Arbeitskreis Radverkehr

Radschnellweg, Straßenzustand und Querungshilfen Themen im AK Radverkehr

Wie weit ist die Planung des Radschnellwegs von Offenburg nach Straßburg? Wie geht es in der Hafenstraße voran und welche für Radfahrende wichtige Straßen werden in diesem Jahr saniert? Mit diesen und weiteren Themen hat sich der Arbeitskreis Radverkehr bei seinem jüngsten Treffen beschäftigt, zu dem Beigeordneter Thomas Wuttke und Radverkehrskoordinator Felix Rhein auch neue Mitglieder begrüßen durften. Diese hatten teilweise bereits im Vorfeld ihre Anliegen eingebracht: Zum Beispiel den schlechten Zustand der Rustfeldstraße, wo die Schlaglöcher für Radlerinnen und Radler zur Gefahr werden können.

Die Fahrradboxen hinter dem Bahnhof wurden immer wieder aufgebrochen und beschädigt. Daher sollen die neuen, kurzfristig per App buchbaren Boxen, auf dem Bahnhofsvorplatz installiert werden.

Radschnellweg

Nicht zum ersten Mal stand der Radschnellweg von Offenburg nach Straßburg auf der Tagesordnung des Gremiums, das zu den ältesten Bürgerbeteiligungsformaten in Kehl gehört. Zwar konnte Felix Rhein berichten, dass der Ortenaukreis die Vergabe der Planungsleistungen bald abschließe, doch ist es bis zu einem Baubeginn noch lange hin. Das zeigt schon die Tatsache, dass der Radschnellweg über die neu zu bauende Europabrücke in die französische Nachbarstadt geführt werden soll. Diese soll – hier gehen deutsche und französische Vorstellung noch etwas auseinander – in zehn bis 15 Jahren dem Auto- und Radverkehr sowie Fußgängern und -gängerinnen zur Verfügung stehen.

Was den Verlauf des Radschnellwegs auf Kehler Gemarkung angeht, so präferiert die Stadtverwaltung, wie Thomas Wuttke erläuterte, einen Verlauf über den Kinzigdamm und die Wirtschaftswege, durch die Vogesenallee und die bereits eingerichteten Fahrradstraßen. Verbindlich festgelegt wird der Trassenverlauf durch den Gemeinderat dann, wenn bei der Planung die sogenannte Leistungsphase 2 erreicht ist, denn die Stadt muss sich an den Details orientieren, die vom Fachplaner vorgestellt werden. Felix Rhein kann sich gut vorstellen, dass die Trasse auf Kehler Stadtgebiet vor der neuen Europabrücke fertiggestellt und der Radschnellweg dann übergangsweise über die Trambrücke geführt wird. Auf Nachfrage von Arbeitskreismitgliedern erklärte der städtische Radverkehrskoordinator, dass der Radschnellweg wohl auf der Südseite der neuen Europabrücke vorgesehen und auf jeden Fall als reiner Radweg ausgewiesen werde. Ein kombinierter Rad- und Fußweg sei bei einem Radschnellweg ausgeschlossen.

Radweg entlang der Hafenstraße

1,8 Kilometer lang soll der neue Radweg entlang der Hafenstraße werden. Er wird ab der Bahnunterführung Nähe Bahnhof über den Kreisel an der Carl-Benz-Straße hinweg bis zum Kinzigdamm führen. Gebaut wird der Radweg als gemeinsames Projekt der Stadt Kehl, des Ortenaukreises und der Kehler Hafens. Der habe ein großes Interesse daran, dass mehr Arbeitnehmende ihren Arbeitsplatz mit dem Fahrrad anstatt mit dem Auto ansteuern, begründete Felix Rhein das Engagement.

Querungshilfen

Bereits erleichtert wurde für Radlerinnen und Radler die Querung der Daimlerstraße auf Höhe der Hertzstraße. Priorisiert wird – aufgrund eines Unfalls – der Bau der einer Querungshilfe im Bereich Daimler- und Willstätter Straße noch im laufenden Jahr. Hier sähen sich Rad- und Autofahrende gegenseitig jeweils zu spät, kritisierten Mitglieder des Arbeitskreises und regten an, die Höchstgeschwindigkeit in diesem Bereich ebenfalls auf 50 Stundenkilometer zu beschränken. Der kurze Abschnitt, auf dem 70 Stundenkilometer erlaubt seien, bringe nichts, weil im Bereich des Kauflands wieder Tempo 50 gelte. Eine Querungshilfe am Ortseingang von Querbach, in der Albert-Walter-Straße ist derzeit im Bau.

