Corona-Krise als Katalysator: Wirtschaftsförderin spricht mit IHK und Bittner&Heitz über Digitalisierung

Dass eine Krise auch eine Chance sein kann, will Wirtschaftsförderin Fiona Härtel den Unternehmen und Einzelhändlern aus der Region zeigen. Die Wirtschaft vor Ort baut auf die Impulse und Denkanstöße, die beispielsweise durch Vortragsveranstaltungen wie das Unternehmerforum, von der Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungs-GmbH gegeben werden. Aufgrund der Corona-Ausbreitung mussten einige Veranstaltungen jedoch abgesagt werden. Um die Unternehmen und den Einzelhandel in der aktuellen Situation dennoch zu unterstützen, hat sich Wirtschaftsförderin Fiona Härtel mit Vertretern der Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein sowie der Steuerberaterkanzlei Bittner&Heitz zusammengesetzt und über die Digitalisierung gesprochen, deren Wichtigkeit durch die Pandemie noch einmal deutlich gemacht wurde.

Bittner&Heitz PartGmbB:

Nicht nur im eigenen Betrieb, sondern zusätzlich bei ihren Mandanten begleitet die Steuerberaterkanzlei Bittner und Heitz die digitale Umstellung. „Erstmals damit konfrontiert wurden wir in der Finanzbuchhaltung“, berichtet Steuerberater Michael Heitz. Das Softwareunternehmen DATEV bietet Unternehmen und Betriebe die Möglichkeit, Rechnungsbelege einzuscannen und auf ihre verschlüsselte Online-Plattform hochzuladen. Die Steuerberater können über das DATEV-System darauf zugreifen und die Belege anschließend verbuchen. „Dadurch sparen unsere Mandaten Zeit und auch das Aktenschleppen entfällt“, erläutert Michael Heitz. Es bedürfe lediglich eines Scanners, der Software sowie einer stabilen Internetverbindung. Einige Mandaten scheuten diesen Schritt jedoch: Während sie bei der Lohnabrechnung digitale Erleichterungen begeistert aufnahmen, war die Bereitschaft, die Buchhaltung umzustellen verhaltener. „Das bedeutet auch für die Unternehmerinnen und Unternehmer, dass sie Abläufe in ihren Büros ändern müssen“, begründet Michael Heitz. Allerdings: Die Corona-Pandemie im Frühjahr hat die Entwicklung hin zu mehr Digitalisierung beschleunigt. Dies gilt auch für die Kanzlei Bittner&Heitz. Denn: Die eingescannten Belege müssen nicht mehr manuell erfasst werden, da in der Regel die Rechnungsbeträge vom System erkannt und als Buchungsvorschlag übernommen werden. Dadurch reduzierten sich Tippfehler und Zahlendreher. „Unsere Arbeit wandelt sich, hin zu mehr Kontrolle“, beschreibt Michael Heitz. Die Steuerberaterinnen und -berater achten stattdessen darauf, ob Zahlen richtig erfasst und ob steuerrechtliche Formalien eingehalten wurden. Dieser Wandel sorgte unter einigen Mitarbeitenden der Steuerberaterkanzlei für Ängste, „wegdigitalisiert zu werden und ihren Job zu verlieren“, berichtet Michael Heitz. Daher war die Kanzlei auf einen sanften Übergang bedacht, in kleinen Schritten, um weniger online-affine Angestellte nicht abzuhängen. „Man muss seine Mitarbeitenden weiterqualifizieren, wenn man sie halten will“, sagt der Steuerberater. In der Kanzlei hätte dies eine engagierte Mitarbeiterin übernommen, die ihrem Kollegium in Workshops die neue Software nähergebracht hat. Letztlich sei der Umstieg erfolgreich verlaufen, resümiert Michael Heitz. 

Gemeinsam mit Emmanuel Beule (Mitte) und Nico Faller (rechts) von der IHK erörtert Wirtschaftsförderin Fiona Härtel, was die Industrie- und Handelskammer für Kehler Betriebe in Sachen digitaler Wandel tun kann.zoom

Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein: 

Was kann die Industrie- und Handelskammer zur Digitalisierung lokaler Unternehmen in Kehl beitragen? „Wir haben ein Online-Tool entwickelt, anhand dessen Betriebe und Unternehmen ihren digitalen Reifegrad überprüfen können“, berichtet Emmanuel Beule von der IHK. Gemeinsam mit Nico Faller betreut er das Thema Digitalisierung vor Ort. Anhand von acht Themenfeldern können Unternehmerinnen und Unternehmer, zusammen mit ihren Mitarbeitenden, den firmeneigenen Digitalisierungsgrad bewerten. Die Ergebnisse in den Einschätzungen sowie die Abweichungen unter den Teilnehmenden wird in einer Spinnengrafik angezeigt. „Dazu müssen Unternehmerinnen und Unternehmer durchaus kritikfähig sein“, erläutert Emmanuel Beule. Als zentrale Anlaufstelle zu Digitalisierungsfragen hat die IHK das sogenannte Impulsnetzwerk geschaffen, sie dient „dem Wissenstransfer aus Wissenschaft und Praxis in die Unternehmen“, sagt Emmanuel Beule. Beispielsweise werden hier Hinweise zu Fördertöpfen gegeben. Hinzu kommt die Beratung vor Ort in den Betrieben. „Wir haben im Jahr rund 135 Termine gemacht“, zählt der IHK-Digitalisierungsexperte auf. Das heißt konkret: Betriebe ermitteln ihren Ist-Zustand und sprechen dann die IHK an, um sich zu ihren Digitalisierungsschwerpunkten beraten zu lassen – sei es vor Ort oder coronabedingt per Videoschalte. „Als IHK sind wir zur Neutralität verpflichtet. Wir werden keinem Unternehmen zu einer bestimmten Software oder zu einer bestimmten Strategie raten; wir reden mit den Leuten.“

„Insgesamt lässt sich sagen, dass Firmen, die bereits in die Digitalisierung investiert hatten, deutlich besser durch den ersten Lockdown kamen“, resümiert Wirtschaftsförderin Fiona Härtel. Sie rät deshalb den Kehler Betrieben, sich verstärkt mit dem Thema auseinanderzusetzen, dabei junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzubinden und als ersten Schritt beispielswiese den Digitalisierungsbarometer der IHK zu nutzen, um den eigenen Ist-Stand zu ermitteln.

02.01.2021

 

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