Besuch aus Quimper
Oberbürgermeister Wolfram Britz empfängt französische Berufsschüler im Rathaus
Zum Lernen gehört der stetige Austausch – und das auch über Landesgrenzen hinweg. Diese Erfahrung machen derzeit Berufsschülerinnen und -schüler aus der französischen Stadt Quimper. Im Rahmen des Erasmus-Programms sind sie für einen fünftägigen Besuch bei den Beruflichen Schulen Kehl in der Rheinstadt zu Gast. Während ihres Aufenthalts wurden die Jugendlichen auch von Oberbürgermeister Wolfram Britz im Rathaus empfangen. Er sprach mit ihnen über deutsch-französische Unterschiede und Gemeinsamkeiten, die Besonderheiten Kehls sowie die Bedeutung politischen und gesellschaftlichen Engagements. „Der Austausch junger Menschen ist wichtig für ein gemeinsames Europa“, betonte Wolfram Britz. Zugleich verwies er auf die lange und heute besonders wertvolle Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich, die gerade in der aktuellen Zeit von großer Bedeutung sei.
Die elf französischen Azubis absolvieren entweder eine Ausbildung in der Gastronomie oder im Handel. In Kehl erhielten sie Einblicke in das deutsche Ausbildungssystem sowie in die lokale Handels- und Gastronomiebranche. „Vielleicht ergibt sich aber auch die Möglichkeit für ein späteres Praktikum“, sagte Axel Schön, der an den Beruflichen Schulen Kehl für die Hotel- und Gaststättenberufe zuständig ist. Er fungierte im Gespräch zwischen den französischen Jugendlichen und Oberbürgermeister Wolfram Britz als Übersetzer. Die Sprache habe er von seiner Frau gelernt, die er vor vielen Jahren selbst bei einem Austausch kennengelernt habe. Begleitet wurden die Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrerinnen Véronique Mischke und Gaëla Tymen. Erstere hat eine besondere Verbindung zur Rheinstadt: Ihr Mann war früher als Arzt im Kehler Krankenhaus tätig.
Großes Thema im Gespräch war die besondere Lage Kehls als Grenzstadt. „Kehl profitiert sehr durch den gemeinsamen Lebensraum mit Straßburg“, erklärte Wolfram Britz den Gästen aus Frankreich. Besonders durch gemeinsame Projekte wie die deutsch-französische Kinderkrippe in Port du Rhin, das Abwärmeprojekt Calorie Kehl-Strasbourg oder die grenzüberschreitende Tram. Allein 2024 nutzten rund 3,8 Millionen Fahrgäste die Tramverbindung über den Rhein. Kehl sei zudem seit jeher eine Einwanderungsstadt mit Menschen aus über 120 Nationen. „Das ist eine große Bereicherung, aber manchmal auch eine Herausforderung“, sagte der Oberbürgermeister. Nach den Deutschen sind Französinnen und Franzosen die größte Bevölkerungsgruppe in Kehl. Dass in den Läden teilweise auch französisch gesprochen wird, sei den Schülerinnen und Schülern bei einem Besuch in einem Kehler Supermarkt aufgefallen, bemerkte eine der Auszubildenden.
Durch seine Grenznähe sei Kehl von einer hohen Dichte an Drogeriemärkten, Tabakläden und Glücksspielangeboten geprägt. „Das ist nicht unbedingt positiv für die Entwicklung einer Stadt“, sagte Wolfram Britz. Gleichzeitig verfüge Kehl über eine vielfältige Gastronomieszene und ein Nachtleben, das gerne auch von den französischen Nachbarn genutzt werde.
Darüber hinaus kam die Rolle Kehls als wichtiger Bildungsstandort zur Sprache. Dabei betonte Wolfram Britz die Wichtigkeit, neben einer Hochschule auch eine Berufsschule vor Ort zu haben.
„Wer von Ihnen engagiert sich politisch?“, wollte der Oberbürgermeister abschließend von den Jugendlichen wissen und richtete einen Appell an die Gäste: Junge Menschen sollten sich stärker einbringen. Demokratie lebe vom Mitmachen. „Wenn Sie die Gesellschaft nicht mitgestalten, tun es andere“, betonte er. Gemeinsam seien Deutschland und Frankreich stark – und damit auch Europa.
