Mahnmale
Über die Entstehung
„Kriegerdenkmal“ für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs
Das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs wurde am 7. September 1924 eingeweiht. Der Beginn des Weltkriegs lag damals etwas mehr als 10 Jahre zurück. Die ursprünglich für Anfang August geplante Einweihungsfeier musste wegen Verzögerungen bei den Bildhauerarbeiten auf den Septembertermin verlegt werden. Auch zuvor hatte es bereits Probleme gegeben: Im Krisenjahr 1923 musste die Gemeinde die Ausführung des Denkmals wegen Zahlungsschwierigkeiten infolge der Hyperinflation unterbrechen lassen.
Für die Gestaltung des „Kriegerdenkmals“ war der Mannheimer Architekt Hermann Esch beauftragt worden. Auf den blockartigen Aufbau aus Granitplatten wurden im Zuge der Entstehung die Namen von über 340 Gefallenen aus Kehl eingeschrieben. Über die Ikonographie und die Motive des Künstlers bei der Ausführung ist uns allerdings wenig bekannt. Das Denkmal bleibt – im Vergleich zu anderen seiner Zeit – eher schlicht: Das Denkmal schließt mit einem Sturmhelm ab, um den sich ein Lorbeerzweig rankt, allerdings ohne zierende Beeren. Zwei Fackeln flankieren die Namen der Gefallenen.
Die Einweihung des Gefallenendenkmals fand schließlich unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit statt. Zahlreiche Kehler Vereine waren in die Gedenkveranstaltung eingebunden. Den Auftakt zur „Weihe“ markierte die Aufstellung der Vereine am frühen Nachmittag auf dem Kehler Marktplatz. Von hier führte der Zug, angeführt vom Hanauer Musikverein, dem Gemeinderat und den Veteranenverbänden, zum Friedhof.
Hier wirkten am Programm sowohl ein Chor aus mehreren Männer-Gesangsvereinen als auch der Zusammenschluss von evangelischem und katholischem Kirchenchor mit Liedbeiträgen mit. Gebete und die Rede des Oberrealschuldirektors Robert Mangelsdorf bildeten weitere Programmpunkte. Umrahmt wurde die Einweihung durch Musikstücke, die der Hanauer Musikverein und die Harmonie Sundheim gemeinsam spielten. Hinter dem Denkmal hatten während der Feier die Vereine strahlenförmig Aufstellung genommen.
Die zu erwartende große Anteilnahme der Kehler Bevölkerung hatte im Vorfeld für Sicherheitsvorkehrungen gesorgt, die einen geregelten Zug durch die abgesperrten Straßen ermöglichen sollten. In Kehl waren als Folge des Krieges und der alliierten Rheinlandbesetzung seit Januar 1919 auch französische Soldaten stationiert. Für möglich gehalten wurden daher auch, dass infolge des Aufmarsches „Reibereien zwischen französischen Soldaten und der Bevölkerung vorkommen könnten“.
Aus einzelnen Schriftstücken, die sich im Stadtarchiv erhalten haben, wissen wir, dass das „Kriegerdenkmal“ im Nachgang der Einweihung heftig kritisiert wurde. Der damalige Kehler Bürgermeister Gustav Weis, der auch persönlich angefeindet wurde, sah sich gezwungen, den Architekten Hermann Esch und sein Werk öffentlich zu verteidigen.
Starken Widerspruch rief offenbar die schlichte, auf größere Ausschmückungen verzichtende Ausführung hervor, die von den externen Gutachtern allerdings als besonders würdevoll gelobt wurde: Der Charakter des Kehler Denkmals entspräche somit „einer Krieger-Ehrung sehr viel besser, als die pomphaften und stark in Einzelheiten aufgelösten Denkmäler, mit denen Friedhöfe und Ortschaften heute – sehr zum Nachteil eines echten Ausdrucks der Trauer um unsere Gefallenen – ‚geschmückt‘ werden.“
Für die Angehörigen der Gefallenen konnte das Denkmal als Ort der Trauer dienen, besonders durch die Namensnennung, und als Ersatz für das oft nicht bekannte oder nicht erreichbare Grab ihrer Verwandten. Neben dieser Funktion, die es bis heute für die Nachkommen erfüllt, bewahrt das Denkmal durch die Namensnennung auch ein Stück Kehler Familiengeschichte.
