Fernwärmenetz

Leitungsbau von der Stadthalle bis zur Honsellstraße: Start im Frühjahr 2027

Das Fernwärmenetz in Kehl soll erweitert werden. Im Frühjahr 2027 ist der Beginn für den rund 620 Meter langen Netzausbau von der Stadthalle über die Herrmann-Dietrich-Straße bis zum Hochhaus an der Honsellstraße vorgesehen. Entlang dieser Strecke liegen insgesamt 35 Wohnhäuser, die an das Fernwärmenetz angeschlossen werden könnten. Bei einer Informationsveranstaltung in der Stadthalle erläuterten Vertreterinnen und Vertreter der Wärmegesellschaft Kehl, welche Vorteile der Netzausbau mit sich bringt.

Besucherinnen und Besucher lauschen den Ausführungen von Susanne Heckelmann zum Fernwärmenetzausbau.
Ab welchem Zeitpunkt kann die Wärmegesellschaft Kehl erneuerbare Wärme liefern? Fragen wie diese trieb die Besucherinnen und Besucher des Infoabends um.

Derzeit produziert die Wärmegesellschaft, ein Gemeinschaftsunternehmen der Technischen Dienste Kehl und des Energieversorgers Badenova Wärmeplus, ihre Wärme in zwei Blockheizkraftwerken unter der Stadthalle und in der Richard-Wagner-Straße. In den Blockheizkraftwerken werden aus Erdgas Strom und Wärme erzeugt. Von dieser fossilen Abhängigkeit will sich die Wärmegesellschaft bereits in den kommenden Jahren weitestgehend lösen. Ihr Transformationsplan sieht vor, dass die Wärme für die Heizperiode 2028/2029 überwiegend aus der industriellen Abwärme der Badischen Stahlwerke sowie aus einer neuen Heizzentrale an der Vogesenallee stammen soll. Dabei handelt es sich um Großwärmepumpen. Die Anlage macht sich den hohen Grundwasserspiegel in Kehl zunutze, indem sie das Bodenwasser hochpumpt, auf eine Temperatur zwischen 70 und 75 Grad erhitzt und anschließend über das Fernwärmenetz zu den Anschlussnehmerinnen und Anschlussnehmern transportiert. Dort angekommen, gibt das Wasser die Energie an den Wärmetauscher des Hauses ab und fließt erkaltet (immer noch zwischen 50 und 55 Grad heiß) zurück zur Heizzentrale, wo es erneut erwärmt wird. Dadurch entsteht ein Kreislauf. Die Inbetriebnahme der Anlage an der Vogesenallee ist für das Jahr 2028 vorgesehen. Bereits im vergangenen Jahr ist im Neubaugebiet Hühnerbünd in Neumühl eine vergleichbare Anlage in Betrieb genommen worden. Insgesamt plant die Wärmegesellschaft, ihr Wärmenetz um fünf Kilometer zu erweitern. Nach der Erweiterung bis zur Honsellstraße ist das Niedereichareal als nächste Ausbaustufe vorgesehen. Diese umfasst das Gebiet vom Schulzentrum an der Vogesenallee Richtung Süden bis zum künftigen Schulcampus Niedereich. Außerdem ist eine Erweiterung ins Hafengebiet geplant. Dort soll auch eine Übergabe- und Besicherungsanlage entstehen, an der die Abwärme der Badischen Stahlwerke ins Fernwärmenetz eingespeist werden kann. Diese Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Höhe von 8,5 Millionen Euro gefördert. „Für die Stadt ist der Fernwärmeausbau ein wichtiger Schritt in Richtung CO2-Freiheit“, betonte der Erste Beigeordnete Thomas Wuttke am Infoabend und verwies auf die gesetzliche Vorgabe der Landesregierung für Kommunen, bis 2040 klimaneutral zu werden.

Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffen

Wie wichtig der Gebäudesektor zum Erreichen dieses Ziels ist, zeigte ein Zahlenbeispiel der städtischen Klimaschutz- und -anpassungsmanagerin: Etwa 30 Prozent der Treibhausgase, die in Kehl entstehen, stammen aus privaten Haushalten. Zwei Drittel dieser Emissionen lassen sich allein auf den Verbrauch fossiler Wärmequellen wie Heizöl und Erdgas zurückführen. Allerdings: Gerade in dicht besiedelten Stadtgebieten gibt es oftmals nicht ausreichend Platz für eine Wärmepumpe oder es stehen Schallschutzgründe einer Installation entgegen. „Fernwärme eignet sich in diesen Gebieten als alternative, klimaneutrale Wärmeversorgung“, sagte Thomas Wuttke. Ein weiterer Vorteil: „Fernwärme ist für uns auch deshalb attraktiv, weil wir uns damit in Zukunft nicht mehr so abhängig von den Preisschwankungen fossiler Brennstoffe machen“, sagte der Erste Beigeordnete. Als zusätzliches Plus nannte er zudem die Versorgungssicherheit. „Es ist wahrscheinlicher, dass die eigene Ölheizung ausfällt, als dass bei unseren Anschlussnehmern keine Wärme ankommt.“ Möglich machen das weitere Erzeugungsanlagen, die als Redundanzen oder zur Besicherung der Abwärme einspringen können. Zudem ist die Wärmegesellschaft verpflichtet, turnusmäßig ihre Wasserqualität in den Fernwärmeleitungen zu prüfen, sodass Anschlussnehmerinnen und Anschlussnehmer keine Gefahr laufen, dass ihr Wärmetauscher durch Ablagerungen verstopft wird oder unerwünschte Mikroorganismen ins Heizsystem gelangen.

