„Es war ein rumpeliges Jahr“: Kommunale Kriminalprävention berät Folgen der Corona-Pandemie

Welche Herausforderungen werden nach der Corona-Krise auf die Kommunen zukommen? Und welche Konsequenzen können sie aus den zurückliegenden Monaten der Pandemie ziehen? Zu diesen Fragen beriet der Arbeitskreis Kommunale Kriminalprävention (KKP). Eine abschließende Antwort konnte die Beratergruppe aus kommunalen Vertretern, Polizei und sozialen Einrichtungen nicht geben – allerdings lenkte sie den Blick auf betroffene Zielgruppen wie Familien und Suchterkrankte. „Da kommt einiges auf uns zu“, lautete der Tenor.

Die Corona-Auflagen, Kontaktarmut und Quarantäne waren für viele Menschen in der Region eine Belastung. Die Jugendämter und Sozialeinrichtungen berichten von zunehmenden Trennungen und Scheidungen in den Familien sowie Kindeswohlgefährdungen und Fällen häuslicher Gewalt. Gerade in der Zeit, da Schulen und Kindertageseinrichtungen nur für Notbetreuungen geöffnet hatten, habe der Druck in den Familien zugenommen. „Eine Notbetreuung für psychisch erkrankte Eltern wäre gut gewesen“, lautet ein Fazit. Kommunen wie Kehl hatten eigens ein Sorgentelefon eingerichtet, um verzweifelten Eltern eine Ansprechpartnerin oder einen Ansprechpartner zu bieten. Die Beobachtungen und Einschätzungen des KKP-Arbeitskreises zu familiären Spannungen werden vom neuen Revierleiter der Kehler Polizei, Felix Neulinger, geteilt: „Wir haben bei Fällen von häuslicher Gewalt eine leichte Steigerung festgestellt, wenngleich nicht in dem Maße wie erwartet.“ Jannate Hammerstein kündigt an, dieses Thema ebenso wie den sicheren Umgang mit sozialen Medien in die Schulen zu tragen. „Dadurch, dass die Jugendlichen weit mehr Zeit online verbringen konnten, sind Themen wie beispielsweise Nacktbilder und Sexting verstärkt aufgetreten“, sagt sie.
Die Diplom-Pädagogin ist beim DRK für Präventionsarbeit zuständig und organisiert Schulbesuche zu Schwerpunktthemen wie Spielsucht, Drogen- und Betäubungsmittel oder Zivilcourage. Zu den Referenten gehört beispielsweise die Anwältin Gesa Stückmann aus Rostock, die sich auf den Themenbereich Cybermobbing spezialisiert hat und hierzu ein Webinar in Schulen anbietet. Die begleitenden Referenten werden durch die Unterstützung des Vereins Courage e.V. finanziert. Auch ein ehemals Onlinespiele-Süchtiger engagiert sich in der Präventionsarbeit und klärt über die Gefahren dieser Spielewelt auf.

"Zweiter Lockdown darf uns nicht passieren"

Der Arbeitskreis kommunaler Kriminalprävention beobachtet die Entwicklungen in der Corona-Pandemie sehr genau und macht sich Gedanken über Spätfolgen und Auswirkungen, beispielsweise auf das Bildungssystem. Cornel Happe, der gemeinsam mit Jannate Hammerstein vom DRK-Kreisverband die kommunale Kriminalprävention leitet, berichtet von Kindern und Jugendlichen, die in ihrer Bildung nicht nur stagnierten, sondern während des Lockdowns gar zurückgefallen waren. Das wirft in der KKP-Runde die Frage auf, wie Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern von Schulen und Lehrern erreicht werden können, wenn sich diese während der Corona-Ausbreitung in häusliche Isolation zurückziehen. „Ein potenzieller zweiter Lockdown darf uns nicht passieren“, sagt Cornel Happe. „Es war ein rumpeliges Jahr“, pflichtet ihm Jannate Hammerstein bei. Wie sie berichtet, sei der Krisenstab des DRK-Kreisverbands noch immer einberufen. Die Kleiderkammer am Erlenwörth in Kehl bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Außerdem sei es mit Beginn der Corona-Lockerungen zur teilweise dramatischen Vermüllung vor Kleidercontainern des DRK zu gekommen. Der Grund: Hinterbliebene würden neben den Klamotten fälschlicherweise auch den Hausrat ihrer verstorbenen Familienmitglieder dort abladen.

Hintergrund

Die Kommunale Kriminalprävention
ist ein Beratungsteam, das sich zusammensetzt aus Vertretern der Städte Kehl und Rheinau, dem Landkreis, den Gemeinden Appenweier und Willstätt sowie der Bewährungshilfe, Jugendrichterinnen und Jugendrichtern, der Polizei, der DRK Kreisverband Kehl e.V. sowie weiteren sozialen Einrichtungen und dem Verein Courage.

04.09.2020

 

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