Arbeitskreis Wärme, Energie und Klima

Strom und Material einsparen: Arbeitskreis Wärme, Energie und Klima thematisiert Nachhaltigkeitsprojekte

Die Kreislaufwirtschaft und damit verbunden die Frage, wie sich der Material- und Rohstoffverbrauch sowie die Abfallproduktion verringern lassen, war das übergreifende Thema der Sitzung des Arbeitskreises Wärme, Energie und Klima. Dazu stellten Studierende der Hochschule Kehl ein Fachprojekt und Lena Fuhg, Doktorandin am Karlsruher Institut für Technologie, ein Forschungsprojekt vor. Außerdem erfuhr der Arbeitskreis, wie sich der Energieverbrauch der Stadt entwickelt hat und was in Sachen Klimaschutz und -anpassung getan wird.

Studierende stehen vor Mitgliedern des Arbeitskreises Wärme, Energie und Klima im Bürgersaal.
Was geschieht mit ausgedientem Büroinventar? Eine Gruppe Studierender der Hochschule Kehl stellte dem Arbeitskreis ein Fachprojekt mit Lösungsvorschlägen vor.

Stadt senkt ihren Stromverbrauch

Die Stadt Kehl einschließlich ihrer Eigenbetriebe verfügt über einen Bestand von rund 140 eigenen Gebäuden. In der Zeit von 2019 bis 2024 konnte die Stadt ihren Stromverbrauch von 9,3 Gigawattstunden im Jahr auf acht Gigawattstunden jährlich reduzieren. Dies gelang beispielsweise durch die Umstellung der Straßenbeleuchtung von Natriumdampflampen auf LED-Technik. Im selben Zeitraum nahm der Verbrauch an Heizenergie allerdings um rund 8 Prozent zu. Das Team des städtischen Energiemanagements führt den Anstieg unter anderem darauf zurück, dass seit 2019 vier neue Erdgasabnahmestellen eingerichtet wurden sowie ein Zuwachs an Gebäudeflächen zu verzeichnen war. Indirekt spielt hier auch der russische Überfall auf die Ukraine eine Rolle.
Über die von der Bundesregierung angeordneten Energiesparmaßnahmen zur Sicherstellung der Energieversorgung hinaus verpflichtete sich die Stadt Kehl 2022 angesichts der stark angestiegenen Energiekosten dazu, Energie einzusparen, indem beispielsweise in Sporthallen sowie in den Verwaltungsgebäuden das Warmwasser abgedreht wurde. In der Folge sank der Heizenergieverbrauch von 11,6 Gigawattstunden im Jahr 2021 auf 10,6 Gigawattstunden im Folgejahr. Auf die Aufhebung der Sparmaßnahmen folgte 2024 ein Anstieg des Heizenergieverbrauchs auf 11,4 Gigawattstunden. Die Energiekosten stiegen innerhalb eines Jahres aufgrund der enormen Preissteigerungen auf dem Energie- und Rohstoffmarkt rasant in die Höhe. Schlugen sie 2022 mit etwa zwei Millionen Euro zu Buche, waren die Kosten 2023 mit vier Millionen Euro doppelt so hoch. Größte Kostentreiber waren Strom und Erdgas.
Die Stadtverwaltung Kehl hat sich das Ziel gesetzt, bis 2035 klimaneutral zu werden. Wie das erreicht werden soll, ist unter anderem in dem im November 2025 verabschiedeten Klimaschutzkonzept beschrieben. Beispielsweise soll verstärkt auf Technologien wie Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen gesetzt werden. So sollen die Erwin-Maurer-Halle in Zierolshofen, die Kita an der Vogesenallee und das Schuttermühlkanalpumpwerk bis Ende 2026 mit Solaranlagen ausgestattet werden. Außerdem übernimmt die Stadt bereits verbaute PV-Anlagen auf dem Betriebshof, auf der Tulla-Realschule sowie auf der Mediathek. Die Ölheizungen im Verwaltungsgebäude auf dem Kernstadt-Friedhof und dem Kindergarten Niedereich sollen durch Wärmepumpen ersetzt werden; die Alte Schule in Bodersweier erhält eine Pelletheizanlage. Damit setzt die Stadtverwaltung ihren Weg in Richtung Klimaneutralität fort.

