Grenzportraits: Was macht den rheinübergreifenden Lebensraum aus? Einwohnerinnen und Einwohner erzählen ihre Geschichte

Vier Millionen Fahrgäste fahren in der Vor-Corona-Zeit mit der Tram in einem Jahr über den Rhein. Kinder und Jugendliche aus Kehl besuchen Schulen in Straßburg und umgekehrt. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überqueren täglich den Fluss, man kauft auf der anderen Rheinseite ein oder besucht dort Kulturveranstaltungen. Familiäre und freundschaftliche Bindungen sowie Liebesbeziehungen bestehen über den Rhein hinweg. Aber was macht für die Menschen diesen rheinübergreifenden Lebensraum aus? Warum leben sie gerne hier oder sind bewusst hierhergezogen? Diesen Fragen geht eine Gruppe von 15 Studierenden der Hochschule Kehl nach und präsentiert erste Ergebnisse in Form von Grenzportraits, die an dieser Stelle in loser Folge veröffentlicht werden. Heute: Isabel Bidzinski genießt in Kehl die Natur, die Ruhe und die Möglichkeit, jederzeit nach Straßburg gehen zu können.

"Wir haben viel schöne Natur in der Umgebung"

Zwar ist Isabel Bidzinski nicht häufig in Straßburg, dass sie dazu aber jederzeit Gelegenheit hat, findet sie sehr positiv. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Isabel Bidzinski sitzt entspannt auf einer Parkbank am Altrhein. In der Nähe spielen ihre beiden Hunde. Währenddessen genießt die 32-Jährige die Ruhe und die Natur. „Kehl hat viel zu bieten, mehr als andere Städte, gerade was die Natur angeht“, sagt sie. Mit drei Jahren ist Isabel Bidzinski nach Kehl gezogen und fühlt sich in der Rheinstadt rundum wohl. Einen einzelnen Lieblingsplatz hat die Kehlerin nicht, dafür aber eine ganze Liste: der Rheinwald, die Rheinpromenade, der Altrhein oder der Sundheimer Flugplatz. „Ich finde, wir haben einfach ganz viel schöne Natur hier in der Umgebung, wo man Ruhe für sich finden kann“, erklärt sie und lächelt. Sie wünscht sich, dass mehr Menschen diese Schönheit entdecken und dadurch das Ansehen von Kehl steigt.

Die Grenzlage Kehls bewertet Isabel Bidzinski als positiv. Auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei der gegenseitige Austausch wichtig, betont sie. „Es gibt viele französische Grenzgänger, die zum Arbeiten oder in der Freizeit herüberkommen.“ Zwar verschlage es sie selbst nicht so häufig ins benachbarte Straßburg, sie schätze jedoch die Möglichkeit, den Rhein jederzeit mit der Tram oder über die Passerelle des deux Rives überqueren zu können. Bei grenzüberschreitenden Aktivitäten kommen der 32-Jährigen gemeinsame Veranstaltungen in den Sinn, die immer wieder stattfinden. „Vielleicht wäre ein Stand für Flammenkuchen auf dem Marktplatz eine gute Ergänzung“, schlägt sie vor und lacht.

"Wir dürfen hier jeden Tag ein kleines Europa erleben"

Didier Raffin schätzt die Vielfalt und die Internationalität der Grenzregion und wünscht sich, dass es nie mehr zu Grenzschließungen zwischen Kehl und Straßburg kommt. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Vor zehn Jahren ist der Franzose Didier Raffin ins Kehler Inselviertel gezogen und lebt dort mit seiner Familie. „Die großartige Lebensqualität, die sich vor allem aus dem vielfältigen kulturellen Angebot ergibt”, nennt er als Hauptgrund für seinen Zuzug. Mit der Rheinstadt verbindet er nach wie vor schöne Kindheitserinnerungen aus der Zeit, als seine Großeltern noch in Kehl wohnten. 

Der Professor für Psychologie pendelt aus beruflichen Gründen regelmäßig zur Universität in Straßburg. Dabei stelle er immer wieder fest, dass "Kehl wie ein Vorort von Straßburg" sei. Für ihn spiegeln sich die Einflüsse aus Frankreich hauptsächlich in den Restaurants wider. Didier Raffin schätzt die Vielfältigkeit und Internationalität, die sich aus der Nachbarschaft zwischen Kehl und Straßburg ergeben. „Wir dürfen hier jeden Tag ein kleines Europa erleben. Das ist etwas Besonderes und dafür sollte man sehr dankbar sein.” Wenngleich ihn die Grenzschließung 2020 nicht stark betroffen hat, hat Didier Raffin durchaus wahrgenommen, dass dies für viele Menschen eine große Einschränkung und Belastung war. Daher wünscht er sich, dass es nie mehr zu einer Schließung der Grenze zwischen Kehl und Straßburg kommen muss.

„Badisch und elsässisch - das sind unsere Sprachen hier“

Gabriele Luschy-Bittner wünscht sich für die Zukunft, dass die Grenze zwischen Kehl und Straßburg geöffnet bleibt. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Für Gabriele Luschy-Bittner lässt sich die Grenzstadt Kehl nicht mit anderen innerdeutschen Kleinstädten vergleichen. „Die Menschen hier sind viel weltoffener. Dass man hier das Europäische leben kann, gefällt mir besonders“, erklärt sie. Als Beispiel nennt sie ihren Sohn Frederic, der nach dem Abi-Bac in Straßburg nun ein zweisprachiges Studium beginnt. „Das ist einfach unglaublich bereichernd für ihn.“
Die gebürtige Kehlerin genießt die Nähe zu Frankreich und die kulturelle Vielfalt, die damit einhergeht. In Straßburg begeistern sie vor allem das Münsterviertel als Kulturgut und das Flair, das sie dort verspürt. Kehl ist für sie ihre Heimat, in der sie lebt, arbeitet und viele schöne Flecken wie den Rosengarten oder die Rheinpromenade kennt. „Mal hier zu sein, dann wieder in Frankreich, das macht es einfach schön und aufregend.“
Dass sie 2009 den NATO-Gipfel miterleben konnte, fand Gabriele Luschy-Bittner sehr spannend. „Da wir direkt hier am Rhein wohnen, haben wir viel davon mitbekommen.“ Sie berichtet von den Patrouillen und der überraschenden räumlichen Nähe zu den Staatsoberhäuptern. „So etwas ereignet sich in einer normalen Kleinstadt eigentlich nie, aber hier in Kehl kann das schon mal vorkommen.“
Eine weitere Besonderheit in der Rheinstadt und ihrem Umland: lange Samstage. „Ich war früher im Einzelhandel tätig und in dieser Zeit waren die Läden jeden Samstag bis 17 Uhr geöffnet. Das war in anderen Städten nur einmal im Monat möglich“, berichtet die Kehlerin und ergänzt: „Mittlerweile ist der Handel leider auf dem Rückzug.“ Getrübt wird das Einkaufserlebnis ihrer Ansicht nach durch zahlreiche Cafés und Bars, in denen Kunden Wasserpfeifen rauchen können. Ihrer Liebe zur Grenzregion am Rhein tut dies aber keinen Abbruch.
Die Sprache stellt für Gabriele Luschy-Bittner einen der wichtigsten Aspekte für das grenzüberschreitende Zusammenleben dar. „Hier wird oft von der sprachlichen Hürde gesprochen“, berichtet sie. Die Kehlerin wirbt dafür, dass auf beiden Rheinseiten die jeweilige Nachbarsprache intensiver gelehrt und gelernt wird. „Außerdem sollte das Badische und Elsässische wieder mehr in den Fokus rücken. Das sind unsere Sprachen hier.“ Im Hinblick auf jüngere Generationen wünscht sie sich, dass der alemannische Sprachraum und seine Kultur nicht verloren gehen. „Es darf nicht heißen, dass der Dialekt eine Bauernsprache ist. Man sollte stolz sein auf seine Herkunft als Badener oder Elsässer und sich in dieser Sprache auch verständigen können.“
Nachdem im Jahr 2020 die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich im Zuge der Corona-Pandemie geschlossen wurde, haben offene Grenzen für die Kehlerin zusätzlich an Bedeutung gewonnen. Corona habe sie gelehrt, dass sich die Menschen wieder an die Basis des gemeinsamen Seins, also des einfachen Menschseins, erinnern müssen. Diesen Gedanken möchte sie gerne teilen: „Wir sind alle abhängig von unserer gegebenen Grundkonstitution und alle anfällig gegen einen Virus oder sonstige Einflüsse. Das sollte aber kein Grund mehr dafür sein, um die Grenzen zwischen unseren beiden Staaten zu schließen.“

