Routineinspektion der Passerelle (mit Video)

Routineinspektion der Passerelle des Deux Rives: Sicherheitscheck unter Extrembedingungen

In luftiger Höhe kontrollieren die Industriekletterer alle Spannseile der Passerelle des Deux Rives.

Die Sonne steht senkrecht über dem Rhein, das Thermometer klettert auf weit über 30 Grad. Aber für Femke Duval und ihr Team gibt es nur kurze Trinkpausen. Seit den frühen Morgenstunden sind die Brückeninspekteure auf der Passerelle des Deux Rives im Einsatz. Am Montag (22. Juni) ist die Fußgängerseite gesperrt, am Dienstag (23. Juni) folgt die Radfahrerseite. Anlass ist die turnusmäßige Inspektion, die alle sechs Jahre vorgeschrieben ist, und die sich in diesem Jahr besonders anspruchsvoll gestaltet. Nicht wegen der Brücke selbst, sondern wegen des Wetters.

„Eine Inspektion wird regelmäßig verlangt, um die Entwicklung der Konstruktion zu verfolgen“, erklärt Femke Duval, die bereits die letzte Hauptprüfung vor sechs Jahren geleitet hat. Hinter der routinemäßigen Kontrolle steckt aber mehr als die reine Dokumentation des Bauwerkszustands. „Es geht darum, mögliche Schäden frühzeitig zu erkennen, Unfälle zu vermeiden und die Sicherheit für alle zu gewährleisten.“
Die Passerelle des Deux Rives ist mehr als ein Bauwerk über den Rhein. Als Herzstück der grenzüberschreitenden Landesgartenschau 2004 wurde sie vom Pariser Architekten Marc Mimram entworfen und verbindet seit ihrer Einweihung die Städte Kehl und Straßburg. Sie gilt als Symbol der deutsch-französischen Freundschaft und wird täglich von zahlreichen Fußgängern und Radfahrern genutzt. Entsprechend wichtig ist ihre regelmäßige Überprüfung. „Die Brücke ist sehr gut instandgehalten. Wir sind hier, um sicherzustellen, dass auch weiterhin alles in Ordnung ist“, betont Femke Duval.
Während der zweitägigen Inspektion nehmen die Expertinnen und Experten sämtliche tragenden Spannseile sowie die Stahlkonstruktion unter der Brücke genau unter die Lupe. Dabei geht es um mehr als einen oberflächlichen Blick. Jede Dichtung, jede Verbindung und jede sichtbare Veränderung wird kontrolliert. „Wir prüfen den Zustand der Seile, die Abdichtungen müssen intakt sein und es darf keine auffälligen Verformungen geben“, erklärt die Ingenieurin. Besonderes Augenmerk gilt dabei dem größten Feind jeder Stahlkonstruktion: Wasser. Dringt Feuchtigkeit in beschädigte Schutzschichten ein, kann sich Rost bilden. Dieser greift das Metall an und verringert dessen Tragfähigkeit. Abplatzender Lack oder erste Korrosionsspuren gehören deshalb zu den häufigsten Schäden, nach denen gesucht wird. Femke Duval verweist in diesem Zusammenhang auf die potentiell gravierenden Folgen mangelnder Wartung und spektakuläre Brückeneinstürze im Ausland.

Vom Arm des Brückeninspektionsfahrzeugs aus haben die Fachleute freien Blick auf die Unterseite der Passerelle. 

Die Inspektion erfolgt abschnittweise. Am Montag wird die deutsche Seite untersucht, dafür ist die Fußgängerseite vorübergehend gesperrt. Tags darauf folgt die Straßburger Seite, dann wird die Radfahrerseite nicht nutzbar sein. Für Radfahrer wird eine Ausweichlösung eingerichtet: Über eine Rampe können sie ihre Fahrräder auf der Fußgängerseite über die Treppe schieben. „Zum Glück wird die Sperrung voraussichtlich zur Mittagszeit wieder aufgehoben sein“, betont Femke Duval.
Die Vorbereitungen für die eigentliche Prüfung sind aufwendig. Allein das Anbringen und Sichern der Seile für die Industriekletterer nimmt mehrere Stunden in Anspruch. Anschließend seilen sich die Kletterer an den Tragkabeln ab und prüfen Zentimeter für Zentimeter. Pro Brückenseite dauert die Kontrolle der Spannseile weitere drei bis vier Stunden.
Insgesamt sind acht Fachkräfte an der Inspektion beteiligt: vier Brückeninspekteure, drei Industriekletterer sowie ein Fahrer für das Brückeninspektionsfahrzeug. Anspruchsvoll ist auch die Arbeit unterhalb der Brücke. Mit einem speziellen Hubarm werden die Prüfer unter die Brücke gebracht. Dabei bleibt auf der Brücke kaum Spielraum. „Der Lkw mit seinem Inspektionsarm passt nur ganz knapp zwischen die beiden Brückengeländer“, berichtet Femke Duval.
Aber nicht alle Bauteile der Passerelle lassen sich von der Brücke aus erreichen. Deshalb folgt in den kommenden Wochen ein weiterer Kontrolltermin auf dem Wasser. Mit einem Boot werden die Experten die Brückenpfeiler anfahren und deren Zustand überprüfen. Dieser zweite Teil der Hauptinspektion soll voraussichtlich im Juli stattfinden.
Sollten die Fachleute während ihrer Untersuchungen schwerwiegende Schäden entdecken, würde die zuständige Behörde der Eurometropole Straßburg noch am selben Tag informiert. Aktuell deutet nichts darauf hin: „Bei dieser Brücke ist uns bislang nichts aufgefallen, das kurzfristig behoben werden müsste.“ Nach Abschluss aller Untersuchungen wird innerhalb von zwei Monaten ein offizielles Gutachten erstellt.
Die Passerelle des Deux Rives wird auch technisch immer wieder auf den neuesten Stand gebracht. Die Beleuchtung im Handlauf ist bereits auf energieeffiziente LED-Technik umgestellt, noch in diesem Jahr soll auch die Beleuchtung der Schrägseile auf LED umgerüstet werden. Den entsprechenden Auftrag hat die Eurometropole bereits ausgeschrieben.

Die Arbeiten im Video






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