Kindergartenkuratorium

Kindergartenkuratorium diskutiert Betreuungszeiten, Gebühren und Platzvergabe

Im Kindergartenkuratorium wurde darüber beraten, wie sich Betreuungszeiten, Gebührenmodelle und die Vergabe der Plätze künftig gestalten sollen.

In Zeiten knapper öffentlicher Mittel stehen auch die Kindertageseinrichtungen der Stadt vor einigen Anpassungen. Welche das sein können, darüber diskutierten Oberbürgermeister Wolfram Britz, Natascha Kaiser, Fachbereichsleiterin für Bildung, Soziales und Kultur, und Susanne Camara, Fachkoordinatorin für Kinder, im vollbesetzten Bürgersaal gemeinsam mit Kita-Leitungen, Elternbeiräten und kirchlichen Trägern. Im Mittelpunkt des Kindergartenkuratoriums standen Fragen zu Betreuungsformen, Platzvergabekriterien und künftigen Gebührenregelungen. Zwar liegt die endgültige Entscheidung beim Gemeinderat, doch die Anregungen aus dem Kuratorium, an dem auch eine Stadträtin und ein Stadtrat teilnahmen, fließen maßgeblich in die weiteren Überlegungen der Stadtverwaltung ein.

Kehl verfügt über eine bunte Kita-Landschaft mit 26 Einrichtungen und 1987 Betreuungsplätzen, verteilt auf zehn Ortschaften und die Kernstadt. Eltern können zwischen städtischen, kirchlichen und freien Trägern wählen. Wegen rückläufiger Kinderzahlen – aktuell etwa sieben weniger pro Jahr – hat sich die Situation für platzsuchende Familien in den vergangenen Jahren etwas entspannt. Trotzdem warten aktuell für das kommende Schuljahr in der Kernstadt noch 47 Kinder zwischen drei und sechs Jahren auf einen Platz, in den Ortschaften sind es 17. Bei den ganz Kleinen unter drei Jahren haben noch insgesamt 108 Kinder keinen Krippenplatz. Die Versorgungsquote, also der Anteil der betreuten Kinder im Vergleich zur Gesamtzahl der Gleichaltrigen, liegt in dieser Altersgruppe bei 55 Prozent.
Doch die Kehler Kitas stehen, wie andere Bereiche der Verwaltung, unter starkem finanziellem Druck. Steigende Betriebskosten und begrenzte kommunale Mittel erfordern eine Anpassung der Betreuungsformen und Gebühren. Um den städtischen Haushalt zu entlasten, sollen die Öffnungszeiten an die gesetzlichen Förderstrukturen des Landes angepasst werden. Bisher waren die Betreuungszeiten der Kehler Kitas „ein bunter Strauß“, erklärte Oberbürgermeister Wolfram Britz. Künftig sollen sie nach den Finanzausgleichsstufen (FAG) synchronisiert werden. „Die Haushaltssparmaßnahme ist herausfordernd für die ganze Stadt“, führte er weiter aus. „Wir müssen die Öffnungszeiten optimieren, um die Landesförderung optimal auszuschöpfen.“
Die Verwaltung hofft, dass der Gemeinderat zum neuen Kita-Jahr auch dem Wechsel vom badischen zum württembergischen Gebührenmodell zustimmt. Während bisher die Zahl der Kinder einer Familie, welche gleichzeitig dieselbe Kita besuchen, entscheidend war, werden künftig alle Kinder unter 18 Jahren bei der Beitragsermäßigung berücksichtigt. „Dieses Modell gilt als familienfreundlicher“, erklärte Natascha Kaiser. Aktuell decken Elternbeiträge nur etwa acht Prozent der Betreuungskosten, der Rest stammt aus öffentlichen Mitteln. Die Landesempfehlung liegt bei 20 Prozent Elternbeteiligung. Dieser Wert wird in Kehl auch nach einer zum 1. September geplanten Gebührenerhöhung nicht umgesetzt werden. In den vergangenen 20 Jahren sei die Stadt „sehr großzügig und familienfreundlich“ gewesen, unterstrich der Oberbürgermeister. Nun müsse leider gelten: „Wir suchen gemeinsam nach den besten Lösungen. Die allerbesten können wir uns nicht mehr leisten.“ Die Balance zwischen finanzieller Tragfähigkeit und bedarfsgerechter Betreuung bleibe eine Herausforderung für alle Beteiligten.
Ein weiteres Thema war die Vergabe von Betreuungsplätzen: Ein neues Punktesystem soll sicherstellen, dass die Plätze fair und nachvollziehbar an diejenigen vergeben werden, die den größten Bedarf haben. Kriterien wie Berufstätigkeit der Eltern, soziale Kriterien, Alter der Kinder oder eine durch das Jugendamt bestätigte Betreuungsnotwendigkeit fließen ein. Das Kuratorium, das sich im Herbst du seiner zweiten Sitzung in diesem Jahr treffen wird, regte außerdem die Aufnahme weiterer Kriterien wie Bilingualität oder Wohnort an.
Außerdem soll in den städtisch betriebenen Kitas die Abrechnung des Mittagessens auf ein bereits in den kirchlich betriebenen Einrichtungen angewendetes Modell umgestellt werden: Eine pauschale Abrechnung in monatlichen Raten hätte einen erheblich geringeren Verwaltungsaufwand als das aktuell praktizierte Buchungssystem, bei dem jeden Morgen bis zu einer bestimmten Uhrzeit Mittagessen bestellt werden kann. Bei mehrwöchigen Abwesenheiten – etwa bei Krankheit, Urlauben oder Kuraufenthalten – kann es Ausnahmen von dieser monatlichen Pauschale geben, deren Höhe vom jeweiligen Anbieter abhängt.

In den laufenden Vertragsgesprächen mit allen Trägern der Kehler Kitas werden Natascha Kaiser und Susanne Camara künftig auch die genannten Punkte ansprechen, immer mit dem Ziel, gemeinsame Standards für finanzielle Förderung, Betreuungsformen, Vergabekriterien und weitere Rahmenbedingungen zu etablieren. Die endgültigen Beschlüsse fasst anschließend der Gemeinderat.