„Die Verbindungen zum Nachbarland haben mein Leben geprägt“

Mit der Grenzregion verbindet der Offenburger Architekt Stefan Ringwald viele schöne Erinnerungen. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Wenn Stefan Ringwald mit seinem Fahrrad über die Rheinbrücken fährt, die Kehl und Straßburg verbinden, erfreut er sich nicht nur an der architektonischen Leistung: Für den Offenburger Architekten sind diese Brücken bauliche Symbole des immer engeren Zusammenwachsens der Länder beiderseits des Rheins.
„Damit einer den anderen besser versteht“, wünscht sich Stefan Ringwald nicht nur, dass gemeinsame Projekte realisiert, sondern auch die Unterschiede zwischen beiden Ländern bewusst und verständlich gemacht werden. Seinem Nachbarland fühlt sich Stefan Ringwald sehr verbunden. Er ist glücklich, jederzeit nach Straßburg, ins Elsass oder in die Vogesen fahren zu können, um die französische Kultur, Architektur, Landschaft und den französischen Lebensstil zu genießen. „Nach ein oder zwei Tagen kehre ich mit dem Gefühl zurück, im Urlaub gewesen zu sein“, schwärmt er.
Unter anderem erinnert er sich an eine ungewöhnliche Begegnung auf der elsässischen Weinstraße: Der Offenburger, damals etwa 18 Jahre alt, war mit einer katholischen Jugendgruppe unterwegs, als die Gruppe ein etwas ratlos wirkendes Mädchen am Straßenrand sah, das mit einer Landkarte in der Hand neben seinem Fahrrad stand. Weil Stefan Ringwald als einer der wenigen in der Gruppe französisch sprechen konnte, wurde er von seinem Gruppenleiter gebeten, das Mädchen anzusprechen und zu fragen, ob es Hilfe benötige. Tatsächlich konnte die Gruppe der 18-jährigen Französin aus Lyon helfen, die damals ebenfalls zum ersten Mal ohne Eltern auf Reisen war. Es begann eine Freundschaft, die bis heute besteht.
Stefan Ringwalds Nähe zu Frankreich hat auch eine persönliche Ebene, Teile seiner Familie stammt aus dem Raum Straßburg. Er erinnert sich, im Grundschulalter oft das Straßburger Hallenbad besucht zu haben. Er begegnete auch französischen Soldaten, als das Militär in Straßburg stationiert war. Seit einigen Jahren nimmt er zudem regelmäßig an den deutsch-französischen Architekturtagen teil, in deren Rahmen er selbst mehrere Veranstaltungen organisiert.
Als sein 60. Geburtstag bevorstand, war der Offenburger Architekt unsicher, ob und wie er eine Feier ausrichten sollte. Durch Zufall sah er in Freudenstadt auf dem Marktplatz eine große Skulptur. Sie stellte die Zahl 60 dar, wobei eine Ziffer in den deutschen und französischen Nationalfarben gehalten war. Die Stadt Freudenstadt hatte sie anlässlich einer 60-jährigen Städtepartnerschaft aufgestellt. „Die Verbindungen zum Nachbarland haben auch mein Leben geprägt“, sagt er. Kurzerhand entschied er, seine Geburtstagsfeier unter das Motto „deutsch-französische Freundschaft“ zu stellen. Stefan Ringwald ist sicher: Auch künftig wird er sich noch auf viele schöne Erlebnisse im grenzüberschreitenden Raum freuen dürfen.

„Kehl ist eine Art Vorort von Straßburg“

Béatrice von Kobylinski hofft, dass die Menschen aus Kehl und Straßburg nach der Pandemie wieder zusammenfinden und zusammen feiern können. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Geboren und aufgewachsen ist Béatrice von Kobylinski in Straßburg. Ihr ganzes Leben hat sie allerdings nicht in der Grenzregion verbracht. Sie studierte Germanistik und lernte in Kiel im Zuge eines Programmes des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAD) ihren jetzigen Ehemann Heinrich kennen. Das Ehepaar heiratete standesamtlich in Kehl und kirchlich in Straßburg. Zunächst lebten sie unter anderem in Bayern, Berlin und Hamburg, ehe es Béatrice von Kobylinski wieder in die Grenzgebiet Straßburg-Kehl verschlug.
Béatrice von Kobylinski ist eine wahrhafte Grenzgängerin. Sie wohnt in Kehl und arbeitet in Frankreich: „Ich fahre täglich über die Grenze und unterrichte in Straßburg auf dem einzigen evangelischen Gymnasium“. Früher fuhr sie vom Kehler Bahnhof aus mit der S-Bahn nach Straßburg, wofür sie zwei Monatskarten kaufen musste. „Eine bessere gemeinsame Lösung war damals vor 20 Jahren für die ansässigen Verkehrsbetriebe nicht möglich gewesen“, sagt die Lehrerin. Kurz darauf gab es dann bereits den Europapass und heute macht die Tramverbindung über den Rhein ist die Situation deutlich praktikabler. „In Straßburg angekommen, bin ich bereits damals auf das Fahrrad gestiegen, mit dem ich auch heute noch zur Arbeit fahre“, erzählt sie weiter.
Die Verlängerung der Tramstrecke bis vor das Kehler Rathaus war für die gebürtige Französin ein besonderes Ereignis: „Als sie endlich auch über die Grenze bis nach Kehl fuhr und Franzosen wie Deutsche nach Kehl kamen, das fand ich sehr beeindruckend.“ Auch die grenzüberschreitende Landesgartenschau und das kirchliche Projekt „zwei Ufer eine Quelle“ begeisterten sie sehr. Dass sie in einer Großstadt arbeiten und gleichzeitig im grünen und ruhigen Kehl wohnen kann, beschreibt die Lehrerin als bereichernd. Für sie ist Kehl „eine Art Vorort von Straßburg“ und sie schätzt die ländliche Umgebung sehr. Und dann sind da noch Verwandte und Freunde, denen sie nun endlich wieder näher ist. In ihrer Freizeit überquert sie häufig die Grenze, um ihre Familie oder ihren alten Freundeskreis zu treffen - oder um spezielle Dinge einzukaufen, die es in Deutschland nicht gibt. Da sie in Frankreich arbeitet, ist sie dort auch krankenversichert und sucht eher französische Arztpraxen auf. Das neue Krankenhaus in Grenznähe ist für sie eine große Hilfe und gut erreichbar.
Während der Corona-Pandemie konnte Béatrice von Kobylinski allerdings zeitweise nur direkt zur Arbeit und zurück fahren. Es war für sie „ein komisches Gefühl und ein hartes Erlebnis“, nicht zu ihrer Familie in Frankreich zu können. „Es kam mir ein wenig vor wie an der Grenze zwischen der BRD und der DDR“, versucht sie ihre Eindrücke in Worte zu fassen. Viele Menschen, die Verwandte auf der anderen Rheinseite hatten, litten sehr unter den Grenzschließungen, hat sie miterlebt. „Man hat sich einfach abgeschnitten gefühlt und bei einigen führte das zu Unstimmigkeiten in der Beziehung“, berichtet sie. Daher wünscht sie sich, dass die Beziehungen nach der Corona-Pandemie auf kirchlicher und kommunaler Ebene wieder intensiviert werden, „damit die Menschen wieder zusammenkommen, wieder zusammen feiern und etwas gemeinsam erleben können“.

„Jeder hat sein Reich in der Nähe“

Andreas Hildebrandt wünscht sich, dass die Beziehungen zwischen Kehl und Straßburg wieder intensiver werden. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

„Ich habe es mir nicht ausgesucht, hier zu leben. Es ist einfach so“, berichtet Andreas Hildebrandt nüchtern. Dennoch habe er vier gute Gründe, im Grenzraum zu leben: seine französische Frau und seine drei Kinder. Gemeinsam wohnt die Familie in Straßburg, wo seine Frau auch arbeitet. Er selbst pendelt täglich zur Arbeit nach Kehl. „Jeder hat hier sein Reich in der Nähe. Keiner von beiden fühlt sich dépaysé, wie der Franzose sagen würde, also entfremdet“, erklärt er.
Die Corona-Pandemie, die Kontrollen und Testungen seien ihm durchaus lästig gewesen, berichtet er. Dennoch habe sein Leben im Prinzip "normal" weiterführen können. Nachdem die Grenze wieder offen ist, wünscht sich Andreas Hildebrandt, dass auch die Kontakte zwischen Kehl und Straßburg wieder intensiver werden. Für seine inzwischen erwachsenen Kinder, die in Frankreich eine internationale Schule besucht hatten, hätte er sich einen engeren Austausch mit Schulen in Kehl gewünscht.
„Es ist wichtig, dass die Leute miteinander sprechen können. Viele Kehler sprechen kein Französisch. Da könnte man vielleicht mal etwas anstoßen“, schlägt er vor. Dadurch könnten die Beziehungen der Nachbarländer zusätzlich gestärkt werden - und möglicherweise auch neue Freundschaften entstehen.

“Die Offenheit der Menschen macht das Leben hier aus”

Eigentlich ist Gülay Bayraktar Sprachwissenschaftlerin, arbeitet in der Grenzregion jedoch als Fotografin. Das deutsch-französische Miteinander erlebt sie als sehr angenehm.  Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

“Eigentlich bin ich Sprachwissenschaftlerin”, erzählt Gülay Bayraktar. Ihr Interesse an Sprache und die Nähe zu Frankreich war der hauptsächliche Beweggrund für die 43-Jährige, vor gut einem Jahr nach Kehl zu ziehen. “Die Mehrsprachigkeit ist hier tatsächlich hörbar; das gefällt mir besonders gut.”
Heute arbeitet Gülay Bayraktar unter anderem als Fotografin. Einige ihrer Fotoprojekte nehmen Bezug auf Frankreich; aus beruflichen Gründen hat sie daher viele Kontakte ins Nachbarland. Auch Freunde und Familie besuche sie häufig in Straßburg. In Kehl gefällt ihr besonders der Garten der zwei Ufer (Jardin des deux Rives): “Für mich ist das wie Wellness direkt vor der Haustür,” sagt Gülay Bayraktar und lächelt. Das soziale Klima in der Grenzregion nimmt die Fotografin als sehr angenehm wahr. “Nach der ganzen Zeit der Isolation und dem Getrenntsein bin ich wirklich sehr froh, dass die Grenze wieder offen ist und sich im deutsch-französischen Zusammenleben mehr Normalität eingestellt hat.” Denn ein ganz essenzieller Punkt für Gülay Bayraktar ist die Mentalität der Leute, die hier leben: “Die Offenheit der Menschen macht das Leben hier aus.”

