Leutesheimer Wald

Leutesheimer Wald: Vegetation erholt sich nach Pflegeschnitt schneller als gedacht

Nach der großangelegten Pflegemaßnahme im Leutesheimer Wald hat sich die Vegetation schneller erholt als erwartet. 

Da muss selbst der Fachmann staunen: Der Waldrand entlang des Verbindungswegs zwischen der EdF-Straße und dem Naturschutzgebiet Roßwörth präsentiert sich nur acht Monate nach der großangelegten Pflegemaßnahme wieder in einem saftig-gesunden Grün. Wie schnell sich die Vegetation davon erholt hat, überrascht selbst Revierförster Markus Gutmann.

Auch das Schilf ist zurückgekehrt und ist für die Wasserbewohner ein wichtiger Lebensraum.

Eigentlich ist der Wachstumsschub sogar noch beeindruckender, denn die de-facto-Vegetationszeit liegt nicht bei acht, sondern lediglich drei Monaten. Im Dezember 2025 wurde der Leutesheimer Wald für insgesamt 140 angehende Forstwirte aus dem forstlichen Ausbildungszentrum Mattenhof (FAZ) in Gengenbach zu einer Art Klassenzimmer. Auf dem Stundenplan standen Biotoppflege und Verkehrssicherung. Doch statt Papier und Stift gab es für die Schülerinnen und Schüler Markierungsbändchen und Kettensägen. Damit galt es beispielsweise, konkurrenzstarke Sträucher wie die Hasel oder den Roten Hartriegel zurückzuschneiden und damit selten gewordenen Pflanzenarten eine Wachstumschance zu geben. Außerdem galt es, in ihrer Standsicherheit gefährdete Bäume zu entnehmen, damit diese nicht ungewollt auf die Straße stürzen und Passantinnen und Passanten in Gefahr bringen konnten. An zwei aufeinanderfolgenden Dezemberwochen schnitten sich die Forstauszubildenden vom Mattenhof durch den Leutesheimer Waldrand entlang des Verbindungswegs. Revierförster Markus Gutmann lobte die Arbeit der Auszubildenden als „sensationell super“. Trotz des erheblichen Organisationsaufwands bezeichnet er die Zusammenarbeit mit dem FAZ als „Win-Win-Situation“. Der Anblick, der sich Spaziergängerinnen und Spaziergänger nach dem Pflegeschnitt im Leutesheimer Wald bot, wirkte auf einige dennoch schockierend. „Was machen die da draußen?“, „Die holzen ja alles ab!“ Reaktionen wie diese erreichten den Revierförster im Winter. Die Skepsis kam für ihn keineswegs überraschend. Bereits 2017, als Auszubildende des Mattenhofs das Naturschutzgebiet Roßwörth am Ortseingang von Leutesheim pflegten, Kopfweiden auf den Stock setzten und dadurch den Röhrichtwuchs begünstigten, zeigten sich die Leutesheimerinnen und Leutesheimer zunächst skeptisch. Noch im Dezember 2025 rechnete Revierförster Markus Gutmann damit, dass die Waldbesucherinnen und Waldbesucher in ein bis zwei Jahren (Forstexperten sprechen von Vegetationszeiten) die positive Waldentwicklung erkennen könnten. Dass die Vegetationszeit nun gerade einmal drei Monate betrug, verblüffte selbst den Revierförster. „Das war selbst für uns Fachleute erstaunlich." Wo im Winter noch Baumstümpfe aus dem kargen, laubbedeckten Waldboden herausragten, wachsen mittlerweile üppige Sträucher und Farne, Schmetterlinge und Libellen flattern und surren geschäftig durch die Luft. „Die Entwicklung stellt uns sehr zufrieden“, sagt Markus Gutmann.
 
Ein dickes Lob für die umfangreiche Pflegemaßnahme gibt es auch von Martin Schley. Nahezu täglich geht der Leutesheimer im Wald spazieren. Auf seinen Spaziergängen kommt er auch am Baggersee Mittelgrund vorbei. Das Gewässer liegt am Verbindungsweg zwischen der EdF-Straße und der Abbiegespur zur Kläranlage (Junge Gründe). Im Dezember hatten sich die Auszubildenden vom Mattenhof dort in der Ufergehölzpflege geübt. Das Ziel war es, Schilfwuchs zu ermöglichen, indem die dortigen Weiden und Sträucher zurückgeschnitten wurden. „Das haben sie wirklich gut gemacht“, würdigt er die Arbeit der Forstazubis und der Mitarbeitenden des Waldservices Ortenau. Martin Schley war beruflich im naturnahen Wasserbau tätig. Durch den Rückschnitt bekommen Pflanzenarten wie das Röhricht, die stark auf Lichteinfall angewiesen sind, die Möglichkeit, in die Höhe zu wachsen. Inzwischen stehen auch Rohrkolben stellenweise meterhoch am Gewässerrand. Und auch die gestutzten Kopfweiden sind zwischenzeitlich gewachsen. Das zurückgekehrte Schilf ist für die Wasserbewohner ein wichtiger Lebensraum. Enten nutzen das Röhricht als Rückzugsort und zur Jungenaufzucht. Und auch unter der Wasseroberfläche verstecken sich Fische wie Karpfen, Wels, Schleie, Barsche oder Zander im Schilf. „Das wird schon gut“, ist Martin Schley zuversichtlich, dass sich die für ihn positive Entwicklung des Gewässerrands fortsetzt.Der nächste tiefgreifende Pflegeschnitt steht dem Leutesheimer Wald an diesen Stellen voraussichtlich erst in sieben bis zehn Jahren bevor. In diesem Rhythmus werden Waldflächen an Gewässerrändern gepflegt. Geschieht dies nicht, kommt es zur sogenannten Sukzessionsvegetation. Konkurrenzstarke Gewächse wie die Hasel oder der Hartriegel verdrängen weniger durchsetzungsstarke Pflanzenarten und etablieren, was Markus Gutmann einen „dunklen Wald“ nennt. Doch danach sieht es, für Waldbesucherinnen und -besucher augenscheinlich, im Leutesheimer Wald nicht aus.

Zum Nachhören im Podcast (ab Minute 2:45)