Hochwasserschutz (mit Video)

Damit Kehl nicht baden geht: Hochwasserpumpanlage saniert

Über 50 Jahre lang hat die alte Rückstauklappe dafür gesorgt, dass kein Wasser aus dem Rhein zurück in die Anlage fließen kann. 

Tausende kleine Muscheln überziehen die alte Rückstauklappe, als sie an einem Kran über dem Rhein schwebt. Über 50 Jahre lang war sie Teil des Hochwasserschutzes in Kehl und hat dafür gesorgt, dass das Wasser aus dem Schuttermühlkanalpumpwerk heraus-, aber nicht vom Rhein zurück in die Anlage fließen kann. Nun wurde die letzte der insgesamt vier Klappen ausgetauscht: „Damit ist die Sanierung der Anlagentechnik der Hochwasserpumpanlage abgeschlossen“, bestätigt Istvan Ötvös, der für die Kehler Grundwasserhaltungsanlage zuständig ist.

Mitarbeiter einer Fachfirma montieren die neue Rückstauklappe. 

Das Schuttermühlkanalpumpwerk mit seinem auffälligen blauen Gebäude im Kehler Hafengebiet ist Teil eines Systems, das für Kehlerinnen und Kehler kaum sichtbar, für die Stadt jedoch von zentraler Bedeutung ist. Denn damit Keller, Straßen und öffentliche Plätze bei Hochwasserereignissen nicht unter Wasser stehen, hebt das Pumpwerk jährlich 5,2 Millionen Kubikmeter Wasser in den Rhein. Nötig ist das, weil das Wasser aus dem Schuttermühlkanal seit der Inbetriebnahme der Staustufe Gambsheim im Jahr 1974 nicht mehr auf natürlichem Weg in den aufgestauten Rhein abfließen kann. Zudem haben sich die Grundwasserstände in Kehl seitdem im Durchschnitt um rund 1,80 Meter erhöht. Der Schuttermühlkanal verläuft teilweise unterirdisch von Sundheim entlang der Kinzigallee in Richtung Hafengebiet und sammelt auf seinem Weg Regenwasser aus den Außengebieten der Stadt. Im Pumpwerk wird das Wasser schließlich um rund fünf Meter angehoben und in den Rhein geleitet.
Die Anlage gliedert sich in zwei Hauptbereiche. Im Normalbetrieb läuft das sogenannte Dauerschöpfwerk. Zwei Schneckentrogpumpen sorgen dafür, dass das ankommende Wasser kontinuierlich abgeführt wird. Kommt bei Starkregen in kurzer Zeit mehr Wasser an, als die beiden Pumpen bewältigen können, wird es automatisch in einem Becken zwischengelagert. „Dann kommt die Hochwasserpumpanlage zum Einsatz“, führt Istvan Ötvös aus. Vier leistungsstarke Propellerpumpen können das zwischengelagerte Wasser aus dem Becken in den Rhein befördern. Jede dieser Pumpen schafft rund drei Kubikmeter Wasser pro Sekunde, zusammen erreichen sie eine Leistung von zwölf Kubikmetern pro Sekunde. Die nun erneuerte Rückstauklappe sitzt an diesem Teil der Anlage. Ihr Austausch war der letzte Abschnitt einer Sanierung, die 2024 begonnen hatte. Eine Fachfirma für Rohrleitungs- und Anlagenbau demontierte die alten Klappen, bevor sie mit einem Kran langsam aus ihren Pumpschächten gehoben wurden. Anschließend wurden die neuen Rückstauklappen eingesetzt. Zuvor waren bereits die Absperrklappen ausgetauscht und die Propellerpumpen überholt worden. Dafür wurden die Pumpen ausgebaut und zu einer Fachfirma nach Langenfeld gebracht. Dort wurden sie gereinigt und neu beschichtet. Außerdem wurden die Dichtungen erneuert sowie beschädigte Bauteile ersetzt. Zusätzlich wurde das Traglager ausgetauscht. Mehr als zwei Millionen Euro hat die Stadt ausgegeben, um die technische Anlage auf den neuesten Stand zu bringen und im Fall des Falles zu verhindern, dass sich Teile der Innenstadt in einen See verwandeln. Damit die Anlage während der Arbeiten betriebsbereit blieb, wurde immer nur eine der vier Pumpen stillgelegt und saniert.
 
Nach Abschluss der Arbeiten an der Hochwasserpumpanlage ist als nächstes die Instandsetzung des Vorlaufbeckens geplant. Es fasst rund 6400 Kubikmeter Wasser und wurde zuletzt in den 1990er-Jahren saniert. Vorgesehen sind unter anderem neue Dichtungen, weil das Grundwasser von unten gegen das Bauwerk drückt. Außerdem sollen neue wasserdichte Spundwände verbaut werden.

Die Arbeiten im Video






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