Dem Klimawandel aktiv entgegentreten – Workshop mit zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern

Einen Blick in die Zukunft Kehls warfen am vergangenen Dienstag (12. Oktober) rund 50 Akteurinnen und Akteure aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft. Beim ersten von insgesamt drei Workshops tauschten sie sich zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die Rheinstadt aus und diskutierten Visionen für eine klimarobuste Zukunft. Die Veranstaltung fand im Rahmen des auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekts LoKlim der Uni Freiburg statt.

Um der Klimawandelanpassung als breitem Querschnittsthema gerecht zu werden, nahmen Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft und Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Stadt- und Raumplanung sowie Natur- und Umweltschutz am Austausch teil. zoom

Von einem „fulminanten Auftakt zum Thema Klimawandelanpassung in der Stadt Kehl“ sprach der Erste Beigeordnete Thomas Wuttke. Der Workshop im Zedernsaal der Stadthalle fand im Rahmen des Forschungsprojektes LoKlim der Universität Freiburg statt, bei dem Kehl eine von sechs Pilotkommunen ist. „Was wir hier tun kann Vorbild sein für andere Kommunen in Baden-Württemberg, Deutschland und ganz Europa“, sagte Thomas Wuttke.
Um der Klimawandelanpassung als breitem Querschnittsthema gerecht zu werden, nahmen Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft und Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Stadt- und Raumplanung sowie Natur- und Umweltschutz am Austausch teil. Aus der Bürgerschaft wurden zufällig ausgewählte Personen verschiedenen Alters und Geschlechts zum Workshop eingeladen von denen sich mehr als 20 Personen beteiligten.

Erster von insgesamt drei Workshops in Kehl

Im Fokus des ersten Workshops stand die Einführung zum Thema Klimawandel und die Entwicklung einer positiven Zukunftsvorstellung für das Jahr 2050 in Kehl. Projektleiterin Stefanie Lorenz ging bei ihren einleitenden Worten auf die Lage der Stadt Kehl ein, die aktuell bereits von Hitze, Starkregen und Hochwasser betroffen ist. Seit 1881 seien die Temperaturen in Baden-Württemberg um durchschnittlich 1,5 Grad Celsius gestiegen. In Kehl mit der Lage in der ohnehin warmen Oberrheinregion lägen diese Werte nochmals höher. Die Ergebnisse der Klimaanalyse der Universität Freiburg gehen von einer starken Zunahme der heißen Tage mit über 30 Grad Celsius und der Tropennächte in der nahen und fernen Zukunft bis Ende des Jahrhunderts aus. „Die Hitze ist besonders für Kleinkinder, Menschen über 65 Jahre und chronisch kranke Personen belastend“, erläuterte Stefanie Lorenz die dahinterliegende Problematik.

Stadtklimaanalyse als Grundlage, um aktiv zu werden

Wie verzwickt die Lage für die Verwaltung ist, beschrieb die Leiterin des Bereichs Stadtplanung/Umwelt, Kora Herrmann: „Wir wollen auf Bebauung in den Außenbereichen verzichten und die bestehenden besiedelten Flächen verdichten, um weitere Flächenversiegelung zu vermeiden. Gleichzeitig brauchen wir in der Stadt aber auch Grünflächen, damit es dort nicht zu Hitzestauungen kommt, und geraten daher mit dem verfügen Platz an unsere Grenzen.“ Um sich diesen Herausforderungen zu stellen, hat die Stadt deshalb vor zwei Jahren eine Stadtklimaanalyse  erstellen lassen. Diese dient als Planungsgrundlage für Anpassungsmaßnahmen im Bereich Hitze. Der Leiter der Technischen Dienste, Bodo Kopp, wies auf die Überlastung der Kanalisation bei Starkregenereignissen hin. Problematisch seien für die Trinkwasserversorgung außerdem die im Sommer zunehmend hohen Wasserverbräuche für Gartenbewässerung und die Befüllung von Pools. Von Seiten des Grünflächenmanagements ergänzte Bereichsleiter Peter Grün, „dass der Klimawandel bereits seit mehreren Jahren Thema ist“ und wies auf die veränderten Anforderungen an Neupflanzungen und die bereits laufende naturnahe Gestaltung von öffentlichen Grünflächen hin.

