Bahnhof Sundheim
Sundheimer Bahnhof steht jetzt in Lichtenau
Nächster Halt: Lichtenau. Der Bahnhof Sundheim ist – nach einem kurzen Zwischenaufenthalt im Hanauer Museum – umgezogen. In Lichtenau wird er als Leihgabe aus Kehl vielleicht schon bald bei einer Ausstellung des Modellclubs 1:87 Lichtenau zu sehen sein. Von 1898 bis 1959 existierte der Sundheimer Bahnhof als steinernes Gebäude, vor dem ein Zug, der sogenannte Entenköpfer der Mittelbadischen Eisenbahngesellschaft (MEG), hielt. Heute lebt der Bahnhof, zusammen mit einigen Nachbargebäuden, zumindest als Modell fort.
Die Einweihung der Bahnstrecke Kehl-Ottenheim war 1898 in Kehl gebührend gefeiert worden. Vorausgegangen waren lange Verhandlungen, nach deren Abschluss der Großherzog von Baden die Konzession für den Bau und Betrieb dieser Schmalspurstrecke (Spurweite: ein Meter) der Straßburger Straßenbahngesellschaft erteilte. Nach dem Ersten Weltkrieg war das Verkehrsnetz stark beschädigt und wurde zweigeteilt. Das Departement Unter-Elsass übernahm eine finanzielle Beteiligung für die französische Hälfte, so dass die Straßburger Straßenbahngesellschaft (1919 in Compagnie des Transports Strasbourgeois – CTS – umbenannt) ihre finanziellen Schwierigkeiten überwinden konnte. Die Linien auf der deutschen Seite des Rheins wurden 1922 der Republik Baden überlassen. Weitergeführt wurden diese von der MEG.
Doch während der Entenköpfer in Richtung Bühl noch bis 1966 unterwegs war, endete der Schienenverkehr auf der Strecke Kehl-Altenheim bereits am 15. März 1959. Busse galten damals als weit modernere Verkehrsmittel als Schienenfahrzeuge und der zunehmende Autoverkehr beanspruchte mehr Platz im öffentlichen Raum. Daher verlangte der Kehler Gemeinderat von der MEG als Eigentümerin der Schienen auch, dass diese aus der Hauptstraße entfernt würden. Für die Stadt hatte das Ende des Bahnbetriebs auch wirtschaftliche Folgen, wie es den Begleittexten zum Modell zu entnehmen ist: Lokführer, Heizer und Schaffner wohnten in Sundheim, ebenso wie der Technische Leiter der MEG – und verloren in der Folge offenbar ihre Arbeitsplätze. Das Bähnle sicherte die Verbindung nach Offenburg und Lahr sowie nach Bühl und Rastatt. Am Rathaus Kehl konnte man bis zum Ende des Ersten Weltkriegs mit der Straßenbahn nach Straßburg weiterfahren.
Frühe Art von Hähnchenbuden
Außerdem waren mit dem Bähnle auch Touristen nach Sundheim gekommen und hatten in den dortigen Gasthäusern „Zum Sternen“ oder „Zum grünen Wald“ die Sundheimer Hühner als besondere Spezialität entdeckt. Fast ganz Sundheim hatte sich damals der Hühnerzucht gewidmet und sich damit eine neue Einnahmequelle erschlossen. Ursprünglich war die Produktion des fleischigen Masthuhns vor allem für den Verkauf auf dem Straßburg Markt geplant gewesen und nicht für den Verzehr vor Ort, doch durch den Zuspruch entstand in Sundheim eine frühe Art von Hähnchenbuden.
Die Modellbauer
Die Kehler Friedhelm Mündel und Karl Theodor Bender sowie der gebürtige Sundheimer Karl Kirrmann hatten in ihrer Jugend die MEG noch erlebt. 2014 beschlossen sie, den Sundheimer Bahnhof und die davor verlaufende Straße im Modell 1:87 nachzubauen. Als gelernter Zimmermann und Bauingenieur beziehungsweise Schreiner und Architekt brachten Karl Kirrmann und Friedhelm Mündel die notwendige Sachkenntnis mit, um den Sundheimer Bahnhof nach einem Plan aus dem Generallandesarchiv Karlsruhe originalgetreu anzufertigen. In aufwendiger Kleinarbeit rekonstruierten sie den Bahnhof in der Form, wie er um 1955 aussah. Die Materialkosten übernahm der Historische Verein. Weitere Unterstützung leisteten: Getränke Walter, Modellbahn Thoma, Möbelschreinerei Münscher und Hornungs Bäckerei in der Straße am Storchennest. Bis zu seinem Tod im April 2015 arbeitete Friedhelm Mündel „mit großer Begeisterung und Leidenschaft“ am Modell, wie es im Begleittext heißt. Von Juli 2015 an setzte Karl Kirrmann mit Unterstützung seiner Frau die Arbeit fort.
Das Modell wurde zunächst jahrelang in der Bäckerei Hornung in Sundheim ausgestellt. Nach der Aufgabe der traditionsreichen Bäckerei und dem Verkauf des Hauses fand es dann den Weg ins Hanauer Museum. Weil es dort keinen Ausstellungsbetrieb mehr gibt und das Modell nur noch eingelagert werden könnte, hat sich Stadtarchivleiter Matthias Kick an den Lichtenauer Modellclub gewandt: Vorsitzender Thomas Kohler und Michael Härger haben das Modell im Hanauer Museum persönlich abgeholt und nach Lichtenau transportiert. Sie gelten als „Spezialisten in Sachen MEG“. Thomas Kohler kündigte an, das Modell vom Sundheimer Bahnhof bei einer eigenen Ausstellung zu zeigen. Mit der Leihgabe sollen Modellbaufans die Möglichkeiten bekommen, sich den Sundheimer Bahnhof anschauen zu können. Zu einem späteren Zeitpunkt soll es dann wieder nach Kehl zurückkehren.


