Kommunale Kriminalprävention
Kommunale Kriminalprävention setzt neue Schwerpunkte
Die Kommunale Kriminalprävention (KKP) in Kehl, Rheinau und Willstätt steht vor neuen Herausforderungen: Psychische Erkrankungen und Obdachlosigkeit haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, während die Möglichkeiten, Betroffenen zu helfen, immer knapper werden. Beim jüngsten Netzwerktreffen im Haus der Jugend ging es daher um die Frage, wie durch eine noch engere Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen und Akteure gezielte Präventionsmaßnahmen entwickelt werden können, um Menschen frühzeitig zu unterstützen. Oberbürgermeister Wolfram Britz würdigte die Arbeit der Kommunalen Kriminalprävention: „Das Netzwerk leistet mit seiner engen Zusammenarbeit einen wichtigen Beitrag dazu, gesellschaftliche Herausforderungen frühzeitig zu erkennen und Menschen wirksam zu unterstützen.“ Zudem wurde die langjährige Koordinatorin Jannate Hammerstein verabschiedet.
Die Teilnehmenden des Netzwerktreffens berichteten übereinstimmend von einer steigenden Zahl psychisch belasteter Menschen. Gleichzeitig verschärft die angespannte Versorgungssituation die Situation: Kliniken sind überlastet, ambulante Angebote reichen vielerorts nicht aus und der Fachkräftemangel erschwert die Versorgung zusätzlich. So berichtete die psychologische Beratungsstelle von einer zunehmenden Zahl an Klientinnen und Klienten, deren Bedarf an Unterstützung ambulant nicht gedeckt werden kann, für die aber keine intensivere Behandlung zur Verfügung steht. Ein weiteres Thema ist, insbesondere in Kehl, eine zunehmende Zahl Obdachloser. Viele Betroffene, darin waren sich die Teilnehmenden des Treffens einig, kennen die vorhandenen Hilfsangebote nicht oder scheuen den Kontakt zu Unterstützungsstellen. Ziel müsse es daher sein, den Dialog mit den Betroffenen zu suchen, Vertrauen aufzubauen und Vorurteile sowie Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen.
Passend dazu stellte sich beim KKP-Treffen das Cabrini-Center in Achern vor: Mit einem multiprofessionellen Team aus Sozialarbeitenden sowie Therapeutinnen und Therapeuten bietet das vom Caritasverband Vordere Ortenau betriebene Zentrum Menschen mit Flucht- und Migrationserfahrung niederschwellige psychosoziale Beratung, Krisenintervention und therapeutische Unterstützung. Gefördert wird das Angebot aus Mitteln des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union. Das Angebot richtet sich – wenn möglich in der Muttersprache – an Geflüchtete mit längerer Aufenthaltsperspektive, die aufgrund traumatisierender Erfahrungen in ihrem Herkunftsland oder auf der Flucht psychische Unterstützung benötigen.
Die Kommunale Kriminalprävention setzt auf Vernetzung, um Angebote gezielt aufeinander abzustimmen, Synergien zu schaffen und Maßnahmen dort einzusetzen, wo sie am meisten bewirken. Seit Februar 2026 wird sie von Binja Frick, Leiterin der Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit, und Melanie Frühe, Leiterin der Stadtteil- und Sozialraumentwicklung, im Tandem koordiniert. „Gerade im kleinstädtischen Raum bieten kurze Wege und die enge Zusammenarbeit der beteiligten Institutionen gute Voraussetzungen, um schnell reagieren zu können“, sind sich die beiden einig. Zum Netzwerk gehören die Städte Kehl, Rheinau und Willstätt sowie verschiedene soziale, pädagogische und beratende Fachstellen aus den Bereichen Justiz, Prävention, Sucht und psychologische Unterstützung. Auch die Polizei ist eingebunden und bringt ihre kriminalpräventive Expertise ein. In den kommenden Monaten sollen insbesondere die Themen psychische Gesundheit und Obdachlosigkeit im Mittelpunkt der gemeinsamen Präventionsarbeit stehen.
Ein besonderer Moment des Treffens war die Verabschiedung von Jannate Hammerstein als Koordinatorin der Kommunalen Kriminalprävention. Seit 2014 war die heutige Leiterin der städtischen Bildungs- und Sozialplanung beim Deutschen Roten Kreuz für die Kriminal- und Gewaltprävention zuständig und entwickelte gemeinsam mit den Präventionsbeauftragten der Polizei ein umfassendes Präventionsprogramm für Kinder und Jugendliche in Kehl, Rheinau und Willstätt. Themen wie Medienkompetenz, Gewaltprävention, Sucht, Cybermobbing oder Computerspielsucht wurden dadurch dauerhaft im Schulalltag verankert. Als das DRK die Trägerschaft der Stelle 2021 aufgeben wollte, setzte sich der damalige Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Rheinau und Willstätt, den jeweiligen Bürgerstiftungen und dem aus der KKP hervorgegangenen Verein Courage für den Erhalt der Präventionsarbeit ein. Dank der finanziellen Beteiligung aller drei Kommunen konnte die KKP in städtischer Trägerschaft fortgeführt werden, deren Koordination Jannate Hammerstein übernahm. Für ihr langjähriges Engagement dankten ihr alle Teilnehmenden sehr herzlich.

