Arbeitskreis Radverkehr sieht Fortschritte und neue Herausforderungen beim Ausbau des städtischen Radwegenetzes

Friedhofstraße, Hauptstraße, Daimlerstraße, Vogesenallee, Iringheimer Straße und Bierkellerstraße: Der Arbeitskreis Radverkehr, der sich zum ersten Mal seit Beginn der Corona-Krise zusammengefunden hat, fuhr bei einer Stadtberadelung neuralgische Stellen im Kehler Radwegenetz an. An einigen Punkten wurde die Verkehrssicherheit für Radfahrerinnen und Radfahrer bereits erhöht, Herausforderungen gibt es dennoch. Die 14-köpfige Gruppe rund um den Beigeordneten Thomas Wuttke diskutierte vor Ort über Maßnahmen, die den Radverkehr weiter fördern könnten: Fahrradstraßen, Schutzstreifen und Querungshilfen standen dabei im Mittelpunkt. Als Problem wurde von den Teilnehmenden thematisiert, dass Autofahrer den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand beim Überholen von Radfahrern nicht immer einhielten.

Bei einer Stadtberadelung befuhr eine 14-köpfige Gruppe rund um Baubürgermeister Thomas Wuttke (Zweiter von rechts) das Radwegenetz in Kehl.zoom

„Ein Autofahrer hat kein grundsätzliches Recht zu überholen“, sagt Thomas Wuttke, als es darum geht, dass es Fahrzeuglenkern in der Bierkellerstraße oft nicht gelingt, eineinhalb Meter Abstand zu den Radfahrenden zu halten, die sie überholen. Eine Teilnehmerin am Arbeitskreis Radverkehr schlägt für solche Stellen im Straßenverkehr das neue Schild „Überholverbot von einspurigen Fahrzeugen“ vor. „Das Problem von solchen Schildern ist, dass sie keine neue Situation schaffen“, fährt der Erste Beigeordnete fort. „Fahrern von Autos, Bussen oder Lastwagen ist es ohnehin verboten, zum Überholen anzusetzen, wenn dadurch eine Gefahrensituation entsteht. Ein zusätzlicher Hinweis ändert nichts an der Ausgangslage und gibt auch keine Garantie, dass sich Autofahrer daran halten.“ In Kehl setze man auf eine langfristige Strategie, in der Verkehrsteilnehmende an einen respektvollen Umgang miteinander gewöhnt werden.
In der Friedhofstraße ergibt sich eine ähnliche Situation: „Einige Radfahrerinnen und Radfahrer beschweren sich, dass Pkw-Lenker mit überhöhter Geschwindigkeit durch die Straße fahren und wünschen sich ein zusätzliches Hinweisschild“, erklärt Michael Görlitz vom städtischen Bereich Tiefbau. „Allerdings sind auf Fahrradstraßen grundsätzlich nicht mehr als 30 Kilometer pro Stunde erlaubt. Eine separate Warnung ändert nichts.“ Diese Einschätzung wird auch in der Gruppe geteilt: „Wer sich nicht an die vorgegebene Geschwindigkeit halten möchte, übersieht auch ein Schild“, stimmt eine Radlerin aus dem Arbeitskreis zu. Anders sieht es beim Thema Abbiegen von der Hauptstraße in die Friedhofstraße aus: „Wir sind uns bewusst, dass es auf der Hauptstraße zu gefährlichen Situationen für Radfahrerinnen und Radfahrer kommen kann, speziell wenn man in die neue Fahrradstraße fahren möchte“, sagt Michael Görlitz. „Deshalb wird die Friedhofstraße an beiden Enden eine neue Querungshilfe bekommen.“ Die speziellen Verkehrsinseln sollen das Abbiegen nach links künftig sicherer gestalten.

