen in der Tram: Zum 15. Juni haben die Straßburger Verkehrsbetriebe (CTS) die Höchstgrenze von 70 Fahrgästen aufgehoben; die Maskenpflicht gilt weiterhin. Auf Hinweisschildern in den Tramzügen wird ein Mindestabstand zwischen den Fahrgästen von einem Meter empfohlen. In den Straßenbahnen, in denen die Fahrgastzahlen übersichtlich bleiben, halten sich die Nutzerinnen und Nutzer durchaus an die Empfehlungen. Doch nach der dreimonatigen Grenzschließung wollen so viele Menschen wieder über den Rhein fahren, dass es auch enger zugeht. Auf die Grenzöffnung angesprochen, berichtet ein Fahrgast aus Straßburg, dass er den gegenseitigen Austausch besonders schätze, der durch die grenzüberschreitenden Tramfahrten möglich werde. Und er nennt auch einen ganz pragmatischen Vorteil: „In Kehl sind die Parkplätze günstiger als in Straßburg. Hierher fahren mit dem Auto wäre kein Problem, zurückzufahren hingegen schon“, ergänzt er und lacht.

15.06.2020

 

Termine

 
 

Stadtverwaltung Kehl · Rathausplatz 1 · 77694 Kehl · Tel.: 07851 88-0 · Fax: 07851 88-1102 · info@stadt-kehl.de