Bei Interesse

Wer sich für einen Hausanschluss interessiert, wendet sich unter www.waermegesellschaft-kehl.de direkt an die Wärmegesellschaft.
Fragen zum Heizungstausch sowie zu möglichen staatlichen Förderungen, beantwortet die Ortenauer Energieberatung zusammen mit der Stabstelle für Nachhaltige Stadtentwicklung kostenlos an jedem vierten Donnerstag im Monat. Wer einen Termin für eine Energieerstberatung vereinbaren möchte, wendet sich telefonisch unter 07851 88-4322 oder per Email an klimaschutz@stadt-kehl.de an die Klimaschutzmanagerinnen der Stadt.

Zum Nachhören im Infocast (ab Minute 03:11)


Bund fördert Fernwärmenetzausbau mit 8,5 Millionen Euro

Das Fernwärmenetz in Kehl soll in den kommenden vier bis sechs Jahren beträchtlich wachsen. Der Wärmeverbund der Stadt Kehl plant eine Netzerweiterung von 5,15 Kilometern. Zusätzlich soll in der Vogesenallee eine weitere Heizzentrale und im Hafen eine Übergabestation für die industrielle Abwärme der Badischen Stahlwerke errichtet werden. Diese Vorhaben mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro werden vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle in Höhe von 8,5 Millionen Euro gefördert.

Das Gebäude der Heizzentrale in Neumühl mit einem großen Außenkessel.
Eine Heizzentrale, die Grundwasserwärme nutzt, gibt es bereits in Neumühl. Sie ist im Oktober 2025 in Betrieb genommen worden.

Der Wärmeverbund hat sich das Ziel gesteckt, seinen jährlichen Wärmeabsatz bis ins Jahr 2030 von bisher elf Gigawattstunden auf 21 Gigawattstunden nahezu zu verdoppeln. Das entspricht einem Plus von rund 600 Haushalten, die zusätzlich mit Fernwärme versorgt würden. Derzeit wird ein Netzausbau von der Stadthalle bis zum Hochhaus an der Honsellstraße geplant. An der rund 620 Meter langen Strecke liegen insgesamt 35 Objekte, die an das Fernwärmenetz angeschlossen werden könnten. Der Wärmeverbund schätzt das Absatzpotenzial auf 3,2 Megawatt. Mit dem Wärmeleitungsbau und den dafür nötigen Tiefbauarbeiten soll nach derzeitigem Planungsstand im Herbst 2026 begonnen werden. Die erforderliche Fernwärme soll unter anderem von der künftigen Heizzentrale an der Vogesenallee kommen. Die geplante Anlage macht sich die Grundwasserwärme zunutze. Kehl verfügt bekanntlich über einen hohen Grundwasserspiegel. 
Grundwasser gilt als sehr ergiebige Wärmequelle, weil es über das Jahr hinweg kaum Temperaturschwankungen, etwa im Sommer oder Winter, unterliegt. Mittels Wärmepumpe wird das Bodenwasser auf die benötigte Temperatur gebracht. Die neue Heizzentrale wird somit grüne Fernwärme produzieren. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für das Jahr 2027 vorgesehen. Bereits im vergangenen Oktober ist im Neubaugebiet Hühnerbünd in Neumühl eine Heizzentrale in Betrieb genommen worden, die ebenfalls Grundwasserwärme nutzt. Ergänzt wird die Wärmeversorgung durch die beiden bestehenden Blockheizkraftwerke an der Stadthalle und an der Richard-Wagner-Straße. Voraussichtlich 2028 soll im Hafen zudem eine Übergabe- und Besicherungsanlage die industrielle Abwärme der Badischen Stahlwerke ins Fernwärmenetz einspeisen.

Hintergrund

Der Wärmeverbund ist ein Projekt der Wärmegesellschaft Kehl, einem Gemeinschaftsunternehmen der Technischen Dienste Kehl und dem Energieunternehmen badenovaWÄRMEPLUS. Die Wärmegesellschaft hat sich vorgenommen, die Wärmeversorgung in Kehl bis 2030 CO2-neutral zu gestalten, indem natürliche Wärmequellen genutzt und regenerative Energien gefördert werden.