Blumeninseln in Kehl: „Gelebte Vorreiterrolle beim Umwelt- und Artenschutz“

Zahlreiche Wildblumenwiesen verschönern in diesen Tagen das Erscheinungsbild der Rheinstadt. Neben den Zufahrten hat der Betriebshof viele Bereiche im Stadtgebiet bepflanzt: „Wir haben in den vergangenen Wochen mehr als dreieinhalb Hektar Wildblumen gesät“, berichtet Frank Wagner, Bereichsleiter Grünflächen beim Betriebshof. „Dabei wurden mehr als 1000 Bäume neu gepflanzt – anstatt der geplanten 700.“ Die neue Flora verbinde Umwelt- und Artenschutz mit gestalterischen Vorteilen. Mit der Naturbegegnungsanlage Klein Allmend ist zudem eine aufwendige Grünzone entstanden, welche kurz vor der Eröffnung steht.

„Mit den Wildblumen und Neupflanzungen bietet die Stadt nachhaltige, vielfältige und vor allem gesunde Grünflächen“, erklärt Peter Grün, Leiter des Betriebshofes. „Die dreieinhalb Hektar bilden lediglich den Anfang für weitere Naturbereiche.“ Die einzelnen Standorte der Wildblumen seien nicht zufällig gewählt, sondern von Beginn an in die Umweltüberlegungen der Stadt eingearbeitet worden. „Durch die farbenfrohen Einfahrten hat Kehl einen weiteren Blickfang erhalten. Wir bekommen täglich Anrufe von Menschen aus der ganzen Region, die ihre Wertschätzung dafür ausdrücken“, berichte Frank Wagner. Mitarbeiter des Betriebshofes haben Flächen an Straßen, in Kreisverkehren oder auf Parkplätzen mit verschiedenen Blumensorten ökologisch aufgewertet. Allein nahe der Parkflächen Am Läger wachsen nun eine einen Hektar große Wildblumenwiese sowie 60 neugepflanzte Bäume. „Gleichzeitig haben wir unsere Aufmerksamkeit innerorts verstärkt auf Schulen und Kitas gelegt, da wir unsere zukünftigen Generationen wieder für heimische Obst- und Blumensorten begeistern möchten“, erläutert der Bereichsleiter.

Frank Wagner, Leiter des Bereichs Grünflächen beim Betriebshof, steht in einem der Naschgärten von Klein Allmend. Obstsorten wie die heimische Tafeltraube sollen wieder ins Bewusstsein der Jungen und Mädchen gerückt werden.zoom

Klein Allmend bietet Natur zum Anfassen

Die Naturbegegnungsanlage Klein Allmend im Baugebiet Schneeflären stehe sinnbildlich für die Kehler Umweltüberlegungen: „Wir haben hier einzelne Naschgärten angelegt, in denen die Jungen und Mädchen regionale Leckereien wie Himbeeren, Trauben, Mirabellen und Kirschen probieren können“, erklärt Frank Wagner. Neben den Obstgärten hat der Betriebshof Himmelsliegen, Ruhezonen, ein Insektenhotel, Weinreben und den heimischen Rheinkiesel in der Parkanlage vereint – auf künstlich hergestellten Schotter wurde komplett verzichtet. Insgesamt umfasst der erste Bauabschnitt rund 630 Meter Wegstrecke, 260 neugepflanzte Bäume und Sträucher sowie zwei Hektar an Grünflächen. In einem zweiten Schritt soll das Gebiet erweitert werden.
Der Betriebshof verbaute in der neuen Grünanlage eine größere Menge Erde, die ihm von anderen Baustellen ohne Mehrkosten zur Verfügung gestellt wurde. „Unebene Flächen sorgen für natürliche Entwässerungsmulden“, erläutert der Bereichsleiter. „Dadurch wird nicht nur die Natur gestärkt, sondern auch die anliegenden Straßen und Gebäude vor Überschwemmungen in Folge von Starkregen geschützt.“ Aus demselben Grund haben die Mitarbeiter des Betriebshofs viele Wildblumenwiesen auf eigens angelegten Erdhügeln gesät.

Der heimische Rheinkiesel ist ein wiederkehrendes Element in den neuen Naturanlagen der Stadt. Anders als künstlich hergestellter Schotter ist er hitzeresistent und atmungsaktiv.zoom

Kehl ist Vorbild beim Umwelt- und Artenschutz

„Neben den Wildblumen schneiden wir auch bestimmte Grasflächen nicht mehr regelmäßig zurück“, sagt Frank Wagner. „Sogenannte Langgraswiesen haben den Vorteil, dass sie eine bessere Stängelbildung aufweisen und dadurch mehr Schutz für heimische Insekten – wie die Biene – bieten. Gleichzeitig ist längeres Gras weniger anfällig bei Dürrezeiten.“ Eine Überlegung, die bei den Wildblumen gleichermaßen Beachtung findet: „Blumenwiesen schützen die Erde und somit die neugepflanzten Bäume auf doppelte Weise“, erklärt der Bereichsleiter. „Weder Sonne, noch Wind kommen in direkten Kontakt mit der Erde. Dadurch ist der Bereich auf natürliche Weise vor Verdunstungen oder Verwehungen gesichert.“ Dies sei praktisch und schone nebenbei die Stadtkasse, da auf das Gießen von Hand nahezu komplett verzichtet werden kann. Lediglich in einer längeren Hitzeperiode muss das Stadtgrün vom Betriebshof bewässert werden. Andere Städte und Gemeinden sind bereits auf die Arbeit an Kehls Grünflächen aufmerksam geworden: „Momentan schauen viele Gemeinden auf uns, um erste Ergebnisse unseres farbenprächtigen Stadtbilds ebenfalls in ihre Planungen aufzunehmen. Kehl übernimmt hier ohne Zweifel eine Vorreiterrolle beim Umwelt- und Artenschutz“, sagt Frank Wagner. „Vergangenes Jahr konnten wir unter anderem die Stadt Lahr beim Anlegen einer Blumenwiese unterstützen.“ Auch zum Verzicht auf schädliche Unkrautvernichter gingen vermehrt Anfragen von Städten beim Betriebshof ein.

Bereits nach wenigen Wochen blühen die gemischten Wildblumenwiesen auf. „Früher sind uns durch Monokulturen ganze Anlagen weggestorben“, sagt Peter Grün. „Heute können wir bereits festhalten, dass die neuen Biotope weniger gegossen werden müssen, mehr Tierarten beheimaten und insgesamt eine größere Widerstandsfähigkeit aufweisen.“ So seien die 50 Bäume, die der Betriebshof vor vier Jahren im Baugebiet Schneeflären gepflanzt hat, allesamt angewachsen, eine für Stadtbäume beachtliche Bilanz. "Momentan blüht und brummt es vielerorts in Kehl", resümiert Frank Wagner.

Die unebenen Flächen in Klein Allmend sorgen bei Regen für einen natürlichen Abfluss und unterstützen die Pflanzen dadurch im Wachstum.zoom

24.06.2020

 

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