Unternehmerfrühstück

IHK-Unternehmerfrühstück tischt auf: KI, Digitalisierung und ein Unternehmenszwilling auf der anderen Rheinseite

Innovation und Digitalisierung im industriellen Kontext – das war das große Thema beim Unternehmerfrühstück, zu dem die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein sowie die Wirtschaftsförderung und die Stadt Kehl eingeladen hatten. Gastgeberin war die Softwarefirma Dalim an der Straßburger Straße.

Das Gebäude des Softwareunternehmens Dalim an der Straßburger Straße.
Stadt, Wirtschaftsförderung und IHK hatten in die Räume des Softwareunternehmens Dalim eingeladen.

„Wir befinden uns das dritte Jahr in Folge in einer Rezession.“ IHK-Referent und Community Manager für den Ortenaukreis im Projekt Zukunft.Raum.Schwarzwald, Niklas Lehmann, zeichnete eingangs ein düsteres Bild der deutschen Wirtschaft. Die Konsequenz: In den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen schrumpft das Investitionsbudget. „Und das, obwohl Investitionen wichtig sind, um als Unternehmen konkurrenzfähig zu bleiben.“ In welche Themen und Technologien Unternehmen in diesen krisengeplagten Zeiten investieren können, welche möglichen Förderungen es gibt und wie sich Unternehmen vor Angriffen aus dem Internet schützen, darum ging es im weiteren Verlauf des Unternehmerfrühstücks. In diesem Zusammenhang stellte die IHK auch das Projekt „Business Twin“ vor, das grenzüberschreitende Unternehmenspartnerschaften vermittelt. „Gerade in Anbetracht des gegenwärtigen Weltgeschehens kommen grenzüberschreitenden Kooperationen eine große Bedeutung zu“, betonte Oberbürgermeister Wolfram Britz bei seiner Begrüßung. Dass die Unternehmerinnen und Unternehmer diese Einschätzung teilten, zeigte sich an den Anmeldezahlen. Nicht nur Vertreterinnen und Vertreter von Betrieben auf deutscher Rheinseite waren bei Dalim zu Gast, auch aus dem benachbarten Frankreich kamen Zuhörerinnen und Zuhörer. IHK-Referent Niklas Lehmann sprach angesichts von knapp 45 Anmeldungen sogar von einem Rekordwert.

Unternehmenspartnerschaften

Die IHK hilft Unternehmen aus der Region dabei, ihren unternehmerischen Zwilling auf der anderen Rheinseite zu finden. „Business Twin“ heißt das durch Interreg geförderte Projekt, das Betriebe mit vergleichbarer Ausrichtung oder gemeinsamen Interessen, aber aus verschiedenen Ländern, zusammenbringt. Das sogenannte „Matching“ übernimmt die IHK und vergleicht Betriebe anhand ihrer Geschäftsausrichtung, ihrer Unternehmensgröße und ihrer geografischen Lage. Dabei wird sie beispielsweise durch ihr französisches Pendant, die Chambre de commerce et d'industrie Alsace (kurz: CCI Alsace), unterstützt. Ergibt sich ein Treffer, steht es den Geschäftsführenden frei, ob sie eine grenzüberschreitende Unternehmenspartnerschaft eingehen wollen. Juristische Verpflichtungen ergeben sich daraus nicht, stattdessen präsentierte IHK-Referent für die Zusammenarbeit am Oberrhein, Philippe Fraunhofer, eine Reihe von Vorteilen: Das Projekt „Business Twin“ richtet sich in erster Linie an kleine und mittlere Unternehmen. Ihnen bietet sich durch eine Partnerschaft die Gelegenheit, neue Märkte im Ausland zu erschließen. Auch bei der Personalgewinnung können die Partnerunternehmen nach Darstellung der IHK mit Offenheit und interkultureller Kompetenz punkten, und in Krisensituationen können befreundete Unternehmen als zusätzliche Ansprechpartner dienen.

Oberbürgermeister Wolfram Britz spricht vor Unternehmerinnen und Unternehmern.
Wie wichtig grenzüberschreitende Zusammenarbeiten sind, betonte Oberbürgermeister Wolfram Britz beim Unternehmerfrühstück der IHK.