Impulse zum verantwortungsvollen Umgang mit Wasser

Positive Beispiele im Umgang mit Wasser stellte im zweiten Teil der wissenschaftliche Mitarbeiter des LoKlim-Projektes, Dennis Fila, vor. Die Renaturierung von Bachläufen war hier ebenso Thema wie die Aufwertung von Parkflächen sowie die Dach-, Fassaden- und Straßenbegrünung. Zudem erläuterte er das Konzept der Schwammstadt: Dabei werden Städte so gebaut, dass anfallendes Regenwasser in der Fläche aufgenommen wird, anstatt es über die Kanalisation abzuleiten. Dadurch sollen Überflutungen bei Starkregenereignissen vermieden, das Stadtklima verbessert und die Gesundheit von Stadtbäumen gefördert werden. Mit diesen Impulsen wurde im Anschluss in Kleingruppen über Ideen und Visionen für die Stadt Kehl in 30 Jahren diskutiert.

Schwammstadt Kehl?

In dem Vorgang ging Projektleiterin Stefanie Lorenz auf die Lage der Stadt Kehl ein, die aktuell bereits von Hitze, Starkregen und Hochwasser betroffen ist.zoom

Eine Gruppe diskutierte hierbei das Thema einer zukunftsfähigen Stadt Kehl vor dem Hintergrund des Klimawandels. Die Teilnehmenden brachten visionäre Bilder wie „Die Natur zieht zurück in die Stadt“ in den Austausch ein. Begrünung in allen Facetten war ebenso Thema, wie die ökologische Gestaltung von Gewerbegebieten, die Reduzierung der Wohnfläche für den Einzelnen und die Umnutzung des Straßenraumes weg von Parkflächen hin zu mehr Grün, Bäumen und belebten Plätzen. Die zweite Gruppe bearbeitete das Thema „Wirtschaft und Verkehr klimaanagepasst gestalten“. Hier wurde über die Steigerung der Aufenthaltsqualität in den von Hitze besonders betroffenen Gewerbegebieten mit Hilfe von Begrünung und installierten Trinkwasserbrunnen gesprochen. Für den Hafen wurde der Wunsch formuliert, die Wasserstraßen zukünftig besser und kontinuierlich nutzen zu können. Die Teilnehmenden sprachen sich auch hier für weniger Parkraum und mehr Entsiegelung im Straßenraum aus. Die dritte Gruppe diskutierte, wie soziale Einrichtungen fit gemacht werden könnten für eine klimagerechte Zukunft. Für die Teilnehmenden war klar, dass das Thema Klimaanpassung in Kindergärten und Schulen zur Sprache kommen sollte, um Kinder frühzeitig zu sensibilisieren. Gemeinschaftsgärten anzulegen und Schulhöfe zu entsiegeln, waren weitere Ideen. Schließlich beschäftigte sich die vierte Gruppe mit der Frage, wie eine klimarobuste Landwirtschaft und Gewässerstruktur aussehen kann. Das Konzept der Schwammstadt wurde hier von Petra Hauser, Leiterin des städtischen Bereichs Abwasserentsorgung, um das „Schwammland“, also die Rückhaltung von Regenwasser nicht nur in der Stadt sondern auch auf den Flächen im Umland, ergänzt und eine neue „Wasserkultur in der Innenstadt“ angeregt. Den Wasserverbrauch für die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen zu reduzieren, empfanden die Teilnehmenden als notwendig, zudem sollte verstärkt auf regionale Kooperationen gesetzt werden.

Über das Projekt

Das auf drei Jahre angelegte Projekt „Lokale Kompetenzentwicklung zur Klimawandelanpassung in kleinen und mittleren Kommunen und Landkreisen“ (LoKlim) ist am Institut für Umweltsozialwissenschaften und Geographie der Universität Freiburg angesiedelt und wurde bei einem Planungsworkshop gemeinsam mit Akteurinnen und Akteuren aus der Praxis entwickelt. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit fördert es im Rahmen der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) mit insgesamt knapp 300 000 Euro. Die Stadt Kehl beteiligt sich mit einem Gesamtbetrag von 21 000 Euro am Projekt. Der zweite Workshop im Rahmen des Projektes ist für den 17. Januar 2022 geplant und wird auf die Ergebnisse aus dem ersten Austausch aufbauend Strategien und Maßnahmen für die Entwicklung einer klimarobusten Zukunft in der Stadt Kehl erarbeiten.

Kontakt

Bei Interesse finden sich weitere Informationen zur lokalen Klimaanpassung auf der Website des Projekts. Zudem steht die Leiterin des Bereichs Stadtplanung/Umwelt bei der Stadt Kehl, Kora Herrmann, telefonisch unter 07851 88-4300 oder per E-Mail an k.herrmann@stadt-kehl.de zur Verfügung. Die Projektleiterin Stefanie Lorenz ist telefonisch unter 0761 203-54300 oder per E-Mail an stefanie.lorenz@geographie.uni-freiburg.de zu erreichen.

19.10.2021

 

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