Ausstellung: "Was ich anhatte"
Schuld trägt niemals das Opfer: Ausstellung „Was ich anhatte“ in der Friedenskirche eröffnet
Mit einer bewegenden und sehr gut besuchten Vernissage wurde am Freitagvormittag (9. Oktober) die Wanderausstellung „Was ich anhatte“ in der Friedenskirche auf dem Marktplatz eröffnet. Gezeigt werden Original-Kleidungsstücke von zwölf Frauen – die Outfits, die sie zum Zeitpunkt der sexualisierten Gewalttaten trugen, deren Opfer sie wurden, ergänzt um persönliche Texte der Betroffenen. Die von Beatrix Wilmes konzipierte, bundesweit gezeigte Ausstellung ist noch bis zum 23. Oktober in der Friedenskirche zu sehen. Schirmherr der Ausstellung ist Oberbürgermeister Wolfram Britz. Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung von Carola Maute Balzar und Suzanne Da Costa-Kunz.
In seiner Eröffnungsrede betonte Wolfram Britz die gesellschaftliche Dimension des Themas: „Sexualisierte Gewalt findet meistens im sozialen Nahraum statt und ist strukturell bedingt. Sie wächst in Machtverhältnissen, in Vorstellungen davon, was „männlich“ ist.“ Umso besorgter zeigte er sich darüber, dass sich diese Vorstellungen gegenwärtig wieder veränderten: „Das sehen wir am Wiedererstarken toxischer Männlichkeitsbilder und an populistischen Rollenbildern, die sich auch in Deutschland verbreiten.“ Zur Gewaltprävention gehörten deshalb unbedingt die Förderung von Gleichstellung und, bereits in jungen Jahren, die Vermittlung gesunder Werte und echter Gleichberechtigung. Da die überwältigende Mehrzahl der Täter Männer seien, trügen diese auch eine besondere Verantwortung: „hinzuschauen, zu benennen und zu schützen“.
Pfarrer Andreas Bordne wies auf die Verantwortung der Kirche hin: „Die Friedenskirche ist ein guter Ort für diese Ausstellung, denn auch innerhalb der evangelischen Kirche sind sexuelle Übergriffe passiert.“ Er erinnerte an die 2024 veröffentlichte ForuM-Studie, eine Aufarbeitungsstudie zu sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in der Evangelischen Kirche und Diakonie, die den Institutionen unter anderem eine Kultur der Konfliktvermeidung und Harmoniesucht attestierte. Umso wichtiger sei es deshalb, „dass das Schweigen darüber, was in unserer Mitte passiert ist, aufhört".
Claudia Mündel, Vorsitzende des Fachausschusses Gewalt in der Familie der Bürgerstiftung Kehl, zeigte die bestürzend hohen Opferzahlen auf: „In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 12 000 bis 13 000 Anzeigen wegen sexueller Nötigung oder Vergewaltigung. Die Dunkelziffer ist hoch“. Zwei von drei Frauen erlebten in ihrem Leben sexuelle Belästigung, jede siebte Frau werde Opfer schwerer sexualisierter Gewalt. Die meisten Übergriffe kämen nie zur Anzeige – und entfalteten gerade deshalb ihre zerstörerische Kraft noch Jahre nach der Tat.
Was können wir tun? Den Betroffenen glauben, Hilfe anbieten und auf professionelle Beratungsstellen hinweisen, deren Flyer in der Friedenskirche ausliegen. Alle Besucherinnen und Besucher sind zudem eingeladen, ihre Gedanken, Bemerkungen oder Gefühle in ein Gästebuch zu schreiben oder in die danebenstehende Box zu werfen, deren Inhalt bei der Finissage am Freitag, 23. Oktober, um 13 Uhr verlesen wird.
