Realschüler beim OB

Wie sieht Kehl 2036 aus? Tulla-Realschüler im Gespräch mit OB Wolfram Britz

OB Wolfram Britz stellt sich geduldig den Fragen der gut vorbereiteten Siebtklässlerinnen und Siebtklässler.

„Wie wird Kehl in zehn Jahren aussehen? Und auf welche Projekte freuen Sie sich besonders?“ Mit diesen und vielen weiteren Fragen besuchte eine siebte Klasse der Tulla-Realschule noch vor den Sommerferien Oberbürgermeister Wolfram Britz im Bürgersaal des Rathauses und diskutierte über viele Themen, von Stadtentwicklung bis Gesundheitsversorgung.

Zum Einstieg erläuterte OB Wolfram Britz den Siebtklässlern, wie in Kehl Entscheidungen getroffen werden: 26 Ratsmitglieder beraten regelmäßig im Bürgersaal über die Zukunft der Stadt und stimmen über Projekte ab. Als Bürgermeister habe er zwar ebenfalls eine Stimme, doch mit seiner „Sandwichposition“ zwischen Verwaltung und Gemeinderat falle ihm vor allem die Rolle eines Vermittlers zu. „Und leider ist nicht immer alles umsetzbar, was sinnvoll wäre. Besonders in Zeiten knapper Kassen“, betonte er. Für die Stadt wünsche er sich vor allem eine zufriedene Bevölkerung, die im Rückblick sagt, dass sich Investitionen gelohnt hätten. Seine Aufgabe sei es auch, sich für die Ansiedlung neuer Unternehmen einzusetzen, die Arbeitsplätze und Wertschöpfung nach Kehl bringen, etwa im geplanten Gewerbegebiet Neumühl. Besonders freue er sich auf die neue Grundschule Sundheim, die beste Bildungsbedingungen für die Erwachsenen von morgen schaffen werde.

Je mehr Fragen die Sekundarschüler stellten, desto ernster wurden die Themen: Wie geht es nach der Schließung des Krankenhauses mit der Gesundheitsversorgung in Kehl weiter? Warum steigen die Gebühren der Grundschulbetreuung? Warum kostet der Schulbus etwas? Wolfram Britz nahm sich viel Zeit und erklärte: Die Gesundheitsversorgung liege in der Hand des Ortenaukreises. Schon 2018 sei beschlossen worden, dass es vier Kliniken in Achern, Lahr, Offenburg und Wolfach geben werde – und in Kehl ein Zentrum für Gesundheit, das auch nach Schließung des Krankenhauses in der Kanzmattstraße eine sehr gute gesundheitliche Versorgung der Bürgerinnen und Bürger garantieren werde. Auch der Transport zur Schule sei vom Kreis geregelt, der die Kosten für Schülerinnen und Schüler der Grundschulen ab zwei Kilometern Entfernung übernehme, ab drei Kilometern für weiterführende Schulen. Zudem könnten Kehler Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre das kostenlose Tramticket Badgéo nutzen, auch auf Straßburger Gebiet. Der Oberbürgermeister erklärte auch, wie es zu den höheren Elternbeiträgen für die Grundschulbetreuung gekommen ist: Die Kosten würden aufgrund höherer Trägerpreise und des erweiterten Rechtsanspruchs auf Betreuung ab dem kommenden Schuljahr steigen. Kehl sei lange Zeit viel günstiger gewesen als andere Kommunen der Ortenau. Die Stadt schieße zwar für das kommende Schuljahr eine Million Euro zu und komme für die Kosten der Räume auf. Eine höhere Übernahme durch die Stadt sei indes nicht möglich.

Beim Thema Migration wurde es ganz still im Bürgersaal und alle hörten aufmerksam zu, als der Oberbürgermeister seine Sicht schilderte. Geflüchtete Menschen seien „wie du und ich“, sagte er. Sie kämen nach Kehl auf der Suche nach einem besseren Leben. „Das sollten wir als Chance sehen“, fügte der Rathauschef hinzu. Das Zusammenleben funktioniere in Kehl mit Menschen aus vielen unterschiedlichen Nationen bereits gut. Integration sei aber immer ein gegenseitiger Prozess, der vom Respekt füreinander getragen werde. „Entscheidend ist, wie wir miteinander umgehen“, gab er den Jugendlichen mit. Dazu gehöre auch, dass Vandalismus – wie kürzlich auf dem Spielplatz Schneeflären oder in einer Toilette im Rheinvorland – keinen Platz in Kehl haben dürfe. Sein Appell: „Sorgt gemeinsam dafür, dass so etwas nicht passiert. Und wenn ihr doch einmal Mist baut, steht dazu.“ Denn Rücksicht, Verantwortung und gegenseitiger Respekt seien die Grundlage dafür, dass eine Gemeinschaft gut funktioniere.