„Die Menschen hier sind offen für andere Ideen und Kulturen“

Joseph Moran ist vor neun Jahren nach Straßburg ausgewandert und genießt die Offenheit gegenüber Kulturen und Sprachen, die er in der Grenzregion vorfindet. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

„Es ist ein phantastischer Ort zum Leben.“ So beschreibt Joseph Moran sein Zuhause in der deutsch-französischen Grenzregion. Vor neun Jahren ist der gebürtige Kanadier mit seiner Frau über den Atlantik geflogen, um als Professor für organische Chemie an der Universität in Straßburg zu arbeiten. In der französischen Grenzstadt fühlt sich die mittlerweile vierköpfige Familie rundum wohl. 
„Nach Frankreich zu ziehen, war eine große Sache. Deutschland so nah zu haben, ist sehr praktisch für uns“, beschreibt er die Grenznähe. Beruflich reist er oft zu Hochschulen in ganz Deutschland, die Zahl der deutschen Kooperationen übertrifft gar die französischen. Im Jahr 2020 erhielt er den „Forcheurs-Jean-Marie-Lehn-Preis“ für die herausragende deutsch-französische Kooperationsleistung in der Kategorie Chemie. Die Bezeichnung „Forcheur“ ist eine Zusammensetzung aus dem deutschen Wort Forscher und dem französischen Gegenbegriff chercheur. Die Preisvergabe fand in der französischen Botschaft in Berlin statt. „Die Reisemöglichkeiten sind hier sehr gut. Mit einer Zugverbindung komme ich bis nach München. Nur nach Berlin klappt es nicht, ohne umzusteigen“, berichtet er.
Auch in seiner Freizeit weiß Joseph Moran die Grenzregion zu schätzen, bietet sie ihm und seiner Familie doch auf beiden Seiten des Rheins viele Ausflugsmöglichkeiten. „Wir fahren sehr oft nach Kehl und gehen entlang des Rheinufers spazieren oder besuchen ab und zu eine italienische Eisdiele“, sagt er schmunzelnd. Auf der französischen Seite unternimmt er gerne Radtouren entlang des Canal de la Bruche. Und als seine Eltern im Herbst zu Besuch waren, fuhren sie gemeinsam in den Schwarzwald. Dass eine Grenze die beiden Länder voneinander trennt, bemerkt Joseph Moran nach eigenen Angaben hingegen kaum. „Es ist genauso bequem in Deutschland zu reisen, wie in Frankreich.“ Lediglich die Sprache ist für ihn manchmal ein Hindernis: „Leider spreche ich kein Deutsch, aber ich habe vor, es zu lernen.“
Trotz der Sprachbarriere kommt Joseph Moran im Alltag sehr gut zurecht. Er hat den Eindruck, dass dies generell auf die Menschen im gemeinsamen rheinüberschreitenden Lebensraum zutrifft. Straßburg ist für ihn im Vergleich zu anderen Städten in Frankreich einzigartig: „Die Menschen hier sind offen für andere Ideen und Kulturen.“ Die verschiedenen Ansichten und Lebensarten beider Länder vermischen sich seiner Meinung nach hier. Dies erleichtere beispielsweise die Integration für Deutsche in Straßburg. Joseph Moran vermutet, dass die Grenznähe und der Sitz des Europäischen Parlaments zu dieser Atmosphäre beitragen. „Hier gibt es eine große Offenheit gegenüber Kulturen und Sprachen, ähnlich wie in Kanada, und das mag ich.“
Dass die Tram Straßburg und Kehl verbindet, hält Joseph Moran für eine ideale Grundlage für das Zusammenleben. Da Straßburg die größere Stadt ist, erscheint es ihm ganz natürlich, dass viele französische Aspekte nach Kehl getragen würden. „Aber es wäre nett, wenn noch etwas mehr Kehl nach Straßburg kommt“, meint er. Sobald es die Pandemie wieder zulässt, hofft er auf mehr Veranstaltungen im Jardin de deux Rives. Für seine Familie hatte die Corona-Pandemie auch einen Vorteil: „Die vielen Reisen habe ich nicht vermisst. Es war schön, länger Zuhause bei meiner Frau und meinen kleinen Kindern zu sein.“

„Straßburg ist wie Urlaub“

Rita Heidt ist stolz, an der deutsch-französischen Grenze zu leben. Häufig ist sie zu Besuch in der Nachbarstadt Straßburg, um Freunde zu treffen, ins Kino zu gehen oder durch die Altstadt zu flanieren. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Rita Heidt kann sich nicht vorstellen, woanders zu wohnen als in Auenheim. Für sie ist die Grenznähe zu Frankreich etwas ganz Besonderes: „Ich fahre gerne nach Straßburg, weil ich dort Freunde habe oder Essen, ins Kino, auf Märkte, Seminare oder in die Altstadt gehe.“ Für einen Besuch in der Eurométropole steigt sie überwiegend in die Tram ein. Das ist einfach und bequem. Ab und zu nimmt sie allerdings auch das Fahrrad, besonders während der Corona-Pandemie. „Nach Straßburg zu fahren und in einem Straßencafé zu sitzen, ist für mich immer wie Urlaub.“
Rita Heidt liebt die deutsch-französische Freundschaft. Sie ist stolz darauf, sagen zu können, dass sie an der Grenze zu Frankreich lebt. Von Kehl aus komme man schnell mit dem TGV nach Paris oder Marseille. „Dass ich die französische Sprache beherrsche, ist ein Vorteil, weswegen ich auch keine Berührungsängste habe.“ Sie wünscht sich, dass die Kinder in den Grundschulen wieder mehr Französisch lernen und vermehrt Austausche mit Partnerstädten wie Montmorency oder anderen Orten im Elsass stattfinden. In ihrer Freizeit begleitet die Auenheimerin ihren Mann gerne zum Mandolinenverein, in dem dieser schon lange Mitglied ist. Der Verein hat ebenfalls Verbindungen in das benachbarte Elsass. „Der Dirigent ist aus Straßburg,“ erklärt sie. Ihr großer Wunsch ist es, dass alle coronabedingten Einschränkungen wieder aufgehoben werden und die Menschen, egal aus welchem Land, gemeinsam Zeit verbringen können.

„Straßburg ist wie ein Tag Ferien“

Wie ein Tag Urlaub: Erwin Heidt aus Auenheim genießt die Ausflüge mit der Tram nach Straßburg. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Erwin Heidt lebt in Auenheim. Hier ist er geboren, hier ist sein zu Hause. Was die Ortschaft für ihn ausmacht, ist ihre Zugehörigkeit zu Kehl und ihre direkte Nähe zu Straßburg. „In Kehl wird Europa spürbar, es wurde vom Niemandsland zum Zentrum“, sagt er und verweist darauf, dass sich Kehl dank seiner Nähe zu Straßburg zum Vorort einer Metropole entwickelt habe. Durch die offene Grenze gäbe es keine Zäune und keine Grenzposten mehr. Beide Länder, Deutschland wie Frankreich, können voneinander profitieren. „Obwohl man sich frei bewegen kann, weiß man doch, dass man in Frankreich ist, sobald man über den Rhein geht.“ Der Familienvater überquert die Grenze gerne. Für ihn, ebenso wie für seine Ehefrau Rita Heidt, kommt es einem Urlaub gleich über die Grenze zu fahren, sich in ein Café zu setzen und den Menschen in Straßburg bei ihrem täglichen Treiben zuzusehen. Hier kann er sich erholen. „Es gibt Stellen in der Altstadt, die kitschig-schön sind. Man sieht von außen die historische Fassade und wenn man durch die Fenster guckt, ist alles hochmodern. Es fühlt sich an wie in einer anderen Zeit.“ Für Erwin Heidt gibt es viele Gründe, Straßburg zu besuchen. Der wichtigste ist die Kultur. Er selbst ist sehr musikalisch und spielt im Musikverein. Darum besucht er gerne Konzerte – zum Beispiel die der Straßburger Philharmoniker. „Dort trifft man unterschiedliche Leute. Studenten, reiche Leute und weniger reiche, alte und junge. Man fühlt sich einfach wohl.“ Bedauernswert findet er nur, dass einige Kehlerinnen und Kehler nichts von diesen Veranstaltungen wissen und damit nicht ahnen, was sie verpassen. „Es hakt leider hinten und vorne an der Sprache. Wir sollten uns gegenseitig verstehen und auch die jeweils andere Sprache ein wenig beherrschen.“ Möglichkeiten, die Sprache der Nachbarn zu erlernen, gibt es aus seiner Sicht einige: Da wären beispielsweise der französische Stammtisch oder die Treffen des Vereins Garten//Jardin an der Passerelle.
Coronabedingt war Erwin Heidt fast ein ganzes Jahr lang nicht mehr in Straßburg. „Es hat mir sehr gefehlt.“ Umso mehr freut er sich, dass vieles wieder möglich ist: „Ich hoffe es wird wieder, wie es mal war.“ Allen Kehlerinnen und Kehlern kann er nur raten: „Kauft euch ein Tramticket und ihr könnt‘ gemütlich durch Straßburg fahren. Es ist wie ein Tag Ferien.“

„So dicht an der Grenze kann man das Beste aus beiden Ländern für sich herausholen“

