Den Umständen entsprechend gut: Korker Wald trotzt der Trockenheit

Dicht belaubt und satt grün: Den Eichen im Korker Wald geht es offensichtlich gut – zumindest den Umständen entsprechend. Auch der dritte Trockensommer in Folge, der in anderen Landesteilen ganze Waldflächen absterben lässt, scheint ihnen nicht viel anhaben zu können. Das verdanken sie ihren Pfahlwurzeln, die oft bis ins Grundwasser reichen, erklärt Förster Markus Gutmann und deutet auf benachbarte Buchen: Die Blätter an den Baumriesen sind vor der Zeit gelb bis braun, die Kronen lichten sich. 70 bis 80 Jahre lang sind sie mit Klima und Bodenverhältnissen im Korker Wald zurechtgekommen, haben den Orkan Lothar überlebt, jetzt sterben sie. „Das tut weh“, kommentiert Markus Gutmann.

Der größte Teil des Korker Walds zeichnet sich durch tonig- lehmige und damit sogenannte wechselfeuchte Böden aus. Und das bedeutet: Staunässe. „Für die Bäume, die hier naturgemäß vorkommen, ist das ein Segen“, weiß der Förster und meint vor allem die Eiche: Ihre starken Pfahlwurzeln durchdringen die lehmigen Schichten, holen sich bei starker Trockenheit im Sommer ihr Wasser notfalls im Grundwasser; im Winter kann ihnen die Staunässe im Lehm nichts anhaben. Anders ergeht es Rotbuchen und Bergahorn: Ihnen macht die Staunässe Probleme, denn die Wurzeln können die nassen Bodenschichten nicht durchdringen. Die Folgen sind nun sichtbar. Bei extremer Trockenheit wie in den Sommern seit 2018 fehlt ihnen das Wasser. „Wenn die Winterfeuchte aufgebraucht ist, muss von oben was kommen“, drückt es Markus Gutmann aus und genau das funktioniert seit drei Jahren nicht mehr. 30 Liter pro Quadratmeter wie am letzten Augustwochenende sind hier nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein: „Davon kommt fast nichts unten bei den Wurzeln an“, weiß Markus Gutmann.

Die Eichen sind für Förster Markus Gutmann die zukunftsträchtigen Bäume im Korker Wald: Sie wurzeln tief und können sich bei extremer Trockenheit aus dem Grundwasser versorgen.zoom

Eichen leiden eher, wenn die Temperaturen sich der 40-Grad-Marke nähern. Dass dies in diesem Sommer nur an wenigen Tagen der Fall war, hat den Baumriesen gutgetan. Im Hitzesommer 2003, als die Region wochenlang unter tropischen Temperaturen litt, konnte sich der Eichenprachtkäfer entwickeln und etliche Eichen zum Absterben bringen, erinnert sich der Förster. Momentan sind Käfer und andere Schädlinge im Korker Wald kein Problem. Wenn es gelingt, die freie Wurzelentwicklung der Bäume und das feucht-kühle Waldklima zu erhalten, ist Markus Gutmann im Hinblick auf die Zukunft des Korker Waldes optimistisch: Die Erhöhung der Abschusszahlen habe dazu geführt, dass sich der Wildbestand auf ein für Tiere und Pflanzen auf ein für die Natur verträgliches Maß reduziert hat. Wenn sich Markus Gutmann im Wald aufhält, sieht er jetzt häufig Rehe, manche nur wenige Meter von den Waldwegen entfernt. Für ihn ist das ein Zeichen dafür, dass der Stress bei den Tieren abgenommen hat: Weil inzwischen ausreichend Nahrung vorhanden ist, können sie ihrem natürlichen sechsstündigen Äsungsrhythmus folgen und müssen nicht in die Dämmerung ausweichen. Und weil der Äsungsdruck entfällt, kann sich der Wald aus sich selber heraus regenerieren, anders ausgedrückt: Die Naturverjüngung funktioniert, kleine Bäumchen – und darunter zahlreiche Eichen – wachsen nach. Dieser stufige Wald, wie Markus Gutmann ihn nennt, kann Krankheiten, Pilzen oder Schädlingen gut widerstehen: „Wenn eine Baumart stirbt, kann die nächste Waldgeneration das Loch sofort ausfüllen.“ Und: Die Feuchtigkeit hält sich im stufigen Wald besser.

