Regenwasserrückhaltung
Wie eine Badewanne: Retentionsvolumen speichert Regenwasser und entlastet Kanalsystem
Auf den ersten Blick erinnern sie für einen Laien an Getränkekisten. Tatsächlich haben sie auch mit Wasser zu tun – allerdings mit jenem, das vom Himmel fällt. Im Baugebiet Hanfplatz in Kittersburg werden Module aus Kunststoff zu einem unterirdischen Speicher (Retentionsvolumen) zusammengesteckt. Für die Stadt ein Novum und das gleich in vielerlei Hinsicht: Anders als bei herkömmlichen Rigolen oder Speichern wird hier kein Füllmaterial wie beispielsweise Kies verwendet, sondern besagte Kunststoffmodule. Zudem bietet die Rigole in Kittersburg einen Versickerungsschutz. Sie sorgt dafür, dass Niederschlag nicht ins ohnehin hochstehende Grundwasser gelangt, sondern kontrolliert an die Kanalisation abgeführt wird.
Der Grund für diese Herangehensweise ist das bestehende Regenwasserkanalsystem. Das Bestandsnetz ist bereits ausgelastet. Dennoch sollen in dem Bebauungsgebiet auf einer Fläche von etwa 2,7 Hektar rund 70 Wohnhäuser entstehen. Die zusätzlichen Niederschlagsmengen, die von diesen Grundstücken später in das Kanalnetz eingeleitet werden sollen, würden das Netz vor große Schwierigkeiten stellen. Das Retentionsvolumen schafft hier Entlastung. "Man kann sich das wie eine große Badewanne vorstellen", sagt Sebastian Vogt von den Technischen Diensten Kehl (TDK). Eine Badewanne mit einem Fassungsvermögen von 410 Kubikmetern. Dabei kommt dem Speicherbauwerk seine modulare Bauweise zugute. Während konventionelle Rigolen rund 30 Prozent des Niederschlags zwischenspeichern und mit Verzögerung abgeben, kommt das Halbschalenkonstrukt auf eine Speicherfähigkeit von mehr als 95 Prozent. Zusätzlich ummanteln Kunststoffdichtungsbahnen die Rigole in Kittersburg und sorgen dafür, dass der anfallende Niederschlag den Grundwasserspiegel nicht weiter ansteigen lässt. Allerdings haben auch Badewannen nur ein begrenztes Fassungsvermögen und laufen schließlich voll. Hier ist das nicht anders. Bedingt durch die klimatischen Veränderungen häufen sich sogenannte Starkregenereignisse, in denen über einen längeren Zeitraum viel Niederschlag fällt. Das könnte das Retentionsvolumen durchaus an seine Grenzen bringen. Das ist bei den Planungen mitbedacht worden, weshalb die Zu- und Ableitungen der Rigole größer dimensioniert wurden, um mehr Volumen zu schaffen. Das Ergebnis: Das Regenwasser verteilt sich auf den unterirdischen Speicher und dessen Kanalanschlüsse. "Das verschafft uns einen wichtigen Zeitpuffer", sagt Sebastian Vogt. Indem das modulare Speicherbauwerk den Niederschlag aus dem zukünftigen Wohngebiet zwischenspeichert und gedrosselt an das Bestandsnetz abgibt, sodass dieses nicht überlastet wird, kommt die Rigole nicht nur den künftigen Anwohnerinnen und Anwohnern von Kittersburg zugute, sondern auch den bisherigen.
"So ein Bauprojekt plant man nicht jeden Tag. Für uns war das Neuland", berichtet Sebastian Vogt. Entscheidend war vor allem das Timing. "Wir konnten nur zu Zeiten mit niedrigem Grundwasserstand bauen", ergänzt Lorenz Burgert, Tiefbauunternehmer aus Offenburg. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten verschwindet das Halbschalenkonstrukt aus dem Blickfeld. Die Fläche soll später, wenn ein gewisser Bebauungsgrad erreicht ist, zu einem Spielplatz für das künftige Wohngebiet gestaltet werden. Die Kosten für Rigole und Spielplatzvorarbeiten werden mit rund 59 000 Euro beziffert. Nach aktuellem Stand liegt das Vorhaben im Kostenplan.

