Kinderferienspaß

Ferienspaß mit Straußenei: 65 Kinder durchforsten bei Naturbingo den Rheinauenwald

Harte Schale, weicher Kern: Bei einem Straußenei hilft nur noch eine Zange, um die robuste Außenhaut abzubrechen.

Die beiden Siebenjährigen Leo und Loki können es kaum erwarten. Zusammen mit rund 30 Kindern stehen sie am Oberländerdenkmal im Rheinauenwald und erhalten unter anderem von Jugendsozialarbeiterin Nadine King ein paar letzte Instruktionen. Dann geht es los: durch den Wald zum nahegelegenen Sportplatz und von dort aus zurück zur Streckerwiese. Unterwegs, das ist ihre Aufgabe, sollen sie verschiedene Naturmaterialien sammeln. Welche das sind, das verraten ihnen Abbildungen in einem Eierkarton, den sie zum Start des Naturbingos erhalten haben. Der Karton dient gleichzeitig als Sammelbehälter.

Alex Neumann (Haus der Jugend) erklärt den Mädchen und Jungen auf der Streckerwiese, was ein Straußenei besonders macht. 

Das Naturbingo ist Teil des Kinderferienspaßprogramms im Haus der Jugend. Der Montag ist dabei traditionell der Kennenlern-Tag. Einige Kinder, wie beispielsweise Loki, sind bereits zum wiederholten Mal dabei, andere wiederum, wie etwa Leo, geben ihren Kinderferienspaß-Einstand. Damit sich die angemeldeten Kinder untereinander besser kennenlernen, werden sie in Zweier-Teams eingeteilt und gemeinsam auf die Suche nach Zweigen, Blättern und Blumen in den Wald geschickt. Das tun sie natürlich nicht unbeaufsichtigt. Die Suche erfolgt entlang eines festgelegten Pfads und in Begleitung der Jugendsozialarbeiterinnen sowie ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Leo und Loki werden rasch fündig. Binnen kürzester Zeit füllt sich ihr Eierkarton. Selbst das geforderte Schneckenhäuschen, eine Aufgabe, die einige Kinder vor Schwierigkeiten stellt, können die beiden Jungs ausfindig machen. Lediglich ein Duo war beim Naturbingo noch schneller als die beiden. Etwas enttäuscht begnügen sie sich mit dem zweiten Platz. Doch dann öffnen die Erstplatzierten ihren Eierkarton und müssen überrascht feststellen, sie haben das geforderte Stöckchen vergessen. Und so werden die beiden doch noch zu den Gewinnern des Naturbingos gekürt. „Das hat wirklich Spaß gemacht“, freuen sich Loki und Leo.

Auf der 40 Ar großen Streckerwiese wartet bereits Alex Neumann auf die Ankömmlinge. Der Leiter des Hauses der Jugend hat eine kleine Überraschung für die Mädchen und Jungen vorbereitet. Wobei klein eigentlich untertrieben ist. Bereits im Vorfeld hatte Alex Neumann auf einem Tierhof in Schwarzach für das Kinderferienprogramm sechs Straußeneier besorgt. Eines dieser Eier möchte er nun mit den Kindern in einer Paellapfanne über einem Gasgrill zubereiten. Doch dazu muss das Straußenei erst einmal geknackt werden. Kein leichtes Unterfangen, denn die Eier der fluglosen Vögel sind nicht nur sehr groß, deren Schale ist auch außerordentlich hart. So hart, dass Alex Neumann zu einer kleinen Bohrmaschine greifen muss, um die Außenhaut zu knacken. Anschließend bricht er mit einer Zange weitere Stücke ab, um das Bohrloch zu vergrößern. „Ein Straußenei“, rechnet er den staunenden Kindern vor, „entspricht knapp 25 Hühnereiern“. Dann gibt er das Straußenei in die Pfanne. Die Kinder würzen fleißig, geben Salz, Paprikapulver und Kräuter der Provence dazu. Auf Brotscheiben serviert, kommt es endlich zur Verkostung. Auch Leo und Loki beißen beherzt zu. „Sehr lecker“, lobt Leo.

Wer keine Lust auf Auenwald-Rallye und Naturbingo hat, kann sich die Zeit mit Malen oder Basteln verschönern.

Selbstwirksamkeit und Zwangslosigkeit als Erfolgsrezept

Seit mehr als 20 Jahren wird im Haus der Jugend regelmäßig ein Kinderferienspaß angeboten. Und auch in der zweiten Programmwoche im inzwischen 21. Ferienspaßjahr sind die Plätze mit 65 Kindern restlos ausgebucht. Für Marlene Huber macht insbesondere das Zusammenspiel aus kreativen Programmangeboten und Freiwilligkeit den Reiz des Ferienprogramms aus. Die 25-Jährige kommt gebürtig aus Rosenheim, hat an der Evangelischen Hochschule in Freiburg sowie in Straßburg Soziale Arbeit studiert und ist seit gerade einmal einer Woche die neue Interimsleiterin für den Jugendtreff Kreuzmatt. „Ich bin sozusagen direkt mit dem Ferienspaß eingestiegen“, sagt sie. Zuvor hatte sie an der Falkenhausenschule für ein halbes Jahr (von März bis zu den Sommerferien) in der Jugendsozialarbeit und der Nachmittagsbetreuung gearbeitet. Die Zwangslosigkeit sieht auch Alex Neumann als wichtige Zutat im Erfolgsrezept des Ferienprogramms. Kindern, die sich beispielsweise nicht für eine Naturbingo-Rallye durch den Rheinauenwald begeistern, steht es frei, währenddessen im Haus der Jugend zu bleiben. Das führt mitunter zu kreativen Alternativprogrammen: Einige Jugendliche hatten ein ungewöhnliches Fußballturnier veranstaltet. Vor jeder Partie wurde an einem Glücksrad gedreht. Daran waren verschiedene Handicaps wie „Lattentreffer zählen wie Tore“ befestigt. „Uns ist wichtig, den Kindern und Jugendlichen hier ein Gefühl von Selbstwirksamkeit zu vermitteln“, betont Alex Neumann.
„Mich überraschen auch die vielen Mitarbeitenden und Dazuhelfenden“, staunt Marlene Huber. Betreut werden die rund 65 Mädchen und Jungen durch ein zwölfköpfiges Team aus Mitarbeitenden der Offenen Jugendarbeit, der Schulsozialarbeit sowie ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Letzteres sind nicht selten ehrenamtliche Ferienspaßteilnehmerinnen und -teilnehmer. Alex Neumann bezeichnet sie als Idole. „Unsere Freizeit lebt davon, dass die Kinder jungen Erwachsenen begegnen, zu denen sie aufschauen“. Gleichzeitig übernehmen die jungen Ehrenamtshelfer auch eine „Eisbrecher“-Funktion, beispielsweise bei Kindern, denen es schwerfällt, Anschluss zu finden. „Das spricht sehr für diesen Ort“, lobt Marlene Huber. Zu den vielen Eindrücken, die sie während des Kinderferienspaßes bereits sammeln konnte, zählt auch ein Kulinarischer: „Es war auch für mich das erste Mal, dass ich Straußenei probiert habe“, berichtet sie und lacht.

Auf dem Speiseplan steht am Kennenlern-Montag aber keineswegs nur Rührei. Für die hungrigen Naturforscherinnen und Naturforscher gibt es zusätzlich Spaghetti Bolognese. Seit vergangenem Sommer bereitet das Mensa-Küchenteam aus der Schulkantine das Mittagsessen zu und unterstützt somit das Kinderferienspaß-Team.