Arbeitskreis Wärme, Energie und Klima
„In der Königsklasse“: Neues Verwaltungszentrum soll besonders energieeffizient werden
Von der Gebäudehülle über die Wärmeversorgung bis hin zur CO₂-Bilanz: Das geplante Verwaltungszentrum soll höchsten Ansprüchen an Energieeffizienz und Nachhaltigkeit gerecht werden. In der Sitzung des Arbeitskreises Wärme, Energie und Klima stellte Martin Ufheil vom Planungsbüro solares bauen das Energie- und Raumklimakonzept des geplanten Verwaltungszentrums vor. Über den aktuellen Stand ihrer Arbeit berichteten zudem die städtischen Energiemanager Eva-Maria Löhrmann und Michael Bunkus, die städtische Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagerin Sofia Späth sowie der Erste Beigeordnete Thomas Wuttke in seiner Funktion als kaufmännischer Geschäftsführer der Wärmegesellschaft Kehl.
Die Entwurfsplanung für das neue Verwaltungsgebäude ist noch nicht ganz abgeschlossen, steht jedoch kurz vor dem Ende. Nach aktuellen Berechnungen wird der Bau den Zielwert für den Energiebedarf eines Effizienzgebäudes 40 um 43 Prozent unterschreiten. Der Zielwert des Gebäudemodernisierungsgesetzes wird nach den Berechnungen sogar um 58 Prozent unterschritten. „Was die Effizienz angeht, spielt das Gebäude in Kehl in der Königsklasse mit“, betonte der Erste Beigeordnete Thomas Wuttke.
Zuerst stand im Raum, die Gebäudehülle nach dem strengen Passivhausstandard zu planen. Mit Blick auf die Kosten und die Produktverfügbarkeit entschied man sich dazu, leicht davon abzuweichen und einzelne Anforderungen nicht zu übernehmen. Stattdessen wird auf ein wirtschaftlich optimiertes Energiekonzept gesetzt, das die Kriterien eines staatlich geförderten Effizienzgebäudes 40 erfüllt – und deutlich weniger Energie benötigt, als ein Effizienzgebäude 40 vorgibt. Etwa sollen weniger teure Fenster zum Einsatz kommen, die nur etwas weniger stark dämmen als im Passivhausstandard vorgesehen. Auch bei der Lüftungstechnik lässt sich Geld sparen: Die geplanten Geräte haben zwar keine Passivhauszertifizierung, bieten aber eine vergleichbare Qualität. Die Lüftungsanlage soll überdies mehr als 80 Prozent der Wärme aus der Abluft zurückgewinnen können und damit den Heizbedarf verringern. Damit möglichst wenig der Wärme verloren gehen kann, erhalten die Außenwände eine 24 Zentimeter starke Mineralfaserdämmung, das Dach eine 30 Zentimeter starke.
Neben einem niedrigen Energieverbrauch soll das Konzept auch angenehme Arbeitsbedingungen gewährleisten – insbesondere angesichts zunehmend heißer Sommer. Dafür hat das Planungsbüro mit einer Gebäudesimulation untersucht, wie sich unter anderem Verglasung, Sonnenschutz und Gebäudetechnik auf die Raumtemperaturen auswirken. Grundlage waren prognostizierte Wetterdaten für das Jahr 2045. Das Ergebnis: Ohne Kühlung würden die Temperaturen in den untersuchten Räumen an mehr als 350 Stunden im Jahr über 26 Grad steigen. Das könne die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden erheblich beeinträchtigen, erläuterte Martin Ufheil. Zur Kühlung soll deshalb Grundwasser genutzt werden, das über einen Saugbrunnen gefördert wird. Das sei besonders energieeffizient. Die Kühle soll über ein Fußboden-Heiz-Kühlsystem in Kombination mit einer Zuluftkühlung in die Räume gelangen.
Einen Teil des benötigten Stroms soll eine Photovoltaikanlage auf dem Dach liefern. Geplant sind rund 490 Quadratmeter Modulfläche mit einer Leistung von 115 Kilowattpeak. „Ein Batteriespeicher könnte später ebenfalls nachgerüstet werden“, führte Martin Ufheil aus. Stromsparende LED-Beleuchtung gehört ebenfalls zum Konzept.
Wie klimafreundlich das Gebäude ist, hängt nicht nur von seinem Energieverbrauch im Betrieb ab. Betrachtet wurde auch die Ökobilanz, die den gesamten Lebenszyklus berücksichtigt. In sie fließen unter anderem die Emissionen ein, die bei der Herstellung der Baustoffe, beim Bau, während der Nutzung sowie beim späteren Rückbau und der Entsorgung entstehen. Untersucht wurden eine Massiv- und eine Holzbauweise. Die Wahl fiel auf einen Hybridbau: Nichttragende Elemente wie die Außenwände und Teile des Dachs sollen aus Holz gefertigt werden. Unter anderem für den Gebäudekern, tragende Wände und die Terrasse ist Beton vorgesehen. Nach aktuellem Planstand liegt die CO₂-Bilanz der Hybridbauweise bei 17,45 Kilogramm pro Quadratmeter und Jahr. Damit bleibt das Gebäude deutlich unter dem Grenzwert von 22,9 Kilogramm.
