„Nicht nachlassen, zu erinnern“ – Stolpersteinverlegung für Rosa Mayer

„Keine Feier ohne Mayer!“ Mit diesem Satz erinnert sich eine Zeitzeugin an die Kehler Jüdin Rosa Mayer zurück. Die damals 65-Jährige wurde am 22. Oktober 1940 von Kehl aus in das französische Internierungslager Gurs deportiert. Mehr als 6500 jüdische Menschen aus Baden, der Pfalz und dem Saarland teilten an diesem Tag dasselbe Schicksal. In Erinnerung an das Leben und Leiden von Rosa Mayer wurde für sie heute (8. Juli) in einer öffentlichen Gedenkfeier ein Stolperstein ins Pflaster eingelassen – der mittlerweile 65. in Kehl.

"Hier wohnte Rosa Mayer, geborene Murr. Jahrgang 1874. Deportiert 1940. Tot an Haftfolgen 14.7.1945", lautet die Inschrift des Stolpersteins.zoom

Im Juni 2010 hatte der Gemeinderat einstimmig beschlossen, dass in Kehl Stolpersteine zum Gedenken an Opfer der Nazi-Diktatur verlegt werden sollten. 64 solche kleinen Betonquader mit Messingoberfläche verteilen sich mittlerweile über die ganze Rheinstadt. Im Rahmen einer öffentlichen Gedenkstunde kam heute der 65. Stein vor der Oberländerstraße 8 dazu. Darauf eingeprägt steht: „Hier wohnte Rosa Mayer, geborene Murr. Jahrgang 1874. Deportiert 1940. Tot an Haftfolgen 14.7.1945.“ Kurz und knapp fasst die Tafel das Leben der Frau zusammen, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens gezwungen wurde, ihre Wohnung in der Oberländerstraße 8 zu verlassen. Genannt werden auf dem Stolperstein auch die Stationen, die sie daraufhin in Gefangenschaft durchlebte: Gurs, Recebedou, Nexon, Masseube.

Musikalisch umrahmt wurde die Gedenkfeier durch Geigenspiel von Lea Balzar und Michael Klett. zoom

Das ehemalige Wohnhaus von Rosa Mayer gibt es nicht mehr; an dessen Stelle steht mittlerweile ein Gebäudekomplex, die sogenannten Kinzighöfe. Rund 70 Menschen kamen dort heute zur Gedenkfeier zusammen, die der Arbeitskreis 27. Januar organisiert hatte. Die Lebensstationen von Rosa Mayer stellte die Zeitzeugen-AG in einer szenischen Präsentation dar. Zehn Schülerinnen und ein Schüler des Einstein-Gymnasiums hatten gemeinsam mit ihrem Lehrer und Leiter der Arbeitsgemeinschaft, Uli Hillenbrand, und Dr. Ute Scherb, Leiterin des Hanauer Museums und des städtischen Archivs, das Leben von Rosa Mayer aufgearbeitet. Umrahmt wurde die Gedenkfeier durch Geigenspiel von Lea Balzar und Michael Klett. 

Oberbürgermeister Toni Vetrano legt eine weiße Rose am Stolperstein ab.zoom

In seiner Ansprache verwies Oberbürgermeister Toni Vetrano auf die traurige Tatsache, dass es im Rahmen von Corona-Demonstrationen immer wieder Menschen gibt, die dort auf eine Art und Weise protestieren, „die sprachlos macht.“ Die in gestreifter Kleidung mitlaufen, welcher der Uniform eines KZ-Häftlings nachempfunden ist und dabei Schilder hochhalten mit der Aufschrift „Maske macht frei“ – in Anspielung auf den perfiden Spruch „Arbeit macht frei“ im Torbogen des Konzentrationslagers Auschwitz. Das sei maßlos und eine Verhöhnung der Opfer des Nationalsozialismus. „Deshalb dürfen wir nicht nachlassen, zu erinnern. Auch nicht und gerade nicht in Zeiten der Pandemie, in Zeiten der Krise.“

08.07.2021

 

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