Geschichte der Stadt und ihrer Ortschaften
Vom Fischerdorf zum Sitz grenzüberschreitender, europäischer Einrichtungen
Mit der Vereinigung der Markgrafschaften von Baden-Durlach und Baden-Baden 1771 begann Kehls Aufstieg zum Handelszentrum. 1774 erfolgte die Erhebung zur Stadt. Die 1792 ausbrechenden Koalitionskriege zwischen den europäischen Großmächten beendeten den wirtschaftlichen Aufschwung. Für zwei Jahrzehnte war die Stadt wieder umkämpfter Brückenkopf mit wechselnden Herrschaften. Durch den Pariser Frieden von 1814 fiel sie an Baden zurück. Die Festung musste laut Friedensvertrag geschleift werden. 1815 begann der mühselige Wiederaufbau Kehls.
Starken Anteil an dem Neuaufbau hatten die badischen Baudirektoren Weinbrenner und Tulla. Tulla war außerdem der Initiator der Rhein- und Kinzigkorrektionen, die für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung Kehls von Bedeutung waren. Der Anschluss an das badische Eisenbahnnetz 1844 mit der Linie Kehl-Appenweier und der Bau der Eisenbahnbrücke über den Rhein im Jahr 1861 verliehen der Industrie starke Impulse. In den Folgejahren kam es zur Ansiedlung von Industriebetrieben. Gebremst wurde diese Wachstumsphase durch den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, in dem Kehl als einzige deutsche Stadt schwer beschädigt wurde.
Hervorragende Projekte der weiteren Entwicklung waren 1883 die Errichtung der Zellulosefabrik von Trick als dem größten Arbeitgeber, 1897 der Bau einer festen Straßenbrücke über den Rhein anstelle der alten Schiffbrücke von 1816, der Bau des Kehler Rheinhafens 1897 bis 1900 sowie die Vereinigung der bis dahin selbstständigen politischen Gemeinden Stadt Kehl und Dorf Kehl mit Sundheim zu einer Stadtgemeinde mit insgesamt 8885 Einwohnern im Jahr 1910.
Dem verlorenen Ersten Weltkrieg folgte die Besetzung durch französisches Militär von 1919 bis 1930, die das kulturelle und gesellschaftliche Leben der Bevölkerung behinderte und Kehl in eine wirtschaftliche Notlage brachte. Einen erneuten Rückschlag erlitt die Entwicklung Kehls durch den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen. Zwei Evakuierungen (1939-40 und 1944-53) zerstreuten die Bevölkerung von Baden bis zum Bodensee. 1945 folgte die Besetzung Kehls durch französisches Militär. Das Washingtoner Abkommen (1949) verhinderte die geplante Annexion und sicherte den Kehlern die etappenweise Rückgabe der Stadt und des Hafens bis 1953. Nach der endgültigen Freigabe begann der erneute Wiederaufbau der durch Krieg und Besetzung stark mitgenommenen Stadt.
Infolge der Gemeindereform mit den Eingemeindungen der heutigen Ortschaften wurde Kehl 1972 zur Großen Kreisstadt erhoben. Inzwischen hat Kehl rund 35 000 Einwohner. Die Stadt verfügt über eine gut ausgebaute Infrastruktur in allen Bereichen. Als Standort für Handel und Industrie stellt Kehl mit seinem Hafen und seinen Verkehrsanbindungen einen wirtschaftlichen Knotenpunkt in Südwestdeutschland dar. Mit vielen Einrichtungen im sozialen und kulturellen Bereich (Fachhochschule für Verwaltung) bildet Kehl ein Zentrum von überregionaler Bedeutung. Seit 1993 ist die Stadt Sitz mehrerer grenzüberschreitender, europäischer Einrichtungen. 2004 hat Kehl gemeinsam mit Straßburg die erste grenzüberschreitende Gartenschau ausgerichtet. Zum ersten Mal hat mit dem Festival des deux Rives eine Landesgartenschau auf dem Territorium zweier Staaten stattgefunden. Mit dem Garten der zwei Ufer, welche durch die Passerelle des deux Rives verbunden sind, haben die beiden Städte dauerhaft eine neue 60 Hektar große Parkanlage geschaffen, die den Rhein vom Grenzfluss zur integralen Mitte des gemeinsamen Parks macht.
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