Kommunale Kriminalprävention erreicht in der Pandemie 1638 Jugendliche

Trotz Schulschließungen und Kontaktbeschränkungen: Die Kommunale Kriminalprävention (KKP) hat mit ihren Angeboten auch in der Pandemie 1638 Schülerinnerinnen und Schüler erreicht. 87 Veranstaltungen haben in Kehl (58), in Rheinau (16) und in Willstätt (13) stattgefunden und das verteilt auf gerade mal vier Monate tatsächliche Unterrichtszeit. Eben weil die Kinder und Jugendlichen durch Home Schooling und coronabedingtes Zuhausesein noch mehr online waren als in normalen Zeiten, kamen sie auch mit den problematischen Seiten des world wide web stärker in Kontakt. Ein Grund mehr für Jannate Hammerstein, seit März 2021 nicht mehr beim Roten Kreuz, sondern bei der Stadt Kehl für die KKP zuständig, bereits in den Grundschulen mit der Aufklärung über die Gefahren zu beginnen, die im Internet lauern. Die meisten Unterrichtseinheiten in den Schulen absolviert sie gemeinsam mit Anja Faulhaber, der Präventionsbeauftragten der Kehler Polizei, wie sie dem KKP-Beratungsteam in der Sitzung vor der Sommerpause berichtete: „Trotz Corona waren wir in allen Schulen.“

Die vom städtischen Sozialpädagogen Cornel Happe und Jannate Hammerstein geleitete Zusammenkunft vor den Sommerferien ist traditionell das Treffen, bei dem über die Aktivitäten des zu Ende gehenden Schuljahres Bilanz gezogen wird und zu dem auch Oberbürgermeister Toni Vetrano hinzustößt. Standen vor Corona bei den Unterrichtseinheiten in den Schulklassen noch die Gewalt- und Amokprävention sowie das Cybermobbing im Vordergrund, so haben sich die Themenschwerpunkte im Corona-Schuljahr 2020/2021 auf Medienprävention sowie die Aufklärung über legale (Tabak, Shisha und Alkohol) und illegale Drogen verlagert; Mobbing und die dadurch ausgelösten Langzeitfolgen für Opfer und Täter blieben auf der Agenda der KKP. Im neuen Schuljahr wird es ab Herbst, und das auch schon in den Grundschulen, um Themen wie „Dein Handy und Du“ gehen, aber auch um gute und schlechte Geheimnisse, wohinter sich die Prävention sexuellen Missbrauchs verbirgt.
Schon Grundschüler haben heute häufig ein eigenes Handy. Von 20 Kindern in einer Grundschulklasse, die Jannate Hammerstein besucht hat, hatten 18 einen Instagram-Account. Diesen nutzen sie zwar kaum, um eigene Inhalte zu posten, sie folgen damit eher den Influencern, die sie vom Social-Media-Kanal TikTok her kennen. Einige Drittklässler berichteten Jannate Hammerstein, dass sie bei Online-Spielen neue Online-Freunde gefunden hätten, von denen sie nach Fotos, Name, Alter und Adresse gefragt worden seien. Das Alter dieser sogenannten Freunde blieb dabei im Dunkeln. Dass in diesen Bereichen eine kontinuierliche Aufklärung unerlässlich ist, beweist Jannate Hammerstein der Umstand, dass Jugendliche trotz vielfacher Warnungen immer wieder Nacktbilder von sich verschicken. „Die Fotos kommen wie ein Bumerang immer wieder zurück – über Jahre hinweg.“

Waren beim Sommerabschlusstreffen der KKP im Haus der Jugend zugegen (von links nach rechts): Celine Michel, Polizeibehörde der Stadt Kehl, Oberbürgermeister Toni Vetrano, KKP-Team-Leiter Cornel Happe, (dahinter) Ralf Wiedemer, Ordnungsamt Appenweier, (daneben) Ralph Locher, Ordnungsamt Willstätt, Anja Faulhaber, Präventionsbeauftragte der Kehler Polizei, Markus Lautenschläger, Jugendsachbearbeiter der Kehler Polizei, Michael Frei, AGV-Suchtberatung der Caritas; Armin Schäfer, Ordnungsamt Rheinau, Jannate Hammerstein, bei der Stadt Kehl für die KKP zuständig, Binja Frick, kommissarische Leiterin des Fachbereichs Bildung, Soziales und Kultur bei der Stadt Kehl, (dahinter) Bewährungshelferin Ulrike Jensen, Lara Lehmann, Praktikantin in der Bewährungshilfe und Pia Schneider, ebenfalls von der Bewährungshilfezoom

Gute Erfahrungen hat Jannate Hammerstein damit gemacht, dass sie gemeinsam mit Anja Faulhaber von der Polizei in die Schulen geht, dadurch bekämen die Inhalte „eine andere Dimension“. Die elf Präventionsbausteine, die sie für die Klassenstufen eins bis acht erarbeitet haben, „werden von den Lehrkräften sehr gerne gebucht und mit den Kindern und Jugendlichen vorbereitet“.
Für den Spätherbst plant die KKP gemeinsam mit ihrem Netzwerk einen Aktionsmonat zum Thema häusliche Gewalt. Auch Weiterbildungen für die Fachkräfte in der Sozialarbeit im Jugendbereich werden ebenso vorbereitet wie die bekannte High-Five-Woche im März nächsten Jahres. Geprüft wird darüber hinaus, ob sich die KKP Kehl nicht mit ähnlichen Gruppen in Lahr und Offenburg zusammenschließen könnte. Außerdem soll ein rheinübergreifendes Netzwerk der Kriminalprävention aufgebaut werden. „Erste Kontakte sind bereits geknüpft“, konnten Jannate Hammerstein und Cornel Happe berichten.

28.07.2021

 

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