Brücke und Bug

Reinhard Scherer (1948 Wangen), Brücke und Bug (zweiteilig), 1988

Reinhard Scherer, gebürtig 1948 aus Wangen im Allgäu, ist Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg und hat zahlreiche Werke im öffentlichen Raum realisiert. Seine Formensprache ist ebenso klar wie eigenwillig. Der renommierte Stahlbildhauer studiert von 1973-1977 an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart bei Rudolf Hoflehner und ist mit beeindruckend großen, konstruktivistischen Stahlarbeiten im öffentlichen Raum präsent. Der Charakter des eckig Gebauten betrifft die frühen Arbeiten stärker als die neueren, zugleich sind sie raumgreifend. Die zweiteilige Arbeit „Brücke und Bug“ nimmt Elemente aus einem alten Zusammenhang und stellt sie in einen neuen. Die Metapher des Schiffs ist hier vor der Hochschule für Verwaltung in Kehl symbolträchtig und auf das ursprüngliche Landschaftsbild, die Kinzigauen, bezogen. Der bis etwa 1900 vorhandene Fluss wird seither durch einen Kanal umgeleitet. „Die Skulpturen wecken Assoziationen an ein Schiff, scheinen in der Auenlandschaft zu versinken, machen die neugebaute Hochschule zur Insel, ein „Tor zur Stadt Kehl und Denkraum“, so sagt der Bildhauer selbst. Ein so intensives Eingreifen in das Umfeld wertet der Künstler noch 1990 als einen Idealfall für die Arbeit. (RS, 1990) Nur die Brücke und nur der Bug reichen als Andeutung eines Schiffs aus. Die Formsprache lässt die beiden Teile als zusammengehörig, mindestens als aufeinander bezogen, erkennen. „Mit Stahl ‚baue ich im Raum‘, lade die Formen mit Energie auf, halte Bewegung in einem ‚Moment‘ fest, ‚fasse‘ den Raum, baue an der nächsten ‚Etappe‘“, RS (Dezember 2013, Katalog Stahlplastik heute).