Seit inzwischen zehn Jahren lebt die Sprachlehrerin Bianca Elliott in Straßburg. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

„Es war ein Kulturschock“ – so beschreibt Bianca Elliott ihre ersten Monate in Frankreich. Sie wurde in Deutschland geboren, hatte viele Jahre in England und anschließend wieder in Deutschland gelebt, bis sie im elsässischen Obernai ihr neues Zuhause fand. „Der Reiz, in einem anderen Land zu leben, war groß. Aber nicht zu weit von Deutschland entfernt“, berichtet sie. Durch die Grenznähe habe sie das Gefühl weg, aber nicht zu weit entfernt von ihrer alten Heimat zu sein.
Seit zehn Jahren lebt die Sprachlehrerin nun auf der französischen Seite des Rheins. Bereits kurz nach ihrem Umzug stellte sie fest, dass Frankreich nicht dem romantischen Idealbild entsprach, das sie sich ausgemalt hatte. „Wieder wegzuziehen war für mich aber keine Option“, sagt sie bestimmt. Denn in ihrem direkten Umfeld hatte sie bereits alles, was sie zum Wohlfühlen brauchte: die wunderschöne Landschaft am Fuß der Vogesen, die Nähe zu Deutschland und ihre Arbeit als Englisch-Dozentin an der École de Management, der Hochschule für Wirtschaft in Straßburg.
Dank ihres Berufs entdeckte Bianca Elliott ihren Lieblingsort auf der deutschen Seite des Rheins: den Gifizsee in Offenburg. Jeden Sommer unterrichtet sie „Technical English“ an der Hochschule Offenburg und das bereits seit vielen Jahren. Als sie von einer Studentin eingeladen wurde, zur Strandbar am See zukommen, war sie sofort begeistert. „Man hat das Gefühl, man ist im Urlaub.“ Einen Ausflugstipp in Frankreich hat sie auch parat: der Mont Saint Odile bei Obernai. „Das Kloster auf dem Berg ist ein schönes Ziel. Man kann über die einzelnen Dörfer bis nach Straßburg sehen“, berichtet sie. Sie selbst sei gerne in der Natur, um Sport zu treiben oder die Ruhe zu genießen.
Im Lockdown – als sich die Franzosen lediglich in einem Radius von einem Kilometer von ihrem Zuhause entfernen durften – macht der eigene Garten die Pandemie für Bianca Elliott etwas erträglicher. Diese Zeit beschreibt sie als sehr schwer. Sie konnte ihre Eltern in Deutschland nicht besuchen und niemand wusste, wie lange die Einschränkungen noch anhalten würden. Kurz vor dem zweiten Lockdown fuhr sie mit ihrer Tochter zu ihren Eltern und blieb dort für vier Wochen. Ihren Unterricht gab sie online.
Ganz gleich, ob sie nun in Straßburg, Kehl oder Offenburg unterrichtet, häufig hat Bianca Elliott den Eindruck, dass junge Leute nicht genug mit ihrem jeweiligen Nachbarland zusammengeführt werden. Trotz der Grenznähe seien viele französische Studierenden, die am Deutschunterricht teilnehmen, noch nie in Deutschland gewesen und auch viele ihrer deutschen Schülerinnen und Schüler waren noch nie in Frankreich. „Als wären hundert Kilometer dazwischen“, sagt sie kopfschüttelnd. Dabei biete die Nähe von Kehl und Straßburg den Menschen auf beiden Rheinseiten viele Möglichkeiten, sich zu verbinden. „So dicht an der Grenze kann man das Beste aus beiden Ländern für sich herausholen. Wenn man denn herausgefunden hat, was das Beste für einen selbst ist.“ Um die junge Generation zu erreichen, wünscht sie sich mehr Veranstaltungen in den Parks an beiden Rheinufern. „Damit nicht nur durch Brücken, sondern auch durch Events miteinander verbunden wird.“

„Ich fühle mich hier am wohlsten, weil ich einfach von hier bin“

Reinhold Flegler fühlt sich der Rheinstadt sehr verbunden, "einfach, weil es meine Heimat ist". Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Reinhold Flegler hat mit aktuell 87 Jahren viele Veränderungen in und um Kehl miterlebt. Er ist hier geboren, aufgewachsen und trotz aller schwierigen Umstände, die der Krieg und die Besetzung mit sich gebracht hatten, tief in Kehl verwurzelt. Schon als Achtjähriger fuhr er mit der Straßenbahn nach Straßburg zur Bäckerei seiner Tante, in der auch seine Oma arbeitete. Die Tram ist für ihn daher keine Neuheit. „Das war für mich ein ganz normaler Vorgang, das gehörte zu Kehl und Straßburg.“ Er erinnert sich noch sehr genau, wie er nach der Schule immer an die Rheinbrücke gelaufen und dann mit der Straßenbahn zur Straßburger Stadtmitte gefahren war. Dann denkt er schmunzelnd an den Unfug, den er in der Bäckerei getrieben hatte. „Er hat sich in den Teigkessel gesetzt“, erzählt seine Frau und lacht.
Abends fuhr er gemeinsam mit seiner Oma zurück nach Hause. Sie wohnten in der Marktstraße 18, wo heute die Stadthalle steht. Seine Eltern lebten in Berlin, wohin sein Vater dienstverpflichtet worden war. Anfänglich war Reinhold Flegler mit ihnen umgezogen. „Doch als die Luftangriffe 1942/43 stärker wurden, haben sie mich nach Kehl zur Oma geschickt“, berichtet er. Der nächste Umzug – aufgrund der Evakuierung der Stadt – führte ihn in den Schwarzwald. Später erinnert er sich, als „Flüchtling“ in Bodersweier gewohnt zu haben. Etwa im Jahr 1950 zog er mit seinen Eltern nach Kork, wo sein Vater als Elektromeister ein Elektrogeschäft gründete. Als Kehl 1953 von Frankreich an Deutschland zurückgegeben wurde, konnte die Familie zurück in ihre alte Heimatstadt ziehen.
Im Betrieb seines Vaters hatte Reinhold Flegler das Elektroinstallationshandwerk erlernt und als Geselle gearbeitet. 1963 legte er bei der Handwerkskammer erfolgreich die Meisterprüfung ab. Er erinnert sich an viele Bauprojekte, an denen er im elterlichen Betrieb mitgearbeitet hatte, darunter die Stadthalle, das Kaufhaus Schneider oder das Einstein-Gymnasium. Zwar sei nach dem Krieg vieles neu entstanden, aber für Reinhold Flegler sei Kehl immer seine bekannte Heimat geblieben. „Ich fühle mich hier am wohlsten, weil ich einfach von hier bin.“ 1966 baute er im damaligen Neubaugebiet Wolfsgrube ein Einfamilienhaus, in welchem er heute wieder lebt. Nach dem Tod seines Vaters war Reinhold Flegler nach Bruchsal gezogen, wo er sich eine eigene Handelsvertretung aufbaute. 20 Jahre später kehrte er wieder nach Kehl zurück. „Einfach, weil es meine Heimat ist“, bekräftigt er. „Obwohl ich nicht einmal Schulkameraden gehabt habe.“ Kriegsbedingt hatte er nur die erste und zweite Klasse besucht.
Vor Beginn der Corona-Pandemie fuhr er gemeinsam mit seiner Frau gerne mit der Tram nach Straßburg zum Europarat, nach „La Petit France“ zum Essen und Flanieren oder zum Weihnachtsmarkt. Auch an von den Kehler Gästeführern organisierten Ausflügen nahm das Ehepaar teil. Vor ein paar Jahren standen zudem
Fahrradtouren zur Orangerie oder entlang des Rheinufers auf dem Programm. Die Pandemie hat diesen Ausflügen ein jähes Ende gesetzt. Auch gute Bekannte konnte das Rentnerehepaar lange nicht besuchen.
Für die Zukunft hat Reinhold Flegler vor allem einen Wunsch: „Es darf nie wieder Krieg geben.“ Luftangriffe, Evakuierung und Zerstörung, an all dies könne er sich noch deutlich erinnern. Die coronabedingte Grenzschließung weckte in ihm eine ganz bestimmte Erinnerung: „Meine Oma hat es damals am Tag der Besetzung von Straßburg gerade noch mit der letzten Tram heim geschafft, bevor die Grenze blockiert wurde.“
Der 87-Jährige blickt optimistisch in die Zukunft. Er wünscht sich, dass der Austausch zwischen Deutschland und Frankreich noch intensiver wird. „Das ist aber durch die Tram vorprogrammiert“, gibt er sich zuversichtlich.

"Ich kann Brezel und Croissants zum Frühstück essen!"
George Moran (4), Strasbourg

"Für uns ist es der perfekte Ort zum Leben"
Jane Moran, Strasbourg

Croissant oder Brezel zum Frühstück? Der vierjährige George Moran liebt die kulinarische Vielfältigkeit, die ihm die Grenzregion bietet. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Ein multikulturelles Leben ist für Jane Moran Normalität. Sie kommt aus Kanada, wo sie mit der französischen und englischen Kultur aufgewachsen ist und zweisprachig Sprachen gelebt und gearbeitet hat. Seit neun Jahren lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Straßburg. „Es ist eine ähnliche Atmosphäre hier, was wirklich schön ist“, erklärt sie und freut sich, dass ihre beiden Kinder ebenfalls von klein auf mehrere Sprachen und Kulturen kennenlernen können. Für ihre Familie in Kanada ist die Vorstellung ungewöhnlich, einfach für ein paar Stunden in ein anderes Land zu gehen, ohne eine Grenze passieren zu müssen. „Sie sagen immer, dass es lustig ist, wenn wir erzählen, dass wir heute in Deutschland frühstücken gehen“, erzählt sie und lacht.
Die Zusage der Straßburger Universität war für das Paar rückblickend betrachtet ein Glückstreffer. Joseph Moran, der Ehemann von Jane Moran, hatte sich rund um den Globus um Jobs beworben. „Wir haben bereits Französisch gesprochen, bevor wir hierher kamen, aber wir lernen immer noch jeden Tag etwas dazu“, benennt Jane Moran den Vorteil, in einer frankophonen Region Kanadas aufgewachsen zu sein.

