Rosengarten
Zur Geschichte des Rosengartens und seines Namens
Die Entstehung des Kehler Rosengartens ist verknüpft mit dem benachbarten Altrhein, denn wo heute Rosen blühen, strömte einst der Rhein entlang. Nach seiner Regulierung wurde die Senke des alten Altrheinarms im Gebiet des heutigen Rosengartens bis Anfang des 20. Jahrhunderts zugeschüttet. Laut der „Chronik der Stadt Kehl am Rhein“ wurde die ursprüngliche Grünanlage dann 1925 nach Plänen des Karlsruher Gartenbaudirektors Friedrich Scherer geschaffen.
Der damalige Rosengarten zeichnete sich vor allem durch eine gepflegte Rasenfläche aus, an deren angrenzenden Wegen die Rosen Spalier standen. Am südlichen Ende hob sich bereits der Platanenplatz ab, während erst mit der Errichtung des Pionierdenkmals im Jahr 1931 der steinerne Zugang über die breite Treppe am nördlichen Ende entstand.
Die Standortdebatte um das Pionierdenkmal lässt auch einen Rückschluss auf den Namen der damaligen Grünanlage zu. So war der Rosengarten, wie ein Stadtratsprotokoll festhält, offiziell nach dem ehemaligen Kehler Bürgermeister Hermann Dietrich benannt worden. Das Ende der Weimarer Republik und die aufziehende NS-Diktatur kündigten sich in Kehl wiederum durch die Umbenennung einzelner Straßen wie auch des Rosengartens an: Auf Antrag des Wortführers der Nationalsozialisten im Kehler Gemeinderat wurde der Grünanlage im 1933 „zu Ehren des Reichspräsidenten […] die Bezeichnung ‚Hindenburgplatz‘“ gegeben.
In der Zeit der NS-Herrschaft diente der Rosengarten dann als Propaganda-Ort für politische Veranstaltungen und wurde für Versammlungen und nächtliche Reden zweckentfremdet. Mit der zweiten Evakuierung Kehls am 23. November 1944 und dem Kriegsende fiel die Anlage in den folgenden Jahren der französischen Besatzung in einen Dornröschenschlaf.
Durch die letzte Teilfreigabe Kehls am 8. April 1953 infolge des Washingtoner Abkommens rückte der Rosengarten wieder ins Rampenlicht: Am gleichen Aprilabend lud die Stadtverwaltung hier zu einer nächtlichen Gedenkstunde ein: Die letzten Kehlerinnen und Kehler konnten neun Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in ihre Heimatstadt zurückkehren. Noch größer fiel die emotionale Wiedersehensfeier aus, zu der sich am 17. Mai zahlreiche Politiker und Gäste sowie Tausende Einwohner im Rosengarten eingefunden hatten. Zu den Rednern gehörte auch der erste baden-württembergische Ministerpräsident Reinhold Maier, der Kehl weitere Hilfe beim Wiederaufbau der Stadt versprach.
Seit dieser Zeit hat der Rosengarten in Abständen immer wieder Umgestaltungen erfahren, die seinen Charakter als grüne Oase und Erholungsort im Herzen der Stadt bewahrt haben. So wurde im Jahr 1983/84 die Blumenstraße, welche die Grünanlage und den Altrhein ursprünglich trennte, von einer Verkehrsstraße in einen Spazierweg umgewandelt. In dessen Mitte entstand damals der von dem Künstler Friedrich Geiler entworfene Brunnen.
Eine größere Aufwertung erlebte der Rosengarten im Rahmen der grenzüberschreitenden Gartenschau 2004, in deren Zuge die Fläche nach dem Vorbild von Kloster- und Burggärten mit einem Wegkreuz und Beeten unterteilt wurde. 20 Jahre später setzte nach einer breiten Bürgerbeteiligung eine weitere umfassende Neugestaltung ein. Die neu entstandenen Rosenbeete erinnern dabei nicht zuletzt an die Ursprünge der Grünanlage: Denn trotz ihrer wechselvollen Geschichte blieb sie im Kehler Volksmund immer der „Rosengarten“.
Über die Entstehung des Pionierdenkmals
Das Pionierdenkmal im Rosengarten ist ein bis heute sichtbares Zeichen für die Geschichte der Pioniere in Kehl. Seit April 1881 war das Badische Pionierbataillon Nr. 14 in der Rheinstadt stationiert, ab 1890 in der damals fertiggestellten Pionierkaserne hinter dem Bahnhof, die den offiziellen Namen „Großherzog-Friedrich-Kaserne“ erhielt. Der verlorene Erste Weltkrieg und die französische Besatzung ab 1919 sorgten für den Abzug aller deutscher Soldaten aus Kehl und beendeten das Fortbestehen des Pionierbataillons.
Ein Denkmal zur Erinnerung an ihre Gefallenen konnten sich die Pioniere in Kehl setzen, als die französischen Besatzungssoldaten im Jahr 1930 abzogen. Angeregt wurde das Pionierdenkmal vom „Hanauer Pionierverein“, der dem Gemeinderat als möglichen Standort einen Platz vor der Friedenskirche vorschlug. Dieser Idee stand der Gemeinderat jedoch ablehnend gegenüber, da der Platz Eigentum der evangelischen Kirche war und hier auch eine Friedenslinde stand, deren Beseitigung nicht in Frage kommen sollte. Stattdessen wurde als geeigneter Standort der Rosengarten ins Gespräch gebracht.