Second-Hand-Mentalität in Amtsstuben bringen

Indem sie gut erhaltene Möbel aus zweiter Hand sowie gebrauchte, aber nach wie vor einsatzfähige Geräte bis hin zu Fahrzeugen nachnutzen, können Stadt- und Gemeindeverwaltungen einen Beitrag zum schonenden Umgang mit Ressourcen leisten. Wie genau das in der Praxis funktionieren könnte, präsentierten Studierende der Hochschule den Mitgliedern des Arbeitskreises. Eine Umfrage der Studierenden unter 15 Städten und Kommunen zeigte, dass knapp ein Drittel der Befragten bereits Büroinventar in gebrauchtem Zustand anschafft. Dass der Anteil nicht höher ausfällt, führen die Studierenden darauf zurück, dass oftmals die Möglichkeiten fehlen, um gebrauchtes Inventar bis zur Nachnutzung zwischenzulagern. „Das Bewusstsein ist da, es fehlt allerdings an verbindlichen Vorgaben und Strukturen“, resümierten die Studierenden einen weiteren Grund. Ihr Lösungsansatz: Die Weitergabe von gebrauchtem, städtischem Inventar soll mittels einer Abgabehierarchie organisiert werden. „Grundsätzlich ist die Weitergabe gebrauchten und gut erhaltenen Inventars sinnvoll“, zeigten sich die Mitglieder des Arbeitskreises aufgeschlossen. Bevor jedoch darüber nachgedacht werden könne, ein derartiges System für die Stadt Kehl zu übernehmen, müssten zunächst noch einige offene Fragen etwa zum Datenschutz bei der Weitergabe von IT-Geräten sowie Haftungsfragen geklärt werden.

Ein Recyclingnetzwerk für mehr Kreislaufwirtschaft

Eine ganz andere Form der Nachnutzung stellte Doktorandin Lena Fuhg vom KIT dem Arbeitskreis vor: hochqualitative Sekundärrohstoffe. Dabei geht es um Wertstoffe, die durch Recycling aus Abfällen gewonnen werden. Ein Beispiel hierfür ist Beton aus Bau- und Abbruchabfällen, der aufbereitet und anschließend für den Straßenbau wiederverwendet wird. Durch diese Art des Recyclings lässt sich der Ressourcenverbrauch reduzieren und Deponien sowie Recyclinghöfe entlasten. Anhand einer Umfrage zeigte Lena Fuhg jedoch auf, dass unter den Recyclingunternehmen für Bau- und Abbruchabfälle eine verhaltene Innovationsbereitschaft herrscht. Der Grund: hohe Kosten und schwache Märkte. Wie also lässt sich das volle Potenzial der Kreislaufwirtschaft und damit ihr Beitrag zur bis 2040 landesweit angepeilten Klimaneutralität ausschöpfen? Dazu hat die Forschungsgruppe um Lena Fuhg ein Konzept sogenannter regionaler Sekundärrohstoffzentren entwickelt. In diesen Zentren wird dann aus Betonbruch, also zerkleinertem Altbeton, ein hochwertiges Rezyklat. Ein hohes Einsparungspotenzial sehen die Forschenden auch beim Porenbeton. Die Standorte der Zentren sollen strategisch gewählt werden und sich daran orientieren, wo die größten Abfallmengen anfallen. Das wiederum reduziert Transportkosten und den CO2-Ausstoß. Den Aufbau eines regionalen Recyclingnetzwerks beschreibt Lena Fuhg als „wirtschaftlich sinnvoll“.