Fliegende Möwen
Hans Nagel (1926 - 1978), Fliegende Möwen, 1964
In den sechziger und siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist der Heidelberger Künstler Hans Nagel mit seinen Arbeiten vielfach im öffentlichen Raum präsent. Aus jener Zeit stammt seine Plastik „Fliegende Möwen“ (1964). Nagel ist damals als Dozent an der Freien Akademie Mannheim tätig. Später wechselt er nach Hamburg und Mainz bis er im Jahr 1973 eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Kunst in Berlin erhält und dem Vorstand des Deutschen Künstlerbundes angehört. Seine Bildsprache, die in den siebziger Jahren in markante Röhrenfiguren mündet, entwickelt er zunächst aus der menschlichen Figur, die er zunehmend abstrahiert. Das Organisch-Ursprüngliche, Vegetative und Kristalline gewinne zunehmend an Bedeutung, wie Andreas Bee in einem Text von 1996 über das plastische Werk Nagels bemerkt.Für die „Fliegenden Möwen“ macht Nagel sich die aufgebrochene, komponierte Form zunutze. Einzelne Teile aus Eisenschrott schweißt er gekonnt zusammen. Die kreisförmig angeordneten unregelmäßigen Teile lassen einen offenen Innenraum entstehen, alles ist durchlässig. Durch Drehung und Kippen der Elemente erhält die Arbeit etwas luftig Leichtes, Durchblicke in den Himmel sind möglich, der Blick wird immer wieder entlang der unterschiedlichen Perspektiven, welche die Elemente bieten, gelenkt. Wohin fliegen die Möwen, die doch aneinandergebunden sind? Es entsteht ein Widerspruch zwischen größtmöglicher Freiheit, dem Davonfliegen und dem Gebundensein. Die Arbeit strahlt eine hohe Symbolkraft aus.