Der Zufall brachte Jane Moran, ihren Ehemann und ihre beiden Kinder nach Straßburg. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Warum sich Jane Moran hier so wohl fühlt, hat viele Gründe: Dass sie kein Auto braucht und überall mit dem Fahrrad hinfahren kann, findet sie äußerst praktisch. Ihr Lieblingsort ist die Kehler Rheinschnecke. Dort können ihre Kinder den Spielplatz nutzen. Radstrecken entlang des Rheins und jede Menge Platz im Grünen findet sie ebenfalls toll. Straßburg hält sie für eine großartige Stadt.
Während der Pandemie mussten die Radtouren zeitweise ausbleiben. Die Laune wollte sich Jane Moran dadurch aber nicht verderben lassen. Weil sie ihre kanadische Familie nicht sehen konnte, nutzte sie die Möglichkeit genutzt, ihre Nachbarn besser kennenzulernen: „Als sogar alle Parks geschlossen waren, gingen wir auf die winzigen Grünflächen unserer Wohnung und alle unsere Nachbarn taten dasselbe, was wirklich schön war“, erinnert sie sich.
Auch der Sommerurlaub, den die Familie normalerweise in Kanada verbringt, musste coronabedingt abgesagt werden. Stattdessen ergriff Jane Moran dies als Gelegenheit, Orte in Europa zu bereisen, die sie mit ihrer Familie andernfalls nicht gesehen hätte. Den ersten Pandemie-Sommer verbrachten sie in Italien, den zweiten auf Korsika. „Wir wollten schon immer dorthin, aber bis jetzt hatten wir keine Zeit. Wir haben das Beste aus der Situation gemacht“, sagt sie zufrieden.
Jane Moran kann sich gut vorstellen, für immer in ihrer Straßburger Heimat zu bleiben. „Für uns ist es der perfekte Ort zum Leben.“

„Ich möchte Französisch und das Interkulturelle nicht vermissen, beides bietet Kehl“

Ulf Behringer ist 2018 eigens nach Kehl gezogen, weil er hier Frankreich erleben und Französisch sprechen kann.zoom
Ulf Behringer möchte seinen über die Jahre erworbenen Sprachschatz und seine interkulturellen Erfahrungen auf keinen Fall missen. Er hat sich beides während beruflicher Auslandsaufenthalte erworben und durch private Reisen gut erhalten können. Er war Mitarbeiter in einem deutschen Pharma-Unternehmen, das von den 1960er- bis Anfang der 1990er-Jahre unter anderem für Chinintabletten gegen Malariaerkrankungen bekannt war. Sechs Jahre lang war Ulf Behringer in Afrika tätig, wo auf Plantagen Chinarindenbäume angebaut wurden, aus deren Rinde Chinin extrahiert wurde. „Französisch hat dort die Menschen zusammengebracht. So konnten sich alle miteinander verständigen, unabhängig davon, welcher afrikanische Dialekt sonst gesprochen wurde“, erzählt er.
Davor hatte er sich während seiner Tätigkeit in Jordanien einige Worte Arabisch angeeignet: „Wirklich sprechen geht nicht, aber um Begegnungen zu erleichtern reicht es“, erklärt er. Deutsch, Französisch und Englisch spricht Ulf Behringer fließend, derzeit probiert er sich an Spanisch. „Dafür muss ich aber unbedingt nach Spanien, was aufgrund der Pandemie im Moment etwas schwierig ist.“
Aufgewachsen ist Ulf Behringer im Allgäu. Wenngleich er mit der Grammatik in der Schule immer gehadert hat, war ihm dennoch früh bewusst, dass vor allem das Sprechen einer Fremdsprache wichtig war. Dies kam ihm nochmals zugute, als er nach den Aufenthalten in Jordanien, Afrika und Deutschland für sechs Jahre im kanadischen Montreal arbeitete, wo die Kommunikation in Französisch und Englisch stattfand.
In Europa schätzt es der heutige Rentner sehr, die Landesgrenzen ohne großen Aufwand passieren zu können, was in vielen Ländern außerhalb Europas so nicht möglich ist. Während er in Baden-Baden gelebt und gearbeitet hat, wurde einer seiner kanadischen Kollegen mit Familie nach Baden-Baden versetzt, wohnte aber in Kehl, um dem Französischen möglichst nahe zu sein. Dadurch wurde Ulf Behringer neugierig, was Kehl direkt an der Grenze bietet. Auf einer Rückfahrt von Freiburg machte er einen Abstecher nach Straßburg, um von dort die Passerelle des deux Rives zu überqueren. „Also ging ich damals zum ersten Mal zu Fuß von Frankreich nach Deutschland. Auf der Kehler Rheinseite kam ich mit einem französischen Ehepaar ins Gespräch, das in Kehl lebte und davon begeistert berichtete – das schwappte auf mich über“, erinnert er sich.
Seit 2018 ist Ulf Behringer in Kehl zuhause. Er genießt es, auf beiden Seiten des Rheins aktiv zu sein sowie Menschen, Geschichte, Architektur, Kultur und Natur zu erleben. Kehl ist für ihn nicht nur wegen der Grenznähe, sondern auch aufgrund seiner Multinationalität reizvoll. „Ich verstehe aber, dass gerade das eine Herausforderung sein kann, manchmal auch für mich.“ Die Angebote in Kehl beschreibt der Rentner als sehr vielfältig: Theater, Konzerte, der Marktplatz, die Seebühne, der Garten der Zwei Ufer, der Rheinauen-Pfad und neue Wander- und Radwege direkt am Ort. „Außerdem lädt der Sport- und Schwarzwaldverein zu Fitness, Austausch und Freundschaft ein.“ Ulf Behringer ist zudem Mitglied im Verein „Garten/Jardin“, der das Zusammenkommen von Menschen von beiden Rheinseiten seit 20 Jahren pflegt. Er arbeitet außerdem in der Seniorengruppe mit, die sich im Sommer um die Säuberung des Wasserbandes kümmert, das den Spielplatz zwischen Rheinschneck‘ und Haus der Jugend prägt. „Die Kinder sollen dort sicher spielen können“, betont der Rentner. Es ist für ihn immer wieder eine freudige Erfahrung zu beobachten, dass Eltern mit ihren Kindern aus beiden Ländern zum Spielen kommen und Menschen unterschiedlicher Religionen friedlich miteinander Zeit verbringen.

„Man ist immer irgendwie in beiden Ländern gleichzeitig“

Vor allem um Tango zu tanzen, kommt Alexia Grabkowiak gerne nach Kehl. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Wenn man Alexia Grabkowiak in Kehl trifft, hat sie höchstwahrscheinlich ihre Sporttasche an der Schulter hängen. Denn die junge Frau aus Straßburg verbindet mit ihrer deutschen Nachbarstadt vor allem eins: Tango. Der Kehler Tanzverein „La Cita“ veranstaltet regelmäßig sogenannte „Milonga“, also Tanz-Treffen, bei denen Tango-Freunde aus der gesamten Region von Straßburg über Offenburg bis Freiburg zusammenfinden. Alexia fährt hierfür oft nach Deutschland. Die Straßburgerin empfindet die Grenze zwar als vollkommen unsichtbar, spürt aber dennoch, dass sie da ist. „Und das ist ein ganz besonderes Gefühl.“
Die Französin ist in der Nähe der Grenze zu Luxemburg geboren und hat später lange Zeit in La Rochelle an der Westküste Frankreichs gewohnt. „Dort war ich weit weg von einer Landesgrenze. Ich habe gespürt, dass mir etwas fehlt“, erinnert sie sich. Als sie 2018 nach Straßburg zog, flammte das einzigartige Gefühl wieder in ihr auf. „Alles, was man in der Nähe einer Grenze spürt, ist nicht Franko-Französisch, wie in La Rochelle. Es ist eine Mischung, eine Art Europäität.“ So ist es nicht verwunderlich, dass Alexia ausgerechnet Straßburg als neue Heimat gewählt hat. Sie hatte schon immer eine große Schwäche für die Europastadt, die sie architektonisch als sehr schön, als wirtschaftlich dynamisch und aufgrund der europäischen Institutionen als sehr kosmopolitisch beschreibt.
Was die Nachbarschaft zu Kehl angeht, hat die Bildungsingenieurin den Eindruck, dass viele Informationen aus der deutschen Stadt gar nicht nach Straßburg durchdringen, sondern eher Straßburg nach Kehl getragen wird, auch was den kulturellen Einfluss angeht. Das findet sie sehr schade: „Ich fände es schön, wenn der Austausch in beide Richtungen verstärkt wird und Straßburger sich etwas mehr für Kehl interessieren würden.“ Sie selbst hat sich vorgenommen, die Grenznähe zu nutzen, um ihre Deutschkenntnisse aufzubessern.
Zwar hat Alexia Grabkowiak vor langer Zeit Deutsch in der Schule gelernt, aber sie befürchtet, inzwischen alles vergessen zu haben. Daher ist es für sie eine große Erleichterung, dass in Kehl sehr viele Menschen Französisch sprechen. Dies trägt dazu bei, dass ihrem Gefühl nach die deutsch-französische Grenze nicht direkt am Rhein zwischen Straßburg und Kehl verläuft, sondern einen Radius von mehreren Kilometern in beide Richtungen umfasst. „Es ist für mich eher eine Grenzzone. Man ist immer irgendwie in beiden Ländern gleichzeitig.“
Passend dazu erzählt Alexia von ihrem absoluten Lieblingsplatz in der Region: „Ich liebe einfach die Passerelle des deux Rives.“ Dass die Brücke zwei Länder miteinander verbindet und viel Platz für Fußgänger und Radfahrer bietet, ist offensichtlich. Doch für Alexia ist allein der Anblick magisch. „Letztes Jahr bin ich mitten in der Nacht dorthin und da gab es nur die Brücke und den Vollmond. Das war einfach herrlich, den Rhein so zu überqueren.“

