Flüchtlingsunterkunft

„Es ist sehr schön hier“: Zwei Familien sind in Flüchtlingsunterkunft eingezogen

Sie heißen Imran und Kawsar, sind vier und drei Jahre alt und kennen sich schon aus der Gemeinschaftsunterkunft in Achern. Seit Dienstag (19. Mai) wohnen die beiden mit ihren Geschwistern, dem sieben Monate alten Omar und Seteyesh (sechs Monate), in der neuen Flüchtlingsunterkunft im Wohnquartier Schneeflären. Beide Familien sind vor den Taliban aus Afghanistan geflohen. Die jungen Ehepaare möchten möglichst schnell Deutsch lernen und würden sich über die Unterstützung durch ehrenamtliche Sprachpaten sehr freuen.

Die Familien Ahmadi (links) und Hassan Zada sind als erste in die Flüchtlingsunterkunft im Wohnquartier Schneeflären eingezogen.

„Es ist sehr schön hier“, sagt Mah Roia Hassan Zada und strahlt. Sie spricht ein bisschen Deutsch, das sie sich selbst mit YouTube-Videos beigebracht hat. In Afghanistan arbeitete sie in der IT-Abteilung des Innenministeriums. Bis die Taliban vor fünf Jahren die Macht über- und ihr als Frau jegliche Perspektive genommen haben. Ihr Mann Khwaja Kabir war Fahrer für eine Nicht-Regierungsorganisation. Sie flüchteten vor den neuen Machthabern zunächst in den Iran. Seit neun Monaten sind sie in Deutschland und haben eine Aufenthaltserlaubnis. Das Gleiche gilt für Sultan und Parisa Ahmadi.
 
Die erste Frage, welche die Neuankömmlinge Johanna Bung vom städtischen Integrationsmanagement beim Einzug gestellt haben, war die nach einem Sprachkurs. Khwaja Kabir Hassan Zada hat bereits den Einstufungstest gemacht, muss aber noch auf einen Platz warten. Im Deutschkurs in der Villa RiWa, die Johanna Bung den Familien bereits gezeigt hat, gibt es bis Jahresende wohl ebenfalls keinen Platz für die beiden Frauen. Bei den Kursen dort wird eine Kinderbetreuung angeboten, was für die Mütter mit ihren kleinen Kindern ideal wäre. Omar war in Achern in einer Kita und versteht bereits etwas Deutsch. „Er liebt Tanzen“, sagt Mah Roia; Omar nickt und fängt gleich an, im Sitzen entsprechende Bewegungen zu machen.
Beide Paare würden sich freuen, mit Familien aus der Nachbarschaft oder der näheren Umgebung Kehl kennen zu lernen oder einfach ab und an einen Tee zu trinken. Durch den deutschen Bürokratiedschungel werden sie von den Mitarbeitenden des Integrationsmanagements gelotst – „darum müsste sich eine Familienpatin oder ein Pate nicht kümmern“, sagt Johanna Bung.

Sprachpatenschaft willkommen

Wer Hassan Zadas oder Ahmadis beim Deutschlernen unterstützen oder ein bisschen Freizeit mit ihnen verbringen möchte, kann sich unter integrationsmanagement@stadt-kehl.de melden. Interessierte können sich auch direkt an den Sozialarbeiter in der Unterkunft wenden; die Telefonnummer hängt an der Haustür aus. Er ist zuständig für ein lokales Integrationsnetzwerk und freut sich über Kontaktaufnahmen.

Info

Im neuen Gebäude in Schneeflären können bis zu 50 Geflüchtete untergebracht werden. Ein Sozialarbeiter betreut, zusammen mit einem Hausmeister, die Unterkunft, und sorgt dafür, dass die neuen Bewohnerinnen und Bewohner im Haus und im Wohngebiet gut ankommen und die Hausregeln eingehalten werden.