Radabstell- und Radserviceanlagen

Fünf Radservice-Stationen gibt es inzwischen in Kehl; die Säulen mit Werkzeug und Luftpumpen würden häufig genutzt, berichtete Felix Rhein. 45 neue Standorte für Radabstellanlagen befinden sich derzeit im Abstimmungsprozess; die Fahrradbügel sollen noch in diesem Jahr montiert werden. Auf dem Marktplatz wird es dabei die größte Anzahl an neuen Bügeln geben, weil die Hochschule eine Dependance über dem Drogeriemarkt Müller eröffnet. Auch an der Falkenhausenschule und am Kernstadtfriedhof sind neue Anlagen vorgesehen. Schwieriger ist es im Bahnhofsbereich: Zunächst muss dort der Standort für eine Schnellladestation für E-Autos geklärt werden. Die neuen kurzfristig per App buchbaren Fahrradboxen sollen von der Rückseite des Bahnhofs auf den Vorplatz geholt werden. Der belebtere Standort und neue Boxenmodelle sollen die Sicherheit für die abgestellten Zweiräder erhöhen. Seit einiger Zeit werden die bestehenden Fahrradboxen auf der Bahnhofsrückseite immer wieder aufgebrochen. Im Kasernenareal sind ebenfalls zusätzliche Bügel vorgesehen, wobei Felix Rhein die Mitglieder des Arbeitskreises ermunterte, die Abstellanlage vor dem neuen Landratsamt gerade außerhalb der Öffnungszeiten mit zu nutzen. Auch bei den Veranstaltungshallen in den Ortschaften wird derzeit geprüft, ob dort Abstellanlagen für Räder möglich sind, berichtete Felix Rhein.

Ladestationen für E-Bikes werden bei der Stadt dagegen eher kritisch gesehen: Die Akkus haben heute lange Laufzeiten und Einheimische nutzten die Steckdosen zu Hause; Touristen könnten das Aufladen in der Regel in ihren Unterkünften erledigen.

Diskussion

Wie unterschiedlich die neuen – und vom AK Radverkehr mitinitiierten Fahrradstraßen – gesehen werden, zeigte die Diskussion: So baten Mitglieder darum, in der Richard-Wagner-Straße Parkplätze zu entfernen, weil Radfahrer bei Gegenverkehr derzeit in Richtung Bordstein gedrängt würden. Die Anwohner jedoch wollten, dass die Parkflächen im Straßenraum erhalten blieben. Bei der nächsten Beradelung mit dem AK Radverkehr soll die Situation vor Ort angeschaut werden.

Als die Werderstraße zur Fahrradstraße wurde, wurden dort drei Parkplätze weggenommen. Das wiederum habe dazu geführt, dass die Autofahrer dort nun schneller unterwegs seien, berichtete Lisa Unterhaslberger, die den Bereich Verkehrswesen bei der Stadt leitet: „Man muss aufpassen, Parkplätze können auch bremsende Wirkung haben.“

In der Fußgängerzone sollten Radfahrende auf einem bestimmten Streifen konzentriert werden, um die Sicherheit der Fußgängerinnen und -gänger zu erhöhen, lautet ein Vorschlag aus der Gruppe. Das wäre zwar ein Kompromiss, der aber nicht helfe, meinte Thomas Wuttke: „Der echte Kompromiss heißt Rücksichtnahme.“

Um Kompromisse geht es auch bei den Schwellen, die Radfahrende in Querungsbereichen, zum Beispiel an der B28 stören: 14 Bordsteine hat ein Teilnehmer von der Kinzig- bis zur Trambrücke gezählt, „ein Unding“, wie er befand, weil die Fahrt mit dem Rad der Bewältigung eines Hindernisparcours gleiche und – zusammen mit den Ampeln – viel zu viel Zeit beanspruche. Für Menschen mit starken Einschränkungen beim Sehen seien die Schwellen sehr wichtig, damit sie nicht plötzlich auf einer Straße stünden, erläuterte Thomas Wuttke – „wir haben die schnelle Lösung noch nicht gefunden“.

Prüfung sagte Thomas Wuttke im Falle der Straßenlampen im Bereich der Neumühler Brücke zu: Ein Arbeitskreismitglied hatte bemängelt, dass diese zu Zeiten in Betrieb seien, in denen es hell sei, abends und nachts aber nicht leuchteten.

Rustfeldstraße

Dass die vielfach geflickte Rustfeldstraße mit neuen Frostaufbrüchen und Schlaglöchern aus dem vergangenen Winter für Radfahrer eine Gefahr darstellt, darauf wies ein anderer Teilnehmer am Arbeitskreis hin. Dies gelte vor allem deshalb, weil die kleine Straße von Autofahrerinnen und -fahrern zunehmend als Umfahrung der Vogesenallee genutzt werde, seit dort Tempo 30 gelte. Aufgrund der Schlaglöcher und der abbrechenden Bankette könnten Radler kaum sicher ausweichen; wenn die Löcher nach Regen noch mit Wasser gefüllt und die Ränder nicht sichtbar seien, ergeben sich eine besonders kritische Situation. Thomas Wuttke machte im Arbeitskreis keine Hoffnung, dass hier schnell Abhilfe geschaffen werden könne: Gemäß der Prioritätenliste würden zunächst die Friedhofstraße und die Allmendzeilstraße (beides Fahrradstraßen) saniert.

Info

Das Stadtradeln beginnt am 1. Mai und dauert bis zum 21. Wie schon in den Vorjahren geht es darum, dass die Teilnehmenden in diesen drei Wochen möglichst viele Kilometer mit dem Rad anstatt mit dem Auto zurücklegen. Felix Rhein hofft, dass Kehl 2026 die 100 000-Kilometer-Marke knackt, nachdem 2025 etwas mehr als 90 000 Kilometer zurückgelegt wurden.