Künstliche Intelligenz

Wann immer es um das weite Themenfeld der Digitalisierung geht, ist immer häufiger auch die Rede von der künstlichen Intelligenz. Beim Unternehmerfrühstück gab es dazu eine kleine Exkursion. So erfuhren die Zuhörerinnen und Zuhörer, dass der englische Ausdruck für künstliche Intelligenz, „artificial intelligence“, erstmals am 2. September 1955 auf einem Fördermittelantrag des US-amerikanischen Informatikers John McCarthy an die Rockefeller-Stiftung erwähnt wurde. 1966 wurde mit ELIZA in den USA ein Computerprogramm veröffentlicht, das in der Lage war, mittels Textnachrichten mit Nutzerinnen und Nutzern zu kommunizieren. ELIZA gilt als erster Chatbot. 1997 gelang es erstmals einem Schachprogramm, den damaligen Schachweltmeister Garri Kasparow zu schlagen. 2014 soll es erstmals einem Chatbot gelungen sein, den sogenannten Turing-Test zu bestehen, also seinen Nutzer davon zu überzeugen, selbst ein Mensch zu sein. Und im November 2022 veröffentlichte das US-Unternehmen OpenAI das bislang wohl bekannteste Beispiel für künstliche Intelligenz, den Chatbot "ChatGPT". Auch in Unternehmen wird KI bereits vielfältig genutzt. Die Beispiele reichen von Textautomatisierung und Schreibunterstützung im Büro, über Energieverbrauch-Optimierungen im Produktionsbereich bis hin zu Routenoptimierungen in der Spedition. Allerdings sei es wichtig, die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei der Einführung von KI-Lösungen miteinzubeziehen, gab IHK-Referentin für Digitalisierung, Riccarda Müller, den Unternehmerinnen und Unternehmern mit auf den Weg. „Viele Digitalisierungsprojekte scheitern an der Akzeptanz.“

Fördermöglichkeiten

Welche Möglichkeiten es gibt, sich Investitionen in die Digitalisierung durch Bund und Land fördern zu lassen, präsentierte IHK-Referent Philipp Klemenz. Exemplarisch stellte er den Innovationsgutschein Baden-Württemberg vor. Das Landesministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus bezuschusst innovative Vorhaben kleiner und mittlerer Unternehmen sowie Gründerinnen und Gründer mit Sitz in Baden-Württemberg mit bis zu 7500 Euro. Als weiteres Förderprogramm stellte der Klemenz die steuerliche Forschungszulage des Bundes vor. Diese richtet sich ebenfalls primär an kleine und mittlere Unternehmen und fördert Forschungs- und Entwicklungsvorhaben aus den Bereichen Grundlagenforschung, industrielle und experimentelle Forschung – und das 4 Jahre rückwirkend.

Nachhaltigkeit

„Dem Klimawandel ist es egal, ob man an ihn glaubt oder nicht. Er ist ein wissenschaftlicher Fakt.“ IHK-Referent für Klimaschutz und Ressourceneffizienz Patrick Bareiter sprach in seinem Kurzvortrag über den Nutzen von Investitionen in das Thema Nachhaltigkeit. Kriege, Krisen und sich häufende Wetterextreme stellen auch die Betriebe vor Ort vor große Herausforderungen. Wie entwickeln sich die Energie- und Rohstoffpreise? Wie werden Mitarbeitende bei langen Hitze- oder Kälteperioden geschützt? Ist der gewählte Standort für den Firmenserver auch hochwassersicher? Patrick Bareiter stellte Investitionen in nachhaltige und erneuerbare Energien als Chance dar, das eigene Unternehmen krisenrobuster zu machen. Als Beispiel nannte er die gegenwärtige Gasversorgung. Unternehmen, die bereits in Photovoltaik und Gebäudedämmung investiert haben, wurden weniger hart von der Preissteigerung getroffen. Als ersten Schritt empfahl er Betrieben, eine CO2-Bilanz aufzustellen, die den unternehmenseigenen Energie- und Ressourcenverbrauch aufzeigt. Daraus ließen sich anschließend Strategien und Pläne zur Effizienzsteigerung ableiten.

Cybersicherheit

Mit zunehmender Digitalisierung von Unternehmensbereichen steigt dort auch das Risiko für einen Angriff über das Internet. Wie es um die betriebseigene Sicherheit in einem solchen Fall bestellt ist, können Unternehmen bei einem Cybersicherheitscheck zusammen mit IHK-Referentin Hülya Sevgin überprüfen lassen. 33 Fragen, gegliedert in acht Bereiche, geben Aufschluss über Sicherheitslücken und Defizite im Unternehmen. IT-Kenntnisse sind für die Checkliste nicht erforderlich. Sie ist als „Einstiegskarte“ in das Thema Cybersicherheit gedacht.

Hintergrund

Das Softwareunternehmen Dalim wurde im Jahr 1985 gegründet und befindet sich seit rund zehn Jahren in den Räumen an der Straßburger Straße. Die Digitalfirma unterstützt weltweit Unternehmen in der Medien- und Printproduktion, indem sie unter anderem Software bereitstellt, mit der Verpackungen erstellt, individualisiert und auf verschiedenem Untergrund gedruckt wird.