Fledermauskästen am Kronenhof: „Jeder Unterschlupf ist überlebenswichtig“

Die Fledermäuse der Rheinstadt standen bei einer Brückensanierung im Kronenhof im Mittelpunkt: Mitarbeiter des Betriebshofs hatten als Ausgleich für die Bauarbeiten zehn Fledermauskästen an Bäumen in der Nähe aufgehängt. Auch sonst erfreuen sich die kleinen Himmelsstürmer in Kehl großer Beliebtheit. Beide Batnight-Veranstaltungen waren in diesem Jahr bereits Wochen im Voraus ausgebucht. „Wir wollen mit den Aktionen verstärkt auf die Fledermaus aufmerksam machen“, erklärt die städtische Umweltbeauftragte Sarah Koschnicke. Denn: „Alle hier lebenden Arten der nachtaktiven Flugkünstler gelten als bedroht. Drei von ihnen sind sogar stark gefährdet.“ Die Unterschlüpfe wurden von einer Spezialfirma hergestellt, schützen bestens vor Wind und Regen und bieten mehreren Tieren Zuflucht. Artenschutz auf dem Privatgrundstück ist mit ihnen ebenfalls möglich.

Die zehn Nistkästen für Fledermäuse wurden von Mitarbeitern des Betriebshofs an Bäumen auf dem Damm in Höhe des Kronenhofs angebracht. Sie sind so ausgerichtet, dass sie besten Schutz vor Wind und Regen bieten.zoom

Bei der Brückensanierung im Kronenhof mussten zwei Bäume weichen, die ein externer Sachverständiger als möglichen Lebensraum für Fledermäuse eingestuft hatte. „Aufgrund des Gutachtens haben wir zusammen mit dem Förster, bereits ab April am Damm in der Nähe des Kronenhofs nach geeigneten Bäumen für die Kunsthöhlen gesucht“, erläutert Sarah Koschnicke. „Hierbei ist wichtig, dass es keine Universal-Lösung zur Unterbringung der kleinen Flugkünstler gibt. Je nach Fledermausart haben die Tiere andere Vorlieben.“ Deshalb hat sich die Stadt für verschiedene Nistkästen-Typen entschieden. Sowohl die Fledermaus-Spaltenkästen, als auch die Großraumkästen können dabei im eigenen Garten oder an der Hausfassade aufgehängt werden. „Artenschutz kann, speziell in Bezug auf unsere Flugakrobaten, von allen Personen mit Zugang zu einem eigenen Grundstück betrieben werden“, weiß die Umweltbeauftragte der Stadt. Lebensraum ist für die kleinen Himmelsstürmer wichtiger denn je: „Von 25 in Deutschland lebenden Arten, sind 20 in Baden-Württemberg beheimatet – allesamt gelten als bedroht.“ Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) bietet für alle Heimwerkinnen und Heimwerker eine Nistkasten-Bauanleitung mitsamt Schritt-für-Schritt-Video auf der hauseigenen Internetseite an. Fertige Kunsthöhlen gibt es unter anderem bei der Kehler NABU-Ortsgruppe zu kaufen. Zwar seien solche Fledermauskästen kein gleichwertiger Ersatz für natürliche Quartiere, „allerdings gibt es infolge der immer größer werdenden Städte immer weniger Lebensraum für die Fledertiere, weshalb für sie jeder Unterschlupf überlebenswichtig ist“, erklärt Sarah Koschnicke. „Gleichzeitig sind Fledermäuse gute Nachbarn, sie bekämpfen Mückenplagen mit großem Eifer.“ Alle Arten in Deutschland sind Insektenfresser. Keine davon saugt Blut.

Die Bechsteinfledermaus ist eine Waldfledermaus und unter anderem in den Baumhöhlen im Korker Wald zuhause. Bildrechte: Florian Gloza-Rauschzoom

Fledermäuse erfreuen sich großer Beliebtheit

„In Kehl beobachten wir seit einiger Zeit ein immer größer werdendes Interesse an Fledermäusen. Vergangenes Jahr haben uns etwa 70 Neugierige bei der Batnight begleitet“, berichtet Sarah Koschnicke. „Auf den Infoabenden, an denen unter anderem das Rheinvorland erkundet wird, können Jung und Alt die sonst sehr unscheinbaren Tiere in freier Wildbahn bestaunen.“ Corona-bedingt waren die Touren in diesem Jahr auf 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschränkt, unter Berücksichtigung von Mindestabstand und Hygienekonzept. Beide Abende waren trotz des schlechten Wetters bis zum letzten Platz belegt. Mit speziellen Detektoren ausgerüstet, welche die Rufe der Fledermäuse hörbar machen, ging es nach einer kurzen Einführung auf die Suche nach den wendigen Himmelsstürmern. „Bei unserer ersten Wanderung konnten wir am Weißtannenturm viele der kleinen Flugkünstler begutachten“, sagt Markus Kauber, von der Kehler NABU-Ortsgruppe. Während der zweiten Veranstaltung gab es mehrere Regenschauer, vereinzelte Exemplare konnten dennoch beobachtet werden. Die Tiere vermeiden es in der Regel, sich bei Regen in die Lüfte zu schwingen, da ihre Beute unter solchen Bedingungen schwerer auszumachen ist.
Die Batnight ist eine europaweite Kampagne, zu der zahlreiche Institutionen und Privatleute jährlich Infoabende organisieren. Allein in Deutschland gab es in diesem Jahr mehr als 100 Veranstaltungen rund um die Fledermaus. In Kehl wurden beide Termine von der städtischen Umweltabteilung und der NABU-Ortsgruppe geplant und ausgerichtet.

15.09.2020

 

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