Auf der neuen Fahrradstraße in der Friedhofstraße geben Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer die Geschwindigkeit vor – hier darf man nicht schneller als 30 Kilometer pro Stunde fahren.zoom

Zusätzlich zur Querungshilfe wird auf der Hauptstraße zwischen der Oberländerstraße und der Fahrradstraße einseitig ein Schutzstreifen für Radfahrerinnen und Radfahrer angebracht – für eine beidseitige Markierung sei die Fahrbahn nicht breit genug, erklärt Gerlinde Ulrich, Leiterin des Bereichs Verkehrswesen und der Bußgeldstelle. „Da auf einer Seite unserer Hauptstraße Parkplätze sind, ist dort ein Puffer von 50 Zentimetern zum Schutzstreifen einzuhalten – das ist vom Gesetz vorgegeben. Dadurch wird die nutzbare Fahrbahn weiter verkleinert.“ Diese Fachkompetenz, welche die Mitarbeitenden aus der Stadtverwaltung in den Arbeitskreis einbrächten, sei ein großer Vorteil bei der Stadtberadelung, sagt die Radlerin aus der Gruppe: „Manche Feinheiten weiß man als Bürger einfach nicht, hier können die Probleme aber meist in wenigen Sätzen geklärt werden. Das ist viel besser, als lange im Internet nach Antworten suchen zu müssen.“ Der Bereichsleiter Tiefbau, Grünflächenmanagement und Betriebshof, Hans-Jürgen Schneider, kann sich bei einer erfolgreichen Testphase der Fahrradstraße vorstellen, auch weitere Straßen für den Radverkehr auszubauen.
In der Vogesenallee zwischen der Ringstraße und der Hauptstraße hat der Arbeitskreis Radverkehr gleich mehrere Gefahrenstellen ausgemacht. An der Rewe-Ausfahrt werden zu oft Vorfahrtsregeln der Radfahrenden missachtet, wodurch im Alltag gefährliche Situationen entstehen. Ein weiteres Konfliktpotential birgt der Radweg zwischen den Kreisverkehren mit der Haupt- und der Ringstraße. „Uns ist bekannt, dass die Straße hier höher liegt, Radfahrerinnen und Radfahrer werden dadurch in der Nacht stark geblendet“, sagt Michael Görlitz. „In einem ersten Schritt werden wir den Radweg anheben und beleuchten lassen, damit niemand mehr der Sicht beraubt wird. Langfristig wollen wir ihn verbreitern.“

An der neuen Rewe-Ausfahrt in der Vogesenallee wird ein Radweg des Öfteren übersehen. Die Stadt passt dort die Beschilderung an.zoom

Alle diese Vorhaben sind auf einer Prioritätenliste festgehalten, die Schritt für Schritt abgearbeitet wird: „Im Radverkehrskonzept von 2018 haben wir in enger Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern die Ziele für sicherere Straßen vorgegeben“, sagt Michael Görlitz. „Der Weg dorthin muss nun von Fall zu Fall geprüft werden.“ Ganz oben auf der Liste stehen zum Beispiel die Radwegeverbindung von Sundheim bis in die Kernstadt, entlang der Hauptstraße und die sicheren Querungsstellen über die Ringstraße, die an Sundheim vorbeiführt. Für viele Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das Sicherheit im Alltag.
„Es tut gut zu sehen, wie ehrgeizig Kehl seine Ziele bei der Verkehrssicherheit verfolgt“, sagt ein Mitglied des Arbeitskreises. „Man wird bei den Beradelungen direkt gehört und kann mit den Verantwortlichen über die Entscheidungen diskutieren.“ Der nächste Termin sei mit der Verwaltung der Stadt bereits für Herbst vereinbart, erklärt der Sprecher der Bürgergruppe Radverkehr, Gerd Baumer. Ein geplanter Radschnellweg soll dann genauso auf der Tagesordnung stehen, wie weitere Fortschritte in der Verkehrssicherheit.
Lust aufs Radfahren solle auch die Aktion Stadtradeln machen, an der sich Kehl im September beteilige, kündigte Matthias Kaufhold vom Bereich Stadtplanung und Umwelt an.

In der Bierkellerstraße ist das Überholen aufgrund des Mindestabstands von 1,50 Metern an manchen Stellen nicht möglich.zoom

23.07.2020

 

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