Gemeinderat am Altrhein
Ratsmitglieder auf Altrheintour: Der Stadtweiher ist kein Notfall
Die einen bilden gelbgrüne Bäusche an der Wasseroberfläche, die anderen wiegen sich sanft darunter: Eine Zierde für den Altrhein sind weder die Faden- noch die Schwebealgen und manchmal riechen sie auch etwas – ein Problem sind die Wasserpflanzen jedoch nicht. Ganz im Gegensatz zum Brot, das unvernünftige Spaziergängerinnen und Spaziergänger – trotz Fütterungsverbot – noch immer in der falschen Annahme in den Stadtweiher werfen, sie könnten Wasservögeln damit etwas Gutes tun. Und dann sind da noch die Schildkröten.
Von den Algen, über die Tierwelt und den Baumbestand bis zur Ufersicherung erstreckten sich die Themen, die Mitarbeitende der Stadtverwaltung bei einem Rundgang um den Altrhein mit Stadträtinnen und -räten sowie Vertreterinnen und Vertretern des Naturschutzbundes (Nabu) und der Bürgerinitiative Umweltschutz, besprachen. Am Ende des zweistündigen Austauschs war klar: Größere Eingriffe werden am Altrhein in naher Zukunft nicht unternommen.
Die Algen, stellte Umweltbeauftragter Michael Faller gleich zu Beginn klar, sind Wasserpflanzen, die auch Sauerstoff produzieren und daher dem Gewässer zunächst nicht schaden. Durch Sonneneinstrahlung und Hitze kann es zwar zur Algenblüte kommen, doch auch das ist ein eher ästhetisches – und manchmal auch ein riechendes – Problem. Ungünstig wird es für den Altrhein, wenn die Algen in größerer Zahl absterben, weil sie durch den Fäulnisprozess dann Sauerstoff verbrauchen. Aus diesem Grund lässt der Betriebshof die Algen seit Jahren im Herbst abmähen.
Immer wieder wurden in den vergangenen Jahren Maßnahmen diskutiert, um die Wasserqualität in dem stehenden, also nicht durchflossenen Altrheinarm zu verbessern. Neben biologischen Methoden zum Abbau der 40 bis 50 Zentimeter dicken Schlammschicht am Boden des Stadtweihers wurde, wie Tiefbaubereichsleiterin Dr. Susanne Fach berichtete, auch überlegt, den Altrhein mit der Grundwasserhalteanlage zu verbinden. Ein Anschluss wäre teuer und die Wirkung fraglich, weil Grundwasser sauerstoffarm ist. Wenn – beispielsweise bei Hochwasser – Rheinwasser in den Altrhein einströmt, hat das auch Nachteile, wie Tiefbaumitarbeiterin Irma Beuscher deutlich machte: Das zurückfließende Wasser nimmt dann grobkörniges Material mit, was die teilweise ohnehin nicht sehr stabilen Uferbereiche schwächt.
Wüchsen an den Altrheinufern Weiden, Ulmen, Erlen, Esche und Eichen trügen diese Bäume zur Stabilisierung der Ufer bei. Doch stattdessen finden sich dort vor allem für diesen Bereich untypische Bäume wie Hainbuchen, Ahorn und Rosskastanien, zeigte Michael Faller auf. Das wiederum hat mit den fehlenden Hochwassern im Stadtweiher zu tun: Während Weiden die Nähe zum Wasser brauchen und auch im Wasser stehend gedeihen, mögen Haibuchen und Pappeln nasse Füße nicht. Bricht einer der großen Bäume aus und stürzt in den Altrhein, reißt er dabei ein ganzes Stück des Ufers mit sich.
Doch es gibt auch positive Nachrichten: Als vor mehr als 20 Jahren, vor der Renaturierung des Altrheins, ein Gewässererhaltungsplan erstellt wurde, gab es am Altrhein kein Röhricht. Durch das Freischneiden des Ufers unterhalb der Gustav-Weis-Straße hat sich ein etwa 200 Meter langer, breiter Röhrichtstreifen entwickelt, in dem nun Vögel brüten, freut sich Michael Faller. Gepflegt wird die Vegetation rund um den Altrhein nur wenig; Nachpflanzungen gibt es nicht.
