KKP gibt wieder Rückenwind: Straffällige Jugendliche werden von Gleichaltrigen unterstützt

Die kommunale Kriminalprävention (KKP) greift mit dem Projekt Rückenwind straffälligen Jugendlichen unter die Arme, bevor diese dauerhaft mit einer Vorstrafe leben müssen. Die Idee: Die unter 14-Jährigen arbeiten die Folgen ihrer Taten zusammen mit Gleichaltrigen auf, Erwachsene bleiben hierbei bewusst außen vor. Die jungen Konfliktmanagerinnen und -manager sind am Freitag, 2. Juli, mit einem Auffrischungskurs in der Villa RiWa aus der Corona-Zwangspause gestartet. Wer Lust hat, ebenfalls ein Teil des Teams zu werden, muss nicht lange warten: nach den Sommerferien beginnt die Ausbildung der neuen Konfliktberaterinnen und -berater. Das Programm Rückenwind zeigt in Kehl seit Jahren positive Wirkung: Jugendliche Straftäter sind in der Rheinstadt eine Seltenheit geworden.

Die Konfliktmanagerinnen und -manager aus dem KKP-Projekt Rückenwind besprechen zusammen mit vom Weg abgekommenen Jugendlichen die Folgen ihrer Taten und mögliche Wiedergutmachungen.zoom

„Wir sind froh, dass die Jugendlichen des Rückenwind-Projekts nach dem Kontaktverbot wieder aktiv werden können“, freut sich Jannate Hammerstein, Kehls Beauftragte für Kriminal- und Gewaltprävention. „In den vergangenen Jahren konnten wir zahlreichen Heranwachsenden dabei helfen, aus eigener Kraft Alternativen für ihr Handeln zu erarbeiten.“ Begehen unter 14-Jährige eine Straftat, schwänzen die Schule oder reißen von zuhause aus, tritt das Rückenwind-Team auf den Plan. Die Altersgrenze ist wichtig, da Kinder im Alter von 13 Jahren oder jünger strafunmündig sind und in gewissen Fällen eine Straftat begehen können, die keine unmittelbaren erzieherischen oder strafrechtlichen Konsequenzen nach sich zieht. „Diese Situation birgt die Gefahr, dass das Verhalten nicht hinterfragt wird“, erklärt Jannate Hammerstein. Vor allem ein Gespräch mit Erwachsenen würde von den Jugendlichen in dieser Lage häufig abgelehnt. „Mit Menschen im gleichen Alter kommen sie jedoch in der Regel schnell ins Gespräch.“ Hier setzt das Projekt Rückenwind an: Gemeinsam mit einem Konfliktmanager setzen sich die Betroffenen mit ihren Taten auseinander, benennen deren Folgen und erarbeitet eine mögliche Wiedergutmachung. Das Ziel: „Die Jungen und Mädchen stärken durch diesen Ansatz ihr eigenes Verantwortungsgefühl und legen gleichzeitig den Grundstein für ihre Zukunft“, sagt die Beauftragte für Kriminal- und Gewaltprävention. „Wenn ich von mir aus etwas wirklich erreichen will, klemme ich mich stärker dahinter.“ Von selbst aktiv werden darf das Projekt-Team allerdings nicht. Sie werden von den Expertinnen und Experten der Jugendstaatsanwaltschaft, der Polizei oder der Sozialarbeit zu Rate gezogen und helfen dann den Betroffenen wieder Ordnung ins Leben zu bringen. Die einzelnen Projekte der KKP werden von der Stadt, drei Bürgerstiftungen und dem Verein Courage finanziert.

Teil des Rückenwind-Teams werden

„Unsere Konfliktmanagerinnen und -manager sind gut nachgefragt, Verstärkung ist uns immer willkommen“, sagt Jannate Hammerstein. Wer Interesse am Thema hat, kann an einem der Infoabende mehr erfahren. Hier wird der Ablauf des Projekts besprochen, Fallbeispiele angeschaut und Fragen beantwortet. Die Ausbildung der neuen Rückenwind-Mitglieder startet dann jeweils nach den Sommerferien im Einstein-Gymnasium und in Rheinau mit Vorträgen von Expertinnen und Experten. Methoden der Gesprächsführung stehen dabei genauso auf dem Programm, wie praktische Übungen und die professionelle Streitschlichtung. Neben Einblicken in das Jugendstrafrecht und der Hilfe von Gleichaltrigen in Notlagen, gibt es auch ein Zertifikat. Für weitere Informationen über das Projekt sowie alle Terminfragen zu den Infoabenden oder dem Ausbildungsbeginn steht Jannate Hammerstein jederzeit als Ansprechpartnerin zur Verfügung. Telefonisch ist die Beauftragte für Kriminal- und Gewaltprävention unter der Nummer 07851 88-2370 erreichbar, per Mail an die j.hammerstein@stadt-kehl.de.

Inhalte der Konfliktmanager-Ausbildung

  • Erwartungen und Selbstverständnis des Projekts Rückenwind.
  • Der Einstieg: Gruppenphase, Gruppenfindung, Gruppendynamik.
  • Die Methoden der Gesprächsführung und der Kommunikation.
  • Eigenes Konfliktverhalten, Sanktionen und Hilfestellungen.
  • Streitschlichtung und Mediation.
  • Praktische Übungen in Form von Rollenspielen zum Erleben der eigenen Rolle bei der Beratung.
  • Tatablauf aus Sicht des betroffenen Kindes oder Jugendlichen.
  • Ursachen und Motive der Tat oder des abweichenden Verhaltens.
  • Folgen der Tat.
  • Erzieherische Maßnahmen und Sanktionen.
  • Wiedergutmachung.
  • Zusammenarbeit mit Polizei und Justiz.

07.07.2021

 

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