„Ein Stadtfest, damit sich die Menschen wieder näherkommen“

Von allen rheinüberschreitenden Aktivitäten, die man unternehmen kann, gefällt Hans-Jörg Heidt das Angeln am besten.zoom

Von vielen schönen Dingen, die man im rheinübergreifenden Lebensraum unternehmen kann, gefällt Hansjörg Heidt das Angeln am besten. Seit seiner Kindheit ist er leidenschaftlicher Angler, als Jugendlicher hat er seinen Angelschein gemacht und zuerst in heimischen Gewässern gefischt. Mit zunehmendem Alter wollte er jedoch etwas Neues ausprobieren. „Ich habe mich im französischen Angelverein angemeldet und bin gerne ins Elsass rüber, um zu fischen.“ Doch dann kam die Grenzschließung durch Corona. „Die Corona Verordnung hat sich dauernd geändert, irgendwann hatte ich keinen Überblick mehr, was erlaubt war und was nicht. Auch das ständige Testen, um die Grenze überschreiten zu dürfen, war mir einfach zu mühselig.“ So kam es, dass der 37-jährige lange nicht mehr zum Angeln in Straßburg war.
Um die gestörten Beziehungen zwischen Straßburgern und Kehlern wieder zu verbessern, hat er einige Ideen. „Naja, Corona war einfach blöd, die Leute waren genervt und hatten auch Angst und da wird man dünnhäutig und schiebt mal die Schuld auf den anderen. Es wäre klasse, wenn die beiden Städte miteinander mehr Stadtfeste oder Veranstaltungen organisieren würden. So können sich die Menschen aus beiden Ländern wieder näherkommen.“ Seit die Grenze wieder geöffnet ist, hatte der Familienvater leider keine Möglichkeit mehr, über den Rhein zu fahren. Durch die Familie und auch die Übernahme des landwirtschaftlichen Betriebs seines Vaters, der nun in Rente ist, aber auch größtenteils durch seinen Hauptberuf, der ihn sehr einspannt, findet er leider keine Zeit dafür. Er erinnert sich noch genau an seine beiden Arbeitskollegen, beide aus dem Elsass, welche ihm sehr ans Herz gewachsen waren. „Inzwischen arbeiten Sie nicht mehr bei uns“, bedauert der Angler. Dies liegt zum Teil an Corona aber auch daran, dass manche von ihnen andere Arbeitsplätze gefunden haben oder in Rente gegangen sind. Der gelernte Schlosser hofft, dass der Alltag sich schnell wieder normalisiert. Und irgendwann, da ist er sich sicher, wird er auch wieder in Straßburg angeln gehen.

"Ein Schritt in eine andere Kultur, ein Schritt in Richtung Freundschaft"

Für die Straßburger Schülerin Nil Erten ist der rheinüberspannende Lebensraum mit besonderen Erlebnissen verbunden: Sie lernte in Kehl das Radfahren. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Die „schöne deutsch-französische Atmosphäre in Straßburg und Kehl“ begeistert die zwölfjährige Nil Erten aus Straßburg. Der Weg über den Rhein ist für sie „ein Schritt in eine andere Kultur, ein Schritt in Richtung Freundschaft“. Auch dass ihre Großeltern am Rhein in Munchhausen leben, macht für sie die Grenzregion sehr bedeutsam. Der rheinüberspannende Lebensraum ist für die Schülerin mit besonderen Erlebnissen verbunden: Sie lernte in Kehl das Radfahren und verbrachte nachmittags viel Zeit mit ihrer Familie auf dem kleinen Kinderspielplatz beim Rosengarten. Als sie älter wurde, war sie häufiger am Rheinufer unterwegs, um mit dem Fahrrad, Roller oder Skateboard zu fahren.
Dass sie während der Corona-Pandemie in ihrer Freizeit zweitweise nicht mehr von Straßburg nach Kehl kommen konnte, war für Nil sehr schade. „Die Fußgängerbrücke war gesperrt und das war ein komisches Gefühl“, berichtet sie.
Um den Zusammenhalt zwischen beiden Ländern zu verbessern, wünscht Sie sich mehr gemeinsame Aktivitäten: deutsch-französische Konzerte oder eine große Nachbarschaftsparty würden ihr gefallen.

"Mit der Tram zu europäischem Spitzenfußball"

Wolfgang Schreiner genießt es, mit der Tram ins Meinau-Stadion fahren zu können, wenn Racing spielt. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

In seiner Jugend war Wolfgang Schreiner des Öfteren mit seinen Freunden in Straßburg. Entweder lockten Baggerseen oder die damals billigen Preise für Zigaretten die Jugendfreunde an. Aber auch der eine oder andere Flammkuchenabend in einer Winstub in der Straßburger Innenstadt ist ihm in guter Erinnerung geblieben. Die Grenzregion war schon immer sein Zuhause. Seitdem er jedoch in Kehl lebt, nutzt und genießt der 65-Jährige die Nähe zu Straßburg viel intensiver. „Die Großstadt auf der anderen Seite des Ufers hat halt auch einfach viel zu bieten!“
Für Wolfgang Schreiner als leidenschaftlicher Fußballfan ist das Meinau-Stadion in Straßburg ein starker Anziehungspunkt. „Als Fußballfan setze ich mich in die Tram und bin in 20 Minuten bei einem Spiel der besten Ligen Europas“, erzählt er begeistert. Er hat auch schon Pläne für 2022, wenn dort Paris St. Germain spielt und er weltberühmte Spieler wie Messi, Neymar und Mbappé live erleben kann. Das Wichtigste aber bleibt für den Rentner, „dass Racing gewinnt“.
Fast genauso begeistert wie vom Erst-Liga-Fußball schwärmt er von den unglaublich schönen Radwegen entlang der Kanäle: „Kein Verkehr, keine Stadt, kein Dorf, nur reine Natur.“ Er selbst ist dort schon einige Male mit seiner Lebensgefährtin getourt. Sei es am Rhein-Rhône-Kanal, der in Richtung Süden führt und an welchem er schon bis nach Basel geradelt ist oder am Rhein-Marne-Kanal an Arzwiller vorbei bis nach Saarbrücken.
Das Leben in der Grenzregion nutzt Wolfgang Schreiner aber auch kulturell. Neben dem Opernhaus gibt es in Straßburg einige Museen, sowie die Veranstaltungshalle Zénith, in der immer wieder tolle Livemusik Events stattfinden, bei denen auch er gerne im Publikum zu Gast ist. „Ich war dort schon bei Konzerten von Deep Purple, ZZ Top und Tracy Champman.“
Während er bei diesen Gelegenheiten bei der Fahrt über den Rhein keine Grenze spürt, stört es ihn sehr, dass diese, wenn es um die Gesundheitsversorgung geht, umso massiver ist. Warum Kehlerinnen und Kehler in lebensbedrohlichen Situationen wie bei einem Herzinfarkt, einem Schlaganfall oder einem schweren Unfall weite Strecken durch den Ortenaukreis gefahren werden, obwohl nur wenige hundert Meter hinter dem Rhein eine der modernsten Kliniken Europas steht, kann er überhaupt nicht nachvollziehen. Sollte er selbst in eine solche Situation geraten, möchte er nach Straßburg gebracht werden. „Ich hoffe, das wird dann auch respektiert.“

"Kehl hat einen ganz eigenen Zauber"

Für Solenn Crépeaux ist Straßburger der ideale Wohnort, um in Frankreich leben und in Deutschland arbeiten zu können. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Die lebensfrohen Frauen Jannate Hammerstein und Solenn Crépeaux wohnen seit 13 Jahren an der deutsch-französischen Grenze. Bevor sie nach Straßburg kamen, lebten die beiden in der lothringisch-saarländischen Grenzregion, wo sich das Paar über die deutsch-französische Zusammenarbeit kennengelernt hat. In die Europastadt zu ziehen, war rückblickend für die beiden die beste Entscheidung, denn das Flair, den diese Grenzregion mit sich bringt, finden sie sogar noch um einiges charmanter.
Obwohl die beiden sehr gerne in Deutschland arbeiten, war es für sie wichtig, den Bezug zu Frankreich nicht zu verlieren. „Nicht entwurzelt zu sein und trotzdem in Deutschland arbeiten zu können“, ist für Solenn Crépeaux sehr bedeutsam. Für das deutsch-französische Paar ist Wohnortfrage damit optimal gelöst.
Auch wenn die beiden in der Europastadt wohnen, ist Kehl für sie alles andere als ein Vorort: „Kehl hat einen ganz eigenen Zauber. Die Kombination ist einfach toll.“ Der Rhein, die Cafés und Restaurants, die kleine Stadt. Für sie hat Kehl durch das Internationale, was durch die Nähe zu Frankreich entsteht, „eine ganz eigene Identität“, welche die beiden einfach wunderbar mit ihren eigenen Identitäten vermischen können.

