Hilfe für Wohnungslose
Unterstützung für wohnungslose Menschen in Kehl wird ausgebaut
Wie können Menschen ohne eigenen Wohnsitz noch besser unterstützt werden? Nicht immer ist es mit der Unterbringung in einer Unterkunft getan. Mit der Wohnungsnot gehen häufig auch psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen einher. Durch einzelne Hilfsangebote lassen sich diese komplexen Probleme nur schwer lösen. Die Stadt Kehl startet deshalb eine Kooperation mit der Jugend- und Drogenberatungsstelle Kehl (DROBS) und der Reha Offenburg, der Gesellschaft zur Förderung psychisch Kranker. Im Mittelpunkt steht dabei das Angebot „Assistenz im Wohn- und Sozialraum“ (AWS) des Baden-Württembergischen Landesverbands für Prävention und Rehabilitation.
Derzeit leben 95 Menschen in mehr als 50 städtischen Unterkünften. Untergebracht sind dort sowohl Einzelpersonen in Wohngemeinschaften sowie Familien. Viele Betroffene wenden sich bereits an das städtische Obdachlosenwesen, bevor sie ihre Wohnung verlieren. Gründe dafür sind unter anderem Zwangsräumungen, Verschuldung, Trennungen oder es handelt sich um junge Erwachsene, die nicht länger im Elternhaus bleiben können. Hinzu kommt der angespannte Wohnungsmarkt. Bei einem Teil der Betroffenen gehen diese schwierigen Lebenslagen zudem mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen einher – genau für diese Menschen ist das Angebot „Assistenz im Wohn- und Sozialraum“ gedacht.
Ziel ist es, die Betroffenen zu befähigen, ihr Leben selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu führen. Dafür wird ihnen eine feste Bezugsperson zur Seite gestellt. Die Fachkräfte unterstützen bei organisatorischen Fragen – etwa bei Finanz- und Behördenangelegenheiten, bei der Inanspruchnahme psychischer Versorgung oder dabei, ärztliche Anordnungen umzusetzen. Darüber hinaus begleiten sie die Betroffenen auch ganz praktisch im Alltag, etwa beim Aufbau und Erhalt einer Tagesstruktur, bei der Freizeitgestaltung oder bei alltäglichen Aufgaben. Außerdem helfen sie beim Umgang mit Belastungssituationen. So soll die Lebensqualität der wohnungslosen Menschen Schritt für Schritt verbessert werden. „Wir löschen nicht nur akute Brände, sondern schaffen damit echte Perspektiven: Durch die vernetzte Begleitung können wir nachhaltige Veränderungen im Leben der Betroffenen erreichen“, erklärte Jannate Hammerstein, die damalige kommissarische Leiterin des städtischen Sozialwesens.
Die Vermittlung erfolgt dabei bedarfsgerecht: Wohnungslose Menschen mit Suchtgefährdung werden an die DROBS angebunden, Menschen mit psychischen Erkrankungen an die Reha Offenburg. Finanziert wird das Angebot über die Eingliederungshilfe des Ortenaukreises. Barbara Le Coz-Holzbauer vom städtischen Obdachlosenwesen unterstützt die Betroffenen bereits im Alltag – etwa bei Behördenangelegenheiten oder organisatorischen Fragen. Doch insbesondere bei Menschen mit komplexeren Problemlagen stoße die reguläre Unterstützung an Grenzen. Die erweiterte Kooperation erleichtere die Arbeit deshalb deutlich: „Ich bin froh, die Betroffenen zusätzlich intensiver betreut und langfristig begleitet zu wissen“, sagt die Sozialarbeiterin. Durch die regelmäßigen Hausbesuche und die Begleitung im Alltag entstünden oft neue Routinen und erste Erfolgserlebnisse, die den Betroffenen wieder mehr Stabilität geben, erklärt Hannes Krüger, Leiter der Jugend- und Drogenberatung des bwlv: „Die aktive Hilfe im Alltag und die Ausübung dieser kleinen Tätigkeiten mit den Klienten trägt wesentlich zur Verbesserung des Wohlbefindens bei, erhöht die Selbstwirksamkeit und motiviert sie zu weiteren Schritten“, erklärt der Gesundheitspädagoge. Jannate Hammerstein zeigt sich überzeugt von der neuen Kooperation: „Damit setzen wir bewusst auf ein eng verzahntes Netzwerk statt auf parallele Strukturen. Gemeinsam mit der DROBS und der Reha Offenburg entsteht ein starkes Dreigespann“, sagt sie.