Für Probleme sorgte auch der von einer Denkmalkommission konzipierte Entwurf für das „Ehrenmal“: Ein Gutachter für das badische Innenministerium kritisierte das Höhenverhältnis von Figur und Sockel und empfahl eine Reduzierung des Sockels auf drei Meter, was beinah der angedachten Höhe der Figur mit 2,85 Meter entsprach. Dem wollte die Kommission nicht folgen, ließ sich jedoch kompromissbereit darauf ein, die Höhe des Sockels von 6,50 Meter auf fünf Meter zu reduzieren. Sie legte besonderen Wert darauf, dass das Denkmal „in das Sichtfeld der Kasernenstraße“ fiel und wollte „durch den höheren Sockel die Stärke der Pionierwaffe noch besonders zum Ausdruck bringen“. Für die ursprünglich angesetzten Kosten von 14 000 Reichsmark wollte der Gemeinderat einen Zuschuss von 3000 Reichsmark gewähren.
Die Einweihung des Gefallenendenkmals erfolgte schließlich anlässlich des 41. Badischen Pioniertags. Bei diesem Veteranentreffen versammelten sich vom 29. bis 31. August 1931 rund 6000 ehemalige Pioniere in Kehl, um der feierlichen Einweihung des „Ehrenmals“ in der „Garnisonsstadt“ beizuwohnen. Auch bei späteren Pioniertagen dienten Kehl und das Pionierdenkmal als Versammlungsstätte für die Veteranentreffen.
Im Gegensatz zum zweiten Gefallenendenkmal für den Ersten Weltkrieg, das sich auf dem städtischen Friedhof befindet, nennt das Pionierdenkmal nicht die Namen der von 1914 bis 1918 gefallenen Pioniere. Die Wirkung der Figur auf dem hohen Sockel ist eher martialisch, ihr Blick geht starr nach unten. Der nackte Oberkörper ist muskulös und gänzlich unverletzt. Als einziges Kehler Denkmal wurde es während des Zweiten Weltkriegs durch Beschluss des Gemeinderats nicht für die sogenannte Metallspende zum Einschmelzen angemeldet.
Im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung des Rosengartens, an der von Juni bis November 2024 mehr als 130 Personen teilgenommen hatten, wurde der Erhalt des Pionierdenkmals an dieser Stelle des Innenstadtparks kontrovers diskutiert. Am Ende des Prozesses sprach sich jedoch eine Mehrheit für dessen Verbleib im Rosengarten aus.
Der Platanenplatz als Bühne: Kulturveranstaltungen im Rosengarten
Der Rosengarten war seit seiner Entstehung ein Erholungs- und Rückzugsort im Herzen der Stadt. Er lud zum Ausruhen und Verweilen ein, war das Ziel von Spaziergängerinnen und -gängern und sonntäglichem Flanieren. Auf dem südlich gelegenen Platanenplatz spielten bereits in früheren Zeiten die Stadtkapellen „Hanauer Musikverein“ und die „Harmonie“ Sundheim und gaben hier Freiluft-Konzerte unter den Bäumen.
Im Jahr 1989 machte der damalige städtische Kulturamtsleiter Ewald Schröder dann den schattigen Platanenplatz auf prägende Weise zur Bühne von Kulturveranstaltungen. Sein Konzept der „Sommerspielzeit“ lockte in den Monaten Juli und August jeden Samstag Hunderte Zuschauer in den Rosengarten. Stets war der Eintritt frei. Mitzubringen waren lediglich Sitzgelegenheiten und bei schlechtem Wetter wurde kurzfristig in die Stadthalle ausgewichen – ein Konzept, das bis in die Gegenwart Bestand hat. Dabei kündigte das erste Plakat der „Sommerspielzeit“ Musik, Artisten, Gaukler und Theater an und bot für alte und junge Gäste ein unterhaltsames Programm.
Besonders viele Kinder und Familien genossen die stimmungsvollen Aufführungen im Abendlicht. „Die Kleinste Bühne der Welt“ aus Hamburg machte am 15. Juli 1989 den Anfang und erntete begeisterten Applaus für sieben Stücke, gespielt auf einer schachtelgroßen Bühne unter Segeltuch. Artisten und „Drachenangler,“ Chorgesang, Straßentheater und Feuershow, Musiker und Clowns zogen so zahllose Zuschauer zur ersten „Sommerspielzeit“ in den Rosengarten, die – wie die Kehler Zeitung schon damals titelte – nicht nur einen Sommer dauern sollte.
Ewald Schröder dachte bereits nach der gelungenen Premiere über eine Seebühne am Altrhein nach, mit dem Ufergelände als idealem Platz für die Zuschauerränge. Tatsächlich wechselte die „Sommerspielzeit“ im Jahr 2003 auf die im Hinblick auf die für 2004 geplante grenzüberschreitende Gartenschau neu errichtete Seebühne im Wasser des Altrheins.
2009 wurde die erfolgreiche Reihe in „Kultursommer“ umbenannt. Die Beliebtheit der Veranstaltungen setzte sich weiter fort: Ob Einheimische oder Gäste von außerhalb – große Zuschauermengen versammeln sich in den Sommermonaten in idyllischer Atmosphäre vor der Seerosen-Kulisse des Altrheins. Bis in die Gegenwart erwartet sie ein abwechslungsreiches Programm aus Konzerten und Comedy, Künstlern und Bands, die unterhalten und mitreißen – und das bei freiem Eintritt und in der Hoffnung auf gutes Wetter.
Die Sommerspielzeit von 1989 ist eine feste Institution im Kulturkalender von Stadt und Region.