Es hat nur die Tram gebraucht, um die Menschen mehr zusammenzubringen, findet Jannate Hammerstein. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Über den Rhein und zurück, das gehört zum alltäglichen Leben der beiden Frauen; sie brauchen die unterschiedlichen Facetten, schon allein deswegen, weil sie ein deutsch-französisches Paar sind.
In ihren Augen hat die Tram „Berge versetzt und den rheinüberschreitenden Lebensraum menschlicher gemacht“. Jannate Hammerstein und Solenn Crépeaux berichten mit Freude, wie viele junge Deutsche mittlerweile nach Straßburg kommen, sich die Stadt anschauen und ihr Wochenende dort verbringen. „Es hat nur die Tram gebraucht, damit die Menschen zusammenkommen.“
„Die Grenzschließung war für alle eine extrem ungewohnte und schockierende Situation.“ Freunde und Familienangehörige in Kehl besuchen, einkaufen, all das war plötzlich keine Selbstverständlichkeit mehr. Auch das Wandern, die Restaurantbesuche auf der deutschen Rheinseite, waren plötzlich nicht mehr möglich. Auf dem Weg zur Arbeit an- und aufgehalten zu werden, einen Passierschein zeigen zu müssen – all das war vorher so fern. Und auch wenn die Beamten der Grenzpolizei ihrer Erfahrung nach immer sehr freundlich waren, „bleibt das mulmige Bauchgefühl, dass es jederzeit wieder passieren könnte“.

"Die Nähe zu Frankreich eröffnet viele Möglichkeiten"

Der 18-jährige Frederic Bittner aus Kehl ist zwölf Jahre lang nach Straßburg in die Schule gefahren. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom
Frederic Bittner war noch bis vor einem Jahr in Frankreich in der Schule. Für ihn ist das Leben in der Grenzregion eine unglaubliche Bereicherung. Hier vermischen sich die beiden Kulturen und „die Nähe zu Frankreich eröffnet viele Möglichkeiten“. Gemeinsam mit seinen Eltern lebt er auf der deutschen Seite des Rheins in Kehl. Zukünftig möchte Frederic Bittner in Deutschland studieren.
Kehl findet er deshalb so schön, weil er das Rheinvorland wie auch den Rheinwald in nächster Nähe hat: „In der Natur dort kann man einfach wunderbar Zeit verbringen und entspannen.“ An Straßburg schätzt er die französische Kultur und die lebendige Großstadtatmosphäre. „Ich bin zwölf Jahre in Straßburg zur Schule gegangen, irgendwie muss es mir dort schon gefallen“, sagt er lächelnd.
Als besonderes Ereignis ist ihm der NATO-Gipfel im Garten der zwei Ufer im Gedächtnis geblieben. Damals, 2009, war er fasziniert von den vielen Polizeiautos und den Panzerwagen.
Die Gründe, warum er heute gerne den Rhein überquert, sind breit gefächert. Entweder, um seine Freunde zu treffen, um zum Sport zu gehen oder gemütlich in Kneipen am Straßenrand zu sitzen, solche Unternehmungen führen ihn regelmäßig nach Straßburg. Aber auch das Thema Arbeiten im grenzüberschreitenden Bereich wird für Frederic Bittner in Zukunft eine große Rolle spielen. „Hier kann man die Zweisprachigkeit wunderbar ausleben und damit sicher auch weit kommen.“
Die Schließung der Grenzen während der Corona-Pandemie fand er eher fragwürdig, die Anfeindungen von französisch sprechenden Menschen rassistisch. Dass manche Elsässerinnen und Elsässer auch nach der Grenzöffnung in Kehl noch skeptische Blicke ernteten, war für ihn mehr als unverständlich.

"Ein Haus in Frankreich, durch dessen Fenster ich nach Deutschland schauen kann"

Meike Durel lebt mit ihrem französischen Mann in Souffelweyersheim und unterrichtet an der Grundschule Sundheim in Kehl. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Meike Durel ist seit vier Jahren Lehrerin an der Grundschule Sundheim. Davor hat sie lange Zeit in einer bilingualen Grundschule in Frankreich gearbeitet. Zusammen mit ihrem Mann lebt sie im sechs Kilometer nördlich von Straßburg gelegenen Souffelweyersheim, das zur Eurométropole de Strasbourg gehört. Beide stammen aber ganz und gar nicht aus der Region. Die Lehrerin kommt ursprünglich aus Bremen, wo sie studiert und ihren Mann kennengelernt hat. Dieser stammt aus der Normandie im Norden Frankreichs.
Die Suche nach einem Ort, der beide Länder verbindet, hat das Ehepaar in die Grenzregion am Oberrhein gebracht. „Hierfür war das Elsass einfach perfekt“, sind sich beide einig. Gemeinsam haben sie einen deutschen, französischen und auch multikulturellen Freundeskreis. Das ist einer der Aspekte, der Meike Durel ganz besonders gefällt: dass in Kehl und Straßburg viele verschiedene Kulturen zusammenkommen.
Die Grenzschließung aufgrund der Corona-Pandemie hat ihr Leben erheblich verändert und eingeschränkt. Anfangs musste sie zwei Wochen in Quarantäne, dann durfte sie nur mit täglichen Tests und den erforderlichen Papieren nach Deutschland kommen. „Manchmal habe ich mich fast schon ein bisschen diskriminiert gefühlt. Die Lehrkräfte, die auf der deutschen Seite wohnten, durften zunächst weiter zur Schule gehen.“ Umso glücklicher ist Meike Durel darüber, dass sich die Situation wieder einigermaßen entspannt hat: „Wir sind ein Europa, die Freiheit ist zurückgekommen und sie soll auch bleiben.“
Sowohl in ihrem Berufsalltag als auch in ihrer Freizeit schätzt sie das grenzüberschreitende Leben sehr. „Ich hätte gerne ein Haus in Frankreich, durch dessen Fenster ich nach Deutschland schauen kann.“ Mit ihrem Haus in Souffelweyersheim ist sie nicht weit von diesem Wunsch entfernt. Der grenzüberschreitende Lebensraum ermöglicht es Meike Durel und ihrem Mann, dass sich beide heimisch fühlen.

„Den Rhein ohne Beschränkungen überqueren zu können, ist eine ganz große Errungenschaft“

Uta Schätzle lebt seit ihrem achten Lebensjahr in Kehl. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Fast ihr komplettes Leben haben Uta und Manfred Schätzle in Kehl verbracht. Sie ist gebürtige Offenburgerin, aber schon seit ihrem achten Lebensjahr in der Rheinstadt. Ihr Mann kam 1966 nach Kehl, fand seine Liebe – Uta – und blieb. Vor 40 Jahren haben die beiden in Neumühl ein Haus gebaut. Ihre Kinder und Enkelkinder sind mittlerweile weggezogen und der Reiz, über die Grenze nach Straßburg zu gehen, hat zum einen durch die Corona-Pandemie und zum anderen dadurch, dass ihnen Straßburg schon sehr gut vertraut ist, ein wenig nachgelassen.
„Den Rhein ohne Beschränkungen überqueren zu können, ist eine ganz große Errungenschaft“, sind sich beiden einig. Früher war das Ehepaar oft in Straßburg in der Oper, in Restaurants oder auch zum Einkaufen und zum Wandern in den Vogesen. Das französische Flair haben sie dabei sehr genossen. Doch da Straßburg deutlich gewachsen ist und immer mehr Menschen in die Europastadt ziehen, haben die beiden das Gefühl, dass die elsässische Kultur und das gemütliche und gesellige Wesen der Elsässer in den Hintergrund gedrängt werden.

Manfred Schätzle kam nach Kehl, fand seine Uta und blieb. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

Sie finden es schade, dass sich viele Elsässer nicht mehr trauten, Elsässisch zu sprechen und dass sie deshalb die Regionalsprache auch an ihre Kinder nicht mehr weitergäben. So hat es Uta Schätzle auch bei ihrer Patentochter erlebt.
Heute genießen die Schätzles den Rhein und die Rheinpromenade eher am Kehler Ufer. Die grenzüberschreitende Gartenschau 2004, bei welcher der Jardin de Deux Rives entstanden ist, war für sie „ein großes Highlight, ein Novum“. „Da sind wir oft auf die französische Seite gegangen“, erinnern sie sich. Der Bau der Passerelle de Deux Rives sei zuerst sehr umstritten gewesen, wissen sie noch gut, weil sie als zu teuer gegolten habe. Das Ehepaar war und ist froh, dass die Doppelbrücke gebaut wurde. „Inzwischen wird sie gut angenommen und rege genutzt“, freuen sie sich.

