Stadt ermöglicht Mitarbeitenden Sabbatjahr: „Freiheiten in der Lebensplanung“

Eine gute Work-Life-Balance bringt Berufs- und Privatleben in Einklang. Doch das gelingt nicht immer: Manche Wünsche und Ziele lassen sich nicht an einem Wochenende oder im Jahresurlaub realisieren. Dafür ist das neue Sabbatical der Stadt gedacht, die Auszeit vom Job mit vertraglicher Sicherheit. „Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer möchten ihre Zeit heutzutage individuell gestalten“, weiß Petra Fischer, Leiterin des Fachbereichs Zentrale Steuerung und Bürgerservice. Dabei gehe es in erster Linie nicht um ausgedehnte Reisen, sondern vielmehr um eine Gelegenheit, private Ziele zu verfolgen, ohne kündigen zu müssen. Interessierte können das Sabbatjahr an ihre Wünsche anpassen, für Führungskräfte gelten jedoch besondere Regeln.

Oberbürgermeister Toni Vetrano und die Personalratsvorsitzende Karin Siegler unterschreiben die Dienstvereinbarung zum Sabbatjahr.zoom

„Um ein Sabbatical bei uns in Anspruch nehmen zu können, benötigt man lediglich einen unbefristeten Vertrag, muss bereits zwei Jahre hier arbeiten und darf vor der Vereinbarung eine Wochenarbeitszeit von 50 Prozent nicht unterschreiten“, erklärt Benjamin Göhringer aus dem Bereich Personal und Organisation. Er hat die Vereinbarung in enger Zusammenarbeit mit dem Personalrat entwickelt. Treffen diese Punkte zu, kann Arbeitszeit auf einem separaten Stundenkonto gesammelt werden. Durch das so aufgebaute Wertguthaben erarbeiten Arbeitnehmende sich das Recht auf eine Freistellungsphase. Diese Mußezeit kann eine Dauer von sechs Monaten bis zu einem Jahr umfassen, muss allerdings innerhalb von fünf Jahren auf dem Stundenkonto angespart werden. Die Vereinbarung für ein Sabbatjahr besteht also aus zwei Abschnitten, aus einer Ansparungs- und einer Freistellungsphase. Beide Zeiträume müssen als Block am Stück genommen werden und können jeweils nicht kürzer als sechs Monate sein, bieten aber ansonsten viele Freiheiten. Wichtig ist, dass die Auszeit nicht mit Verpflichtungen bei der Arbeit kollidiert. „Führungskräften empfehlen wir, das Sabbatjahr eher am Ende ihrer Beschäftigung zu nehmen“, führt Markus Sturm aus, Leiter des Bereichs Personal und Organisation. „Zum Beispiel vor dem Renteneintritt, um so einen vorzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben zu genießen.“

Die verschiedenen Wertguthaben-Modelle

„Interessierte bekommen durch das Sabbatjahr mehr Freiheiten in der Lebensplanung“, erläutert Markus Sturm. „Sie können sich zum Beispiel über drei Jahre hinweg bei voller Arbeit nur 75 Prozent ihres Gehalts auszahlen lassen und die nicht angerechneten Stunden als Wertguthaben sammeln.“ Das vierte Jahr in diesem Modell sei dann komplett frei, bei 75 Prozent der Bezüge. Auch zwei Jahre Arbeit bei einem Einkommen von 66 Prozent sind denkbar, an die sich eine einjährige Freistellungsphase anschließt, in der die Mitarbeitenden Anspruch auf 66 Prozent Gehalt haben. Dabei handelt es sich lediglich um zwei Beispiele; die Sabbatjahr-Vereinbarung ist individuell gestaltbar.

Die Sabbatjahr-Vereinbarung im Detail

Vor jedem Sabbatical wird eine schriftliche Vereinbarung zwischen dem Arbeitnehmenden und der Stadtverwaltung getroffen. Der Vertrag dokumentiert unter anderem die Laufzeit, den exakten Zeitraum der Freistellung, Möglichkeiten zum vorzeitigen Ende des Kontrakts, wie man im Fall einer längeren Erkrankung vorgeht und ob das Stundenkonto übertragbar ist. Die zu leistende Wochenarbeitszeit kann während der gesamten Vereinbarung nicht geändert werden. Jahresurlaub, der während der Freistellungsphase entsteht, wird in der Vereinbarung festgehalten und mit dem eigenen Zeitkonto verrechnet. Bei besonderen Ereignissen, wie zum Beispiel dem vorzeitigen Ende des Arbeitsverhältnisses oder der Übertragung des Wertguthabens auf eine andere Person, wird das Zeitkonto nach Rücksprache mit dem Inhaber neu berechnet oder ganz aufgelöst.

09.10.2020

 

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