Erneuerbarer Diesel
Pflanzenöl statt Diesel: Betriebshof testet erneuerbaren Kraftstoff
An heißen und trockenen Sommertagen lässt er sich regelmäßig in der Stadt beobachten: der orangefarbene Unimog des Betriebshofs, ausgestattet mit schwenkbarem Gießarm und Wassertank. Dann ist das Fahrzeug im Einsatz, um öffentliche Grünflächen und Bäume zu bewässern und dadurch zu erhalten. Tatsächlich ist der Beitrag, den der Betriebshof dabei leistet, um Natur im Stadtgebiet zu erhalten, größer als der Eindruck zunächst erweckt. Denn: Der Unimog nutzt mit dem Treibstoff HVO100 einen erneuerbaren Diesel aus nachhaltigen Rest- und Abfallstoffen.
HVO oder „Hydrotreated Vegetable Oil“ bezeichnet hydriertes, also mit Wasserstoff behandeltes Pflanzenöl. Hergestellt wird der erneuerbare Diesel-Kraftstoff überwiegend aus wiederverwertbarem Speiseöl oder pflanzlichen und tierischen Altspeisefetten. Seit August betankt der Betriebshof damit insgesamt 18 Fahrzeuge seines Fuhrparks und erhofft sich davon weniger Wartungskosten und Werkstattaufenthalte. Aufgrund seiner Zusammensetzung erfolgt die Verbrennung des erneuerbaren Diesels vergleichsweise sauber. Dadurch entstehen weniger Partikel, die sich im Motorraum ablagern können. Für den Betriebshof ist das ein betrieblicher Vorteil. Da die Fahrzeuge überwiegend kurze Strecken zurücklegen, treten an diesen immer wieder Probleme auf, weil sich beispielsweise Partikelfilter zugesetzt haben. Die Umstellung der Fahrzeuge auf den erneuerbaren Alternativdiesel könnte somit einigen Werkstattbesuchen vorbeugen. Zu den Fahrzeugen, die der Betriebshof mit HVO betankt, zählen neben dem Unimog, der als Gießwagen und im Winterdienst eingesetzt wird, unter anderem auch Rasenmäher für Großflächen wie Sportplätze, Baustellen-Pkw und Großschlepper (Traktoren), die Bauschutt oder Baumschnitt abtransportieren.
Zusätzlich zu den Wartungs- und Werkstattkosten senkt der Betriebshof durch die Betankung mit HVO auch seine Treibhausgas-Bilanz – und das, obwohl bei der Verbrennung ebenso viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird. Der Grund: Die nachhaltigen Rohstoffe, aus denen der Kraftstoff besteht, erzeugen bei der Verbrennung weniger klimaschädliches CO2. Auch der Ausstoß von Feinstaub und Stickoxiden fällt geringer aus. Ein weiterer Vorteil: Die Betriebshofahrzeuge lassen sich ohne Umrüstungen mit dem synthetischen Sprit betanken. Das erspart zusätzliche Kosten.
Gegenwärtig ist die HVO-Alternative im Vergleich zu herkömmlichem Diesel zudem günstiger. Der Literpreis liegt sechs bis sieben Cent niedriger. Monatlich verbraucht der Betriebshof mehr als 7500 Liter.
Der Fuhrpark des Betriebshofs ist zudem bereits teilweise elektrifiziert. Die drei kleinen Reinigungsfahrzeuge surren mit Elektroantrieb durchs Stadtgebiet. Auch drei der Pkw sind sogenannte Stromer. Für die schweren Nutzfahrzeuge wie Großschlepper und Unimogs steht eine entsprechende Ladeinfrastruktur noch nicht zur Verfügung.