Mahnmal für die Kriegstoten und Vermissten des Zweiten Weltkriegs
Das Mahnmal für die Kriegstoten und Vermissten des Zweiten Weltkriegs wurde am Sonntag, den 17. Juni 1962 eingeweiht. Dies geschah unter großer Anteilnahme der Kehler Bevölkerung. Damals lag das Ende des Zweiten Weltkrieges 17 Jahre zurück und die Mehrheit der Bevölkerung hatte den Krieg noch unmittelbar selbst erlebt, ob als Zivilist oder Soldat. Das Mahnmal sollte an 719 Kriegstote und Vermisste aus Kehl erinnern, deren Namen im Vorfeld gesammelt worden waren. Die Zahl entsprach mehr als einem Zwanzigstel der Bevölkerung der Rheinstadt in der Kriegszeit. Ganz überwiegend handelte es sich um die Namen gefallener oder vermisster Soldaten, daneben wurden auch 38 im Krieg getötete Kehler Zivilisten aufgeführt.
Die Stadt verstand das Mahnmal – nach Jahren des Wiederaufbaus nach Krieg und Besatzung – als Zeichen dafür, dass die Toten und Vermissten nicht vergessen waren. Ihre Gräber, sofern bekannt, lagen nämlich ganz überwiegend nicht in Kehl. Mehrheitlich waren die Soldaten an der damaligen Ostfront gefallen oder vermisst worden. Für die meisten Angehörigen waren die letzten Ruhestätten der Toten hinter dem Eisernen Vorhang unerreichbar.
Die Gestaltung der Gedenkstätte war dem Freiburger Bildhauer Bruno Knittel übertragen worden. Sie ist in ihrer Abstraktheit deutungsoffen: Ob ihre Elemente aufgeschichtete Holzscheite, eine Opferschale, die Strahlen einer Sonne oder eines ewigen Lichts, oder etwa die abstrakte Darstellung eines Kreuzes darstellen sollen, liegt im Auge des Betrachters. Das Mahnmal, das zur Zeit seiner Einweihung als „Ehrenmal“ bezeichnet wurde, enthält auch keine sichtbaren Namen. Sie wurden in einem Buch auf Pergament festgehalten, das man in einer kupfernen Kassette im „Ehrenmal“ verwahrte.
In vielerlei Hinsicht verweisen das Mahnmal und die Einweihungsfeier auf die damaligen Mentalitäten und Zeitumstände. Das Datum der Einweihungsfeier war gewollt auf den Feiertag gelegt worden, der an den wenige Jahre zuvor gewaltsam niedergeschlagenen Protest der DDR-Bevölkerung am 17. Juni 1953 erinnerte. In Zeiten des Kalten Krieges zog der damalige Kehler Bürgermeister Trudpert Müller eine Verbindung zwischen dem „Ehrenmal“ und dem Gedenken am 17. Juni: Schließlich sei das geteilte Deutschland eine unmittelbare Folge des verlorenen Krieges gewesen und wie die Angehörigen der Kriegstoten würden auch die Angehörigen der an der innerdeutschen Grenze Erschossenen in jenen Tagen nun trauern.
Typisch für die Erinnerungskultur der Zeit war, dass ein Gedenken an die Kriegstoten und Vermissten im Mittelpunkt stand, während ein Gedenken an die zahllosen Opfer der NS-Herrschaft noch weit entfernt lag. Weder wurde in der damaligen Zeit an die verfolgten und ermordeten Jüdinnen und Juden aus Kehl erinnert noch an die Dutzenden Kehler Patienten von Heilanstalten, die in Tötungsanstalten wie Grafeneck vergast worden waren.
Auf der alphabetischen Liste der Kriegstoten und Vermissten (137 KB), die die Kehler Zeitung im Vorfeld der Einweihungsfeier abdruckte, finden wir hingegen Namen von Tätern, die sich z.B. als Gestapo-Beamte aktiv am Pogrom im November 1938 beteiligt haben. Aber auch der Name von Wilhelm Friedrich Krauss ist abgedruckt: Er wurde wegen Zersetzung der Wehrkraft durch ein Feldkriegsgericht am 25.7.1942 erschossen. Täter und Opfer verschwimmen so hinter dem allgemeinen „Dank“, den die Stadt „unseren Toten 1939—1945“, so die Aufschrift der Gedenkstätte, ausspricht.
Auch der verbrecherische Charakter des Krieges und die Beteiligung deutscher Soldaten und SS-Angehörigen an zahllosen Kriegsverbrechen wurden noch tabuisiert. Die Kehler Zeitung zitiert den Bürgermeister Trudpert Müller in der Berichterstattung 1962 stattdessen: „Deutsche Soldaten haben sich an vielen Fronten zu Lande, zu Wasser und in der Luft tapfer geschlagen und große Leistungen vollbracht. Aber auch über die militärisch bedeutungsvollen Leistungen werde man heute nicht froh, angesichts des schrecklichen Blutzolls, den unser Volk an der Front und in der Heimat gebracht hat.“
Erst die Ausstellung über die „Verbrechen der Wehrmacht“ wird mehr als 30 Jahre später die Legende der „sauberen Wehrmacht“ erschüttern.