Zudem wird eine Silber-Zertifizierung der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) angestrebt. Neben Energieverbrauch und CO₂-Bilanz spielen unter anderem die Barrierefreiheit, die Raumluftqualität, der Ressourcenverbrauch und die langfristigen Kosten eine Rolle. Nach Ansicht von Martin Ufheil erfüllt das Konzept sicher die Voraussetzungen für eine KfW-Förderung für Nichtwohngebäude. Dafür könnten rund 550 000 Euro fließen. Durch das Nachhaltigkeitszertifikat der DGNB könnten nach Abzug des zusätzlichen Aufwands weitere rund 200 000 Euro hinzukommen.
Sachstandsberichte
Über die Energieversorgung und die energetische Verbesserung städtischer Gebäude berichteten Michael Bunkus und Eva-Maria Löhrmann vom Energiemanagement in der Sitzung. Der Photovoltaik-Ausbau geht weiter voran: Zu den Anlagen auf der Josef-Guggenmos-Schule und der Grundschule Auenheim kamen kürzlich weitere auf dem Rathaus, der Stadthalle und der Flüchtlingsunterkunft in Schneeflären hinzu. Zusammen haben die Anlagen eine Leistung von rund 158 Kilowattpeak. Weitere Anlagen sind auf dem Schuttermühlkanalpumpwerk, der Mehrzweckhalle Zierolshofen und dem Kindergarten Vogesenallee vorgesehen. Auch für den Kindergarten und das Feuerwehrgebäude in Bodersweier laufen Planungen. Zusätzlich übernimmt die Stadt bestehende Anlagen von Dritten: auf der Tulla-Realschule zum 1. November sowie auf dem Betriebshof und der Mediathek zum 1. Januar 2027. Auch der Austausch fossiler Heizungen ist Aufgabe des Energiemanagements. In den Rathäusern Leutesheim und Bodersweier, im Verwaltungsgebäude am Kehler Friedhof und im Kindergarten Niedereich sind bereits Wärmepumpen im Einsatz. Für die Alte Schule in Bodersweier ist in diesem Jahr eine Pelletanlage vorgesehen und die Gebäude auf dem Schulareal in Kork sollen über ein Nahwärmenetz miteinander verbunden werden. Um den energetischen Zustand der städtischen Gebäude zu erfassen und Sanierungsbedarf und -kosten einzuschätzen, setzt das Energiemanagement in Zukunft auf die Software „Plan4 Gebäudecheck“. Auf Grundlage eines Gebäudesteckbriefs können Maßnahmen nach energetischem Nutzen und Kosten priorisiert werden.
Thomas Wuttke, Erster Beigeordneter und kaufmännischer Geschäftsführer der Wärmegesellschaft Kehl, gab einen Ausblick auf den geplanten Ausbau des Fernwärmenetzes. 2027 wird es von der Stadthalle bis zum Hochhaus in der Honsellstraße erweitert. Entlang dieser Strecke liegen insgesamt 35 Wohnhäuser, die künftig mit Fernwärme versorgt werden könnten. „Für Hausbesitzerinnen und -besitzer ist das eine gute Gelegenheit, sich kostengünstig anzuschließen“, sagte Thomas Wuttke. Im Mai 2027 beginnen die Arbeiten in der Jahnstraße und in Teilen der Herrmann-Dietrich-Straße. Wer Interesse hat, kann sich an die Wärmegesellschaft Kehl wenden. Außerdem soll am Drainagepumpwerk in der Graudenzer Straße in Zukunft eine weitere Heizzentrale entstehen.
Auch die städtische Klimaschutz- und Klimaanpassungsmanagerin Sofia Späth war in der Sitzung zu Gast und berichtete von ihrer Arbeit in den vergangenen sechs Monaten. Dazu gehörten unter anderem ein Klimafrühstück im Rahmen der Nachhaltigkeitswochen der Diakonie sowie interne Schulungen zu Klimaschutz und Klimaanpassung. An den Schulungen nahmen 30 Mitarbeitende der Stadt teil. Gemeinsam mit der Straßburger Agence du Climat wurde außerdem ein grenzüberschreitender Klimaspaziergang angeboten. Die Kampagne „Ihr Haus unter der Klima-Lupe!“ richtet sich in diesem Jahr an die Ortschaften Bodersweier, Querbach und Zierolshofen und startet am 2. November. Hausbesitzerinnen und -besitzer können sich zu Themen wie Sanierung, Heizen, Photovoltaik, Energiesparen und Fördermitteln beraten lassen.
Zum Nachhören im Infocast (ab Minute 02:45)