„In Grenznähe merkt man schnell, dass viele Stereotypen nicht zutreffen“

Hat festgestellt, dass viele Vorurteile nicht zutreffen: Raouf Boukhris aus Straßburg. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt  Straßburgzoom
Raouf Boukhris kennt viele Vorurteile von Franzosen gegenüber Deutschen. Er kommt ursprünglich aus Lyon, lebt seit 2012 in Straßburg und musste sich erst an das Leben im Grenzraum gewöhnen, vor allem sobald er sich auf der deutschen Seite des Rheins bewegte. So war es für ihn anfangs nicht selbstverständlich, an einer roten Fußgängerampel tatsächlich zu warten. Als er in einem deutschen Restaurant als Hauptspeise Dampfnudeln mit Vanillesoße serviert bekam, ging er davon aus, dass es eine Art Ravioli gefüllt mit Gemüse und einer Currysoße darüber sei. Die Überraschung beim Hineinbeißen lässt ihn heute lachen, aber damals war die süße Überraschung ein richtiger Schreck für ihn.
In Frankreich hat er des Öfteren gehört, dass die deutsche Sprache hässlich sei und die Deutschen keinen Humor hätten. „Aber hier in der Grenznähe merkt man schnell, dass viele Stereotypen nicht zutreffen“, entkräftet er diese Vorurteile und fügt hinzu, dass er sehr viele Deutsche kennengelernt hat, die Späße lieben. Einer seiner Schüler in Karlsruhe benutzte einmal zur Belustigung der Klasse den Ausdruck "à deux pieds" statt "à demain" und brachte damit alle zum Lachen. Was Raouf Boukhris allerdings aus eigener Erfahrung bestätigen kann, ist, dass Pünktlichkeit und eine gewissen Obsession für Regeln auf deutscher Seite verbreitet sind.
Der selbstständige Professor für Französisch nutzt seine Nachbarstadt Kehl hauptsächlich aus praktischen Gründen, wie zum Einkaufen oder um sich in der Fußgängerzone ein Spaghetti-Eis zu gönnen. „Das habe ich in Frankreich noch nie gesehen.“ Es fasziniert ihn immer wieder, dass ihn nach nur wenigen Minuten Fahrt mit der Tram sofort das Gefühl durchdringt, in einem anderen Land zu sein. Erst seit 2021 arbeitet er mit der Hochschule Kehl zusammen. Zu Beginn seiner Karriere im Grenzraum war seine Hauptarbeitsstelle die Hochschule in Karlsruhe, zu der er lange Zeit täglich pendelte. Anfangs konnte er noch kein Deutsch sprechen, doch durch die enge Zusammenarbeit mit seinen deutschsprachigen Kollegen, Vorgesetzten und Studenten beherrschte er bereits nach knapp zwei Jahren Hunderte deutsche Wörter.
Mittlerweile spielt sich seine Verbindung zu Deutschland aufgrund der Pandemie hauptsächlich im Internet ab. „Jetzt kommt Deutschland zu mir, anstatt ich dorthin“, beschreibt er die aktuelle Situation, die aber auch Vorteile bietet. Denn ohne auf große Reisen zu gehen, unterrichtet er von zu Hause aus auch Schüler aus Österreich, Irland und den USA. „Jede Woche sehe ich an die vierzig Leute aus verschiedenen Nationen. Ich sehe nicht mehr die Nationalität, sondern den Menschen.“
Für Raouf Boukhris ist Straßburg ein toller Ort zum Leben. Die zentrale Lage im Zentrum Europas ermöglicht es ihm, Freunde in Prag oder Österreich in nur sechs Stunden Autofahrt zu besuchen. Dass die Stadt sehr interkulturell ist und im Alltag viele Sprachen gesprochen werden, gefällt ihm sehr. Außerdem findet er es spannend, wie die Architektur im Gegensatz zu Lyon oder Paris von der rein französischen Bauweise abweicht. „Der Austausch zwischen den beiden Nachbarländern ist offensichtlich“, sagt er und denkt dabei auch an Elemente, wie die Namen von Plätzen, Gastronomie und Straßen, die auf Deutsch oder auch Elsässisch in seinen Ohren eher exotisch klingen.
Wichtig ist ihm bei der Internationalität vor allem, dass alle Menschen einzeln betrachtet und nicht als „die Deutschen“ oder „die Franzosen“ in eine Schublade gepackt werden sollten. „Wir sind alle Individuen, jeder hat seine Arbeit, sein Leben und seine Vorlieben“, gibt er zu bedenken und hat sogar schon die Erfahrung gemacht, dass manchmal auch Deutsche zu spät kommen.

„Ich finde es unglaublich schön, hier zweisprachig Leben zu können“

Ananda Mackulau ist Indonesierin und lebt seit 2019 in  Kehl. Foto: Jérôme Dorkel/Stadt Straßburgzoom

„Es hat sich sofort angefühlt, wie nach Hause zu kommen“, beschreibt Ananda Mackulau ihren Umzug nach Kehl im Jahr 2019. Die gebürtige Indonesierin hat schon in vielen verschiedenen Orten und Ländern gewohnt, doch in der deutsch-französischen Grenzregion spürt sie eine Vertrautheit, die ihr Herz erwärmt. Dabei war die Entscheidung, nach Kehl zu ziehen, rein rationaler Natur. Denn ihr indonesischer Ehemann spricht Deutsch, während Ananda Mackulau einen französisch-sprachigen Bildungsweg eingeschlagen hatte. Als ihr Mann ein Jobangebot in Kehl erhielt, musste das Ehepaar nicht lange nachdenken. Denn hier können beide den großen Vorteil der Grenznähe nutzen und in ihrer jeweiligen Zweitsprache Karriere machen.
In Indonesien hatte Ananda Mackulau französische Linguistik studiert und war für ihren ersten Masterabschluss 2007 nach Dijon gezogen. Dann ging sie zurück in ihre Heimat und arbeitete in der französischen Botschaft in Jakarta. Für ihren zweiten Masterabschluss reiste sie wieder nach Frankreich, diesmal nach Toulouse, wo sie ihren Ehemann traf. Ihr Master-Studium im Bereich „Internationale Beziehungen und Kommunikation“ ermöglichte es ihr, Paris und Straßburg kennen zu lernen. Daher kannte sie ihre jetzige Nachbarstadt bereits vor ihrem Umzug nach Kehl. „Mein Lieblingsort in Straßburg ist und war schon immer die Stadtmitte“, erzählt Ananda Mackulau und listet auf: „Es gibt dort so viele Plätze zum Essen und Trinken, die Innenstadt ist einfach wunderschön und ich liebe den Weihnachtsmarkt.“ Ihren Lieblingsort in Kehl kann sie ebenfalls ohne Zögern nennen: die Passerelle des deux Rives. Dort geht sie sehr oft mit ihrem Sohn spazieren.
Deutsch spricht die junge Mutter laut ihrer Aussage nur sehr limitiert. Von 2016 bis 2019 hatte sie mit ihrem Mann in Jena gelebt und einige Grundlagen gelernt. Doch sie fühlte sich dort nicht wie Zuhause, es kam ihr sehr fremd vor. Als das Jobangebot für ihren Mann aus Kehl kam, freute sie sich sehr, wieder französisch leben zu können, wie sie es gewohnt war. Bald möchte sie wieder anfangen zu arbeiten und hofft, dass Straßburg ihr viele Karrieremöglichkeiten eröffnet.
„Die Grenznähe macht Kehl zu einer sehr internationalen Stadt“, sagt Ananda Mackulau. Gerade die Zweisprachigkeit ist für sie eine große Freude und Erleichterung. „Sogar im Supermarkt sprechen die Kassierer Französisch“, staunt sie, denn diese Mischung der beiden benachbarten Kulturen hatte sie so bisher noch nicht erlebt. „Ich finde es unglaublich schön, hier zweisprachig leben zu können“, gibt sie zu. Schon immer war Sprache für Ananda Mackulau ein sehr wichtiger Bestandteil des Zusammenlebens.
Doch nicht nur die Sprachvielfalt, sondern auch die positive Einstellung der Menschen, was die Kultur angeht, ist Ananda Mackulau aufgefallen. Seit sie in Kehl wohnt, beobachtet die gebürtige Indonesierin die Art und Weise, wie die Menschen zusammenleben. Sie hat festgestellt, dass die Kulturen hier fast vollkommen vermischt sind. „Das Leben ist hier nicht deutsch auf der einen und französisch auf der anderen Rheinseite, sondern deutsch-französisch“, fasst sie zusammen. Sie liebt das internationale und interkulturelle Leben. So ist sie auch immer wieder von der Tram fasziniert, welche die Menschen in den beiden Ländern verbindet.
Eine weitere Verbindung sieht Ananda Mackulau im kulturellen Austausch. Beispielsweise erinnert sie sich an kleine Konzerte im Rosengarten, welche sie sich zukünftig auch sehr gut mit wechselnden internationalen Gruppen vorstellen könnte. „Solche Projekte bringen die Menschen näher zusammen“, ist sie sich sicher.
Zusammenfassend bietet der grenzüberschreitende Raum alles, was sich Ananda Mackulau für ihre Familie wünscht und damit eine sehr vielversprechende Zukunft.

Zum Projekt Grenzportraits

Die Studierenden der Hochschule Kehl, welche seit dem Herbst 2021 die Interviews zum Projekt Grenzportrait geführt und verfasst haben:

Altmann, Lara Franziska; Fix, Rebekka; Frenzel, Eva-Maria; Geser, Ben Henry; Haber, Myriam; Heidt, Natalja; Jawhari, Nadine; Lehmann, Sonja; Mock, Laura Ilse; Müller, Annika; Saile, Mona; Schilling, Nora Cäcilia; Schlosser, Tino Martin; Steinhagen, Jan; Thomas, Nastasia Mia Margit.

19.01.2022

 

Bekanntmachungen & Termine

 
 

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