Tiere im Altrhein
Deutlich komplexer stellt sich der Umgang mit den diversen Tieren im Altrhein dar. Neben Karpfen und Schleien finden sich im Stadtweiher auch Sonnenbarsche und Schwarzmeergrundeln, beides invasive Arten. Auf ihrem Speiseplan, weiß Michael Faller, stehen Fischlaich und allerlei einheimische Fische. Die Fischeier gelangen beispielsweise über Entenkot ins Wasser, erfahren die Stadträtinnen und -räte; aber auch über das Gefieder von Vögeln kann es zu einem Eintrag kommen.
Warum die Zahl der Stockenten im Altrhein über die Jahre abgenommen hat, kann Michael Faller nicht sagen, aber zumindest gibt es sie noch: Gleich zwei Entenerpel im sogenannten Schlichtkleid zeigen sich den Teilnehmenden am Rundgang, als hätten sie gehört, dass gerade über sie gesprochen wird. Mindestes eine Stockentenfamilie im Altrhein hat gerade Nachwuchs, doch die Küken lebten gefährlich, weiß der Umweltbeauftragte: Sie könnten leicht zur Beute der Raubfische im Gewässer werden.
Dass das Füttern – vor allem mit Brot – Wasservögeln schadet und daher verboten ist, erläuterte Umweltbeauftragte Ann-Margret Amui-Vedel einmal mehr. Nach wie vor halten die Verbotsschilder offensichtlich die Menschen nicht davon ab, Brotbrocken und auch ganze Laibe, nicht selten samt umhüllender Plastikfolie, in den Altrhein zu werfen. Das im Brot enthaltene Backtriebmittel und der Zucker schaden den Tieren, sie führen zu Verdauungsproblemen und in manchen Fällen zum Tod. Außerdem gewöhnten sich die Wasservögel an die Fütterung, suchten weniger nach für sie geeigneter Nahrung, was die Probleme verschärfe oder bei Schwänen Aggressivität hervorrufen könne, wenn sie kein Futter bekämen. Das Brot verschlechtert aber auch die Wasserqualität: Was nicht gefressen wird, sinkt zu Boden; beim Zersetzungsprozess wird ebenfalls Sauerstoff verzehrt.
Während es sich bei den Wasservögeln um einheimische Arten handelt, ist die Schildkrötenpopulation auf von Menschen ausgesetzte Tiere zurückzuführen. Seit 2020 ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sich die Schmuck- und Gelbwangenschildkröten vermehren und ihre Anzahl damit – mangels Fressfeinden – immer weiter anwächst. Dr. Carsten Schradin, Wissenschaftler bei CNRS in Straßburg, sagte voraus, dass um das Jahr 2033 vermutlich etwa 1000 Exemplare im Altrhein leben dürften. Wie alle Tiere im Altrhein tragen auch die Schildkröten mit ihren Exkrementen zur Eutrophierung des Gewässers bei. Bei dieser hohen Anzahl von Tieren steige natürlich der Druck, sich auf andere, gegebenenfalls geschützte, Gebiete auszudehnen, sagte Ann-Margret Amui-Vedel. „Im Augenblick haben wir jedoch keine zufriedenstellende Lösung für das Problem.“ „Wenn, wie 2020 geschehen, Schildkröten abgefangen werden, müssen die in eine Auffangstation gebracht werden. Ebenso wie vor Ort dürfen die Schildkröten, die teils bis zu 60 Jahre alt werden, auch dort nicht getötet werden. Für jedes Tier fallen für Transport und Nahrung für die lange Lebenszeit erhebliche Kosten an. Da zahlreiche andere Städte im Land ebenfalls ein Schildkrötenproblem haben, wäre ein einheitlicher Umgang mit den invasiven und gebietsfremden Schildkröten wünschenswert. Entsprechende Vorstöße der Stadt blieben allerdings bislang erfolglos.


