Kehl kommt im ADFC-Fahrradklima-Index fast auf Freiburg-Level

Im Fahrradklima-Index des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) für 2020 belegt die Rheinstadt Platz 93 von 415 in der Kategorie „Kommunen mit 20 000 bis 50 000 Einwohnerinnen und Einwohnern“. 239 Kehlerinnen und Kehler gaben im Rahmen der Aktion per Fragebogen Auskunft über das Radfahren vor Ort und darüber, ob die Verwaltung ihre Interessen und Wünsche ernst nimmt. Mit der Schulnote 3,66 liegt Kehl dabei leicht über dem Durchschnitt von 3,9. Zum Vergleich: Die Radstadt Freiburg kommt bei der Umfrage auf den Wert 3,35. Im Detail punktet Kehl bei Fragen nach der Erreichbarkeit des Stadtzentrums, beidseitig zugänglichen Einbahnstraßen und dem zügigen Radfahren, hat aber bei den Themen Fahrraddiebstahl, Ampelschaltung und Konfliktsituationen mit Autos noch Luft nach oben.

„Beim Fahrradklima-Index des ADFC gilt es die Note im Verhältnis zu sehen“, erklärt Klimaschutzmanager Leon Leuser. Kehl stehe mit seiner 3,66-Wertung auf einer Stufe mit Bremen (3,57), dem ersten Platz in der Rubrik Großstädte und Offenburg (3,64), der größten Stadt im Ortenaukreis. Die Befragung gibt den Verantwortlichen in der Verwaltung in erster Linie einen Überblick darüber, was bei ihnen schon gut läuft und wo es noch Verbesserungspotential gibt. Denn: „Das Fahrrad ist eine Hauptsäule in unserer Strategie gegen den Klimawandel und auch im städtischen Mobilitätskonzept von großer Bedeutung“, sagt Leon Leuser. Zudem eigne sich Kehl und das Umland mit der flachen Landschaft perfekt für das Rad. Dies beweist auch ein Blick auf die Zusammensetzung des aktuellen Verkehrs: Mit einem Anteil von 23 Prozent ist das Fahrrad ein wichtiges und beliebtes Fortbewegungsmittel. „Im bundesweiten Vergleich ist unser Radverkehrsanteil sehr gut“, berichtet Michael Görlitz aus der städtischen Abteilung Tiefbau. „In Zukunft möchten wir diesen Wert allerdings noch weiter ausbauen.“

Kehl bietet auch für Genussradler viele Möglichkeiten - die Topographie ist auch für ungeübte Radfahrer und Familien günstig.zoom

Dafür hat die Stadt bereits mit einer Vielzahl von Maßnahmen die Weichen gestellt: So darf das Einbahnstraßennetz in der Innenstadt von Radfahrern zum Großteil in beide Richtungen genutzt werden, sind die ersten Fahrradstraßen in der Friedhofstraße und im Baugebiet Schneeflären entstanden, wurden neue Radwege zwischen Eckartsweier und Marlen sowie entlang der Tramgleise angelegt und mehrere sichere Querungsstellen gebaut; darüber hinaus stellt die Stadt an den Bahnhöfen in Kehl und Kork und an mehreren Bushaltestellen dutzende Möglichkeiten zur Verfügung, um das Fahrrad sicher abzustellen. Hinzu kommen Schutzstreifen und Tempo-30-Abschnitte in der Iringheimer-, der Elsässer- und der Bierkellerstraße sowie in den Ortsdurchfahrten von Bodersweier, Goldscheuer und Marlen. „Wir wollen das Radfahren vor Ort attraktiver gestalten und somit immer mehr Menschen zu einem Umstieg einladen“, erläutert Michael Görlitz.

Auch mit Fahrradstraßen kann Kehl inzwischen punkten.zoom

Auch künftige Anpassungen an der Kehler Infrastruktur verfolgen dieses Ziel: In einem nächsten Schritt sind innerorts mehrere Mobilitätsstationen mit weiteren Abstellanlangen und Leihrädern geplant; an diesen Knotenpunkten sollen mehrere Fortbewegungsmittel zusammenlaufen und somit beispielsweise ein nahtloser Übergang von Rad auf Bus oder Tram gewährleistet werden. Zudem sollen neue Schutzstreifen die Sicherheit für Radfahrer im Verkehr steigern und vorhandene Radwege saniert werden. „Der Bund hat außerdem den Bau eines vier Meter breiten Radschnellweges, von Straßburg über Kehl nach Offenburg, in die Wege geleitet“, fügt der Tiefbaumitarbeiter an. Mit der Planung des Großprojekts wird bald begonnen.

Kategorien und Fragen mit Noten für Kehl

I. Fahrrad- und Verkehrsklima (3,3)
• Spaß oder Stress (3,0)
• Akzeptanz im Verkehr (3,6)
• Radfahren in allen Altersklassen (2,8)
• Werbung fürs Radfahren (3,8)
• Medienberichte (3,4)


II. Stellenwert Radverkehr (3,9)
• Fahrradförderung (3,5)
• Falschpark-Kontrollen auf Radwegen (4,4)
• Reinigung der Radwege (3,7)
• Ampelschaltung für Radfahrer (4,1)
• Winterdienst auf Radwegen (3,6)


III. Sicherheit (4,0)
• Sicherheitsgefühl (3,8)
• Konflikte mit Fußgängern (3,3)
• Kfz-Konflikte (3,9)
• Hindernisse auf Radwegen (3,5)
• Fahrraddiebstahl (5,0)
• Fahren auf Radwegen und -streifen (4,2)
• Fahren im Mischverkehr (4,2)


IV. Komfort (4,1)
• Radweg-Breite (4,2)
• Radweg-Oberfläche (3,8)
• Abstellanlagen (3,6)
• Straßenführung an Baustellen (4,4)
• Fahrradmitnahme ÖPNV (4,3)


V. Infrastruktur (3,1)
• Erreichbarkeit Stadtzentrum (2,5)
• Zügiges Radfahren (2,7)
• Geöffnete Einbahnstraßen (2,7)
• Wegweisung für Radfahrer (2,8)
• Öffentliche Fahrräder (4,6)

Gesamtnote: 3,66

07.04.2021

 

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