Sundheimer Grund
Renaturierungsprojekt im Sundheimer Grund: Baggern für den Artenschutz
Im Naturschutzgebiet Sundheimer Grund ist ein Schaufelbagger für Biodiversität und Artenschutz im Einsatz. Was im ersten Moment nach einem Widerspruch klingt, ist tatsächlich der Auftakt zu einem besonderen Renaturierungsprojekt des Regierungspräsidiums Freiburg. Das Ziel ist es, eine 0,62 Hektar große, ehemalige Ackerfläche zu einer artenreichen Feuchtwiese umzugestalten.
Mit den schweren Baumaschinen soll auf der Fläche am Altrhein ein Auenrelief geschaffen werden, wie es in früheren Zeiten entlang der Nebenarme des Rheins häufig zu finden war. Durch die Umgestaltung entstehen nasse Senken in enger Vernetzung mit Erhebungen, welche deutlich trockener und sonniger sein werden. In diesen Senken sammelt sich Niederschlagswasser und bildet mitunter über mehrere Wochen kleine Tümpel. Diese erfüllen gleich mehrere Zwecke: Das verzögerte Abfließen des Niederschlags verbessert die Grundwasserneubildung, andererseits bilden sie dringend benötigten Lebensraum für selten gewordene Amphibienarten wie Kammmolche oder Kreuzkröten. Aber auch Schmetterlinge, Wildbienen und Libellen finden hier ideale Bedingungen.
Bevor die Bagger allerdings beginnen können, bedarf es einiger Vorbereitungen: So werden standortfremde Pflanzen entfernt und Stellen mit dichtem Grasbewuchs aufgelockert. Ist nach dem Baggereinsatz das gewünschte Relief hergestellt, wird im Sommer artenreiches Mahdgut aus der Umgebung gewonnen und dort aufgebracht. Neben den zahlreichen Pflanzensamen gelangen so auch gleich einige Insekten in den neu geschaffenen Lebensraum.
Die Entwicklung wird von den Experten des Regierungspräsidiums und der Stadt Kehl eng begleitet. Sie rechnen nach einer Entwicklungszeit von vier bis fünf Jahren mit dem Vorkommen von bis zu 40 verschiedenen Pflanzenarten. Diese wiederum bilden eine Nahrungsgrundlage für ebenso viele verschiedene Insektenarten. Das wiederum macht die Fläche für Vögel und Fledermäuse äußerst attraktiv, weil sie dort ein großes Nahrungsangebot vorfinden. Die sogenannte Entwicklungspflege der ersten Jahre übernimmt das Regierungspräsidium Freiburg. Danach soll die ehemalige Ackerfläche an eine Landwirtin oder einen Landwirt zur schonenden Bewirtschaftung übergeben werden.
Möglich wurde das Renaturierungsprojekt durch einen Flächentausch. Das Land Baden-Württemberg bot dem vorherigen Pächter im November 2025 eine vergleichbare Ackerfläche außerhalb des Sundheimer Grundes zum Tausch an. Daraufhin gab dieser die besagte Fläche an die Stadt Kehl zurück.
„Das Artenschutzprojekt ist ein tolles Beispiel dafür, wie über eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit von Stadt, Regierungspräsidium und Landwirtschaft ein großer Mehrwert für die Artenvielfalt erreicht werden kann“, zeigt sich der städtische Umweltbeauftragte Gregor Koschate dankbar. Oliver Schmidle vom Regierungspräsidium Freiburg ergänzt, dass diese positive Zusammenarbeit „wie bestes Schmieröl auf den Zahnrädern der Verwaltung“ ist.
Die Kosten für die Umgestaltung sowie die Entwicklungspflege werden vom Land Baden-Württemberg getragen. Die Stadt Kehl unterstützt das Renaturierungsvorhaben organisatorisch und fachlich.
Zum Nachhören im Infocast (ab Minute 02:00)

