Unternehmerforum

Unternehmerforum in der Diakonie Kork: Wie soziale Marktwirtschaft und gesellschaftlicher Zusammenhalt gelingen können

(v.l.n.r.) Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp, Dennis Radtke (Mitglied des Europäischen Parlaments, Vorsitzender der Christlich‑Demokratischen Arbeitnehmerschaft und Mitglied im CDU-Bundesvorstand), Frank Stefan (Vorstandsvorsitzender der Diakonie Kork) und Oberbürgermeister Wolfram Britz beim Unternehmerforum in der Diakonie Kork.

Lassen sich soziale Verantwortung und wirtschaftlicher Erfolg miteinander vereinbaren? Und wie steht es in Zeiten multipler Krisen um die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft und den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Diese drängenden Fragen standen im Mittelpunkt eines Unternehmerforums, zu dem Oberbürgermeister Wolfram Britz und Wirtschaftsförderer Christoph Hodapp unter dem Motto „Wirtschaft. Verantwortung. Zukunft“ in die Räumlichkeiten der Diakonie Kork eingeladen hatten.

Dass soziale Verantwortung und wirtschaftliches Denken keinen Widerspruch darstellen, sondern sich ideal ergänzen können, machte Gastgeber Frank Stefan deutlich. Der Vorstandsvorsitzende der Diakonie Kork skizzierte vor rund 40 Gästen im ehemaligen evangelischen Gemeindehaus, das heute als „Anselm 4.0“ von der Diakonie betrieben wird, die Entwicklung des „für viele Kehlerinnen und Kehler unbekannten Wesens Diakonie“. Durch großherzoglichen Erlass 1892 als Anstalt für „auffällige“ Kinder und Jugendliche gegründet, entwickelte sich die Einrichtung über viele Jahrzehnte zu einem der bedeutendsten Epilepsiezentren in Deutschland.
In den Anfangsjahren lag der Fokus auf der Pflege und Erziehung von jungen Menschen mit besonderem Unterstützungsbedarf. Heute umfasst das Leistungsspektrum neben der medizinischen Versorgung in der als Exzellenzzentrum anerkannten Epilepsieklinik auch Wohn- und offene Hilfsangebote mit sozialarbeiterischer Unterstützung, Werkstätten sowie integrative Bildungsangebote wie den Oberlin-Schulverband. Zudem bietet die Diakonie ein breites Feld von Ausbildungsberufen: Rund 300 Menschen bereiten sich in Kork auf ihre berufliche Zukunft vor, 80 Prozent davon haben internationale Wurzeln. „Ohne unsere internationalen Mitarbeitenden wären wir komplett aufgeschmissen“, fasste Frank Stefan die Situation zusammen. Von den rund 2000 Mitarbeitenden kommen etwa 400 aus nicht-europäischen Ländern – und sind unverzichtbar. Besonders stolz ist der Vorstandsvorsitzende darauf, dass die Diakonie im eigenen Inklusionsunternehmen Textil-Service Kork Menschen mit Schwerbehinderung eine nach Tariflohn entlohnte Beschäftigung im ersten Arbeitsmarkt ermöglicht.
Als Teil der evangelischen Kirche sei die Diakonie Kork in ihrer täglichen Arbeit von christlicher Nächstenliebe geprägt. „Wir möchten ein Stückchen von der Liebe Gottes in der Welt spürbar werden lassen“, fasste Frank Stefan das Selbstverständnis zusammen. Unternehmensentscheidungen seien stets wertegeleitet: christlich, kompetent, innovativ, zukunftsorientiert, teilhabeorientiert, vielfältig, respektvoll, nachhaltig – diese Werte prägen das Leitbild und den Erfolg des Unternehmens. Dass soziales Engagement und wirtschaftlicher Erfolg Hand in Hand gehen können, belegen die Zahlen: Mit einem Jahresumsatz von rund 123 Millionen Euro ist die Diakonie Kork nicht nur ein äußerst erfolgreiches Unternehmen, sondern auch Kehls größter Arbeitgeber.

Als Keynote-Speaker war Dennis Radtke, Mitglied des Europäischen Parlaments, Vorsitzender der Christlich‑Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) und Mitglied im CDU-Bundesvorstand, nach Kork gekommen. Dennis Radtke gilt als eine der profiliertesten Stimmen Deutschlands, wenn es um die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft geht. In seinem Vortrag warnte er eindringlich vor einem Auseinanderdriften der Gesellschaft und plädierte für mutige Reformen, die von der gesamten Bevölkerung getragen werden müssten. Nur so könne in Zeiten großer geopolitischer und wirtschaftlicher Herausforderungen der gesellschaftliche Zusammenhalt gestärkt werden. Zudem betonte er, dass Demokratie die aktive Unterstützung aller benötige, und es immens wichtig sei, noch besser zu kommunizieren und Debatten nicht aus dem Weg zu gehen.