Barrierefreiheit
Stadtbuslinien, Ganzjahresbad und Fußgängerampeln: Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung diskutiert zu mehr Barrierefreiheit
Wie geht es mit den Stadtbuslinien weiter? Wie barrierefrei wird das geplante Ganzjahresbad? Zu diesen Fragen diskutierte der Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung und schlug der Stadt zudem eine Idee vor, wie sich die Verkehrssicherheit für Menschen mit Beeinträchtigungen an Ampelübergängen erhöhen lässt.
Ganzjahresbad: Barrierefreiheit mitgedacht
Kurz vor der Sommerpause hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am 22. Juli, den Baubeschluss für das Ganzjahresbad gefasst. Bodo Kopp als Leiter der Technischen Dienste Kehl (TDK) stellte dem Beirat vor, wie das Bad auch für Besucherinnen und Besucher mit Beeinträchtigung zugänglich gemacht werden soll. Das beginnt bereits bei der Ankunft: Bodo Kopp kündigte an, dass vor dem Ganzjahresbad unter anderem Stellplätze für Elektrorollstühle entstehen sollen. Auch der Eintritt ins Bad soll möglichst barrierearm möglich sein. Mobilitätseingeschränkte Badegäste können dazu eine Durchgangstür in der Nähe der Kasse nutzen. „Das ist übrigens auch für Gäste mit Kinderwagen möglich“, ergänzte der TDK-Leiter und fügte hinzu, dass Badmitarbeitende bei Bedarf unterstützen können. Im Bad selbst wird es wieder einen Lift geben, der Menschen mit Beeinträchtigung ins Becken hinablässt. Außerdem sind die Rundwege im Bad auch im Hinblick auf Rollstuhlnutzerinnen und -nutzer geplant worden, versicherte Bodo Kopp. „Das Thema Barrierefreiheit wurde nicht vergessen.“ Auf die Kleiderordnung im Bad angesprochen, konkretisierte er: „Jemand, der aus medizinischen Gründen eine Kopfbedeckung braucht, beispielsweise weil er mit dem Kopf nicht unter Wasser darf, kann diese selbstverständlich aufsetzen.“ Das gilt bereits für Besuche im Freibad in Auenheim.
Diakonie-Haltestelle in Kork bleibt angebunden
In seiner Sitzung am 29. April hatte der Gemeinderat beschlossen, das Stadtbussystem aufgrund seines hohen Defizits von 1,7 Millionen Euro in seiner bisherigen Form einzustellen und die Verträge mit der SWEG bis zum Jahresende zu kündigen. Gleichzeitig wurde die Verwaltung damit beauftragt, eine Alternative zu konzipieren. Das gemeinsam mit der Firma Modus Consult und den Verkehrsunternehmen SWEG und RVS erarbeitete Konzept wurde am 14. Juli vom Gemeinderat beschlossen. Demnach werden die Stadtbuslinien weitestgehend eingestellt. Erhalten bleibt hingegen die Linie K4, wenngleich mit verändertem Linienverlauf. Zusätzlich ist die K9 als Anruflinientaxi-Linie für die entfallende K5-Linie vorgesehen. Im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Fahrplanwechsel beschäftigte den Beirat insbesondere die Frage, wie die Bedarfe von Menschen mit Beeinträchtigungen erhoben werden. Als Beispiel genannt wurden Menschen, die bei den Hanauerland-Werkstätten arbeiten und aufgrund ihrer Beeinträchtigung kein Autofahren können und deshalb auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind: „Wer bringt die Beschäftigten zu ihren Arbeitszeiten zu den Werkstätten?“ Der Erste Beigeordnete Thomas Wuttke verwies darauf, dass die Haltestelle vor der Diakonie Kork derzeit nicht nur von der Stadtbuslinie K5, sondern zusätzlich von der Regionalbuslinie 7136 angefahren wird. Für die künftige Stadtbuslinie ist das ein wichtiger Umstand: „Dort wo es bereits ein ÖPNV-Angebot durch den Landkreis gibt, werden wir keine K-Linie aufsetzen“, sagte Thomas Wuttke. Er empfahl daher, sich an den Tarifverbund Ortenau zu wenden. Die TGO nimmt die Bedarfsabfrage für die Nahverkehrsplanung der Regionalbuslinien vor.
Mehr Sicherheit an Fußgängerampeln
Beiratsmitglied Andreas Stiefel hatte einen Vorschlag, wie sich die Sicherheit von blinden oder stark sehbeeinträchtigten Menschen im Straßenverkehr weiter verbessern lässt. Dabei ging es um Ampelquerungen. In Kehl stehen vielerorts Akustikampeln, lobte Andreas Stiefel. Diese signalisieren deutlich hörbar, wenn die Ampel auf Grün schaltet und die Straße überquert wird. Allerdings bringt diese Lösung auch einige Fallstricke mit sich, wie Andreas Stiefel ausführte. Als Beispiel nannte er die Ampeln vor dem Bahnhof. Hier endet das Akustiksignal bereits, während die Grünphase noch andauert. Blinde oder stark sehbeeinträchtigte Menschen stellt das vor Herausforderungen. Sie können das Lichtsignal schließlich nicht erkennen und sind auf das akustische Signal angewiesen. Andreas Stiefel schlug daher vor, die Akustikampeln um ein Bluetooth-gestütztes Assistenzsystem zu ergänzen. Die Funktionsweise: Ein Handsender oder eine Handy-App verbinden sich mittels Bluetooth mit der Ampel und meldet der Nutzerin oder dem Nutzer, sobald sich diese oder dieser einer Lichtsignalanlage nähert. Das sogenannte Orientierungssignal kommt dabei entweder direkt aufs Handy oder ertönt für alle hörbar. „Ich verstehe, dass die Lärmbelästigung nervt“, sagte er. „Aber mich unterstützt das im Alltag total.“ Die aufgerüstete Ampel werde jedoch lediglich im Bedarfsfall lauter, also dann, wenn sich jemand mit der entsprechenden App oder dem Handsender nähert. Außerdem bietet die Anwendung laut Hersteller eine „bedarfsorientierte Grünphasenverlängerung“.