Ein stufig aufgebauter Mischwald, in dem keine Baumart mehr als 30 Prozent ausmacht, ist für Markus Gutmann zukunftssicher: Wenn durch Krankheiten eine Baumart ausfällt, wird die Lücke durch Naturverjüngung wieder gefüllt.zoom

Bäume, die über die Naturverjüngung nachwachsen, wurzeln in der Tiefe und sichern damit ihre Standfestigkeit, um starken Winden und Stürmen besser trotzen zu können. Bei den derzeitigen Trockenphasen sind die Jungbäume gezwungen, deutlich tiefere Wurzeln auszubilden, um an das Wasser in der Tiefe zu kommen. Dadurch sind die derzeit aufwachsenden jungen Bäumchen mit freier Wurzelentwicklung deutlich besser an künftige Klimaveränderungen angepasst, als ihre Vorgänger.
Die Wurzeln von nachgepflanzten Bäumen bleiben dagegen flach, leiden deutlich stärker unter der Trockenheit – für Stürme sind die Neuankömmlinge aus den Baumschulen leichte Beute. Dazu kommt, dass Neuanpflanzungen ein Kahlschlag auf einer ganzen Fläche vorausgehen muss. Der Humus, der sich durch verrottende Blätter und Äste gebildet hat, wird dadurch zerstört und ausgewaschen, Nährstoffe gehen verloren. Die frische gesetzten Bäumchen müssen mit Plastikröhren vor dem Wildverbiss geschützt werden und bieten nicht nur keinen schönen Anblick, sondern sind auch den Launen der Natur schutzlos ausgeliefert: „Wo gepflanzt wird, brennt von morgens bis abends die Sonne hin“, sagt Markus Gutmann und gerade an den Rändern solcher Pflanzräume ist die Trockenheit deutlich ausgeprägter als im kühleren Waldinneren. Außerdem sind Pflanzungen teuer: „Ein Hektar, den wir nicht nachpflanzen müssen, spart 10 000 Euro“, rechnet der Förster vor.

80 Jahre lang sind die Buchen im Korker Wald mit allen Launen der Natur zurechtgekommen, haben auch den Orkan Lothar überlebt. Nach drei Trockensommern sterben nun einige von ihnen ab.zoom

Aus all diesen Gründen wünscht er sich, dass das im Korker Wald erfolgreiche Konzept auch auf andere Kehler Waldflächen angewandt wird. Der Wald in den Bereichen Leutesheim, Bodersweier und Auenheim steht auf kiesigen Böden, die das Wasser deutlich weniger gut speichern als der Lehm im Korker Wald. Die Winterfeuchte ist viel früher aufgebraucht, die Bäume leiden schneller unter Trockenstress. Gerade hier wären tiefwurzelnde Bäume – also Eichen – wichtig. Stattdessen fürchtet Markus Gutmann, dass dort bald der Bergahorn dominiert, der seine Samen so großzügig verteilt, dass er andere Baumarten verdrängt. Auf den kiesigen Böden in der Rheinebene wäre ein Bergahornwald nicht zukunftsfähig: In den Höhenlagen, wo er heimisch ist (wie der Name schon sagt), wächst er in wasserführenden Rinnen.

Ein stufiger Wald, der sich durch die Naturverjüngung aus sich selber heraus erneuert, ist im Korker Wald entstanden, nachdem das Wild auf ein für die Natur verträgliches Maß dezimiert wurde.zoom

Für die Waldarbeiter bestehe die Herausforderung darin, bei der Nachwuchspflege früh steuernd einzugreifen und den Ahorn zurückzunehmen. Wie das geht, macht Markus Gutmann bei jeder Waldbegehung quasi nebenbei vor: Er knickt nachwachsende Ahorn-Bäumchen oder Rotbuchen ab, um den kleinen Eichen die Chance zu geben, nach oben zu kommen. Über fünf Baumarten sollte jeder Wald verfügen, keine davon dürfe mehr als 30 Prozent des Bestandes ausmachen, erläutert der erfahrene Förster, „so können wir das Risiko mindern“. Damit diese Art der Waldpflege gelingen könne, „brauchen wir Personal mit Verbundenheit zum örtlichen Wald – hochmotivierte Leute“.

11.09.2020

 

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