Synagogen-Stele erinnert an jüdische Holocaust-Opfer aus Kehl und Bodersweier

Das Schicksal von 54 jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern aus der heutigen Kernstadt und Bodersweier wird auf der Gedenkstele beschrieben, die anlässlich des 80. Jahrestags der Deportation nach Gurs am Donnerstag, 22. Oktober, an der Stelle aufgestellt wurde, wo einst die jüdische Synagoge stand. Bei der Einweihung gedachte Oberbürgermeister Toni Vetrano der jüdischen Opfer des NS-Terrors.

Oberbürgermeister Toni Vetrano und die Leiterin des Stadtarchivs sowie des Hanauer Museums, Dr. Ute Scherb, weihen die neue Gedenkstele an der Schulstraße ein. Hier stand bis 1939 noch die jüdischen Synagoge.zoom

Die Idee für das Erinnerungsmal an der Ecke Schulstraße und Kasernenstraße entstand im Arbeitskreis 27. Januar. Die Stele soll neben der Erinnerung an die Synagoge ins Gedächtnis rufen, was sich am Morgen des 22. Oktobers 1940 auch in Kehl abgespielt hat, als das jüdische Leben ausgelöscht wurde: Insgesamt 6500 jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Baden und der Saarpfalz wurden nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Ohne jede Vorwarnung klingelte die Gestapo frühmorgens an ihren Türen und ließ den Betroffenen nur wenig Zeit, ihre Habseligkeiten zu packen – höchstens 50 Kilogramm Gepäck und 100 Reichsmark durften sie mitnehmen. Bis heute ist ungeklärt, wie die Deportation in Kehl genau ablief. Es ist davon auszugehen, dass die Menschen hier ebenso wie in Bodersweier auf Lastwagen geladen und nach Offenburg gebracht wurden, wo sie in einen Zug mit Fahrtziel Pyrenäen umsteigen mussten. Erst nach vier Tagen kamen sie völlig entkräftet in Gurs an. Die Zustände in diesem überfüllten Lager waren unbeschreiblich – aufgrund der unzureichenden Ernährung und der katastrophalen hygienischen Bedingungen brachen Krankheiten aus, und bereits im ersten Winter starben über 1000 Deportierte. Für viele Jüdinnen und Juden endete die Tortur jedoch nicht in Gurs, sie wurden zwangsweise in das Konzentrationslager nach Ausschwitz gebracht und systematisch ermordet.

Die Synagogen-Stele berichtet über das Schicksal der 54 deportierten jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Kehl.zoom

Das jüdische Gotteshaus in Kehl war nach den Ausschreitungen während des Novemberpogroms an die Stadt verkauft und anschließend abgebrochen worden. An seinem ehemaligen Standort an der Schulstraße 45, steht die Gedenkstele. Die Inschrift in deutscher und französischer Sprache berichtet von den Verwüstungen der Synagoge am 10. November 1938 sowie von den schweren Misshandlungen jüdischer Männer und junger Erwachsener unter den Augen der Öffentlichkeit. Sie wurden von SS-Männern, Gestapo-Beamten, Grenzpolizisten sowie von Kehler Bürgern beschimpft, bespuckt, gedemütigt und schwer misshandelt. Seit 1991 erinnert das Mahnmal in der Jahnstraße an diese Gräuel. Bei der Einweihung der neuen Stele sagte Oberbürgermeiste Toni Vetrano: „In einer Zeit, in der vieles in Frage gestellt wird und Fremdenfeindlichkeit um sich greift, ist es wichtiger denn je, sich der Vergangenheit zu erinnern. Die Erinnerung gehört zur Gegenwart und ist für die Gestaltung unserer Zukunft unerlässlich.“

